236.000 Besucher (119.000 Fachbesucher und 117.000 Privatbesucher) aus 137 Ländern und 4.000 Aussteller kamen dieses Jahr zur Frankfurter Buchmesse (FBM). Kennzahlen, die in etwa dem Vorjahresniveau entsprechen. Offenbar hat die Messe damit ihren neuen Normalzustand erreicht.
Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten: 46 % weniger Aussteller, 22 % weniger Besucher
Im Vergleich mit den Vor-Corona-Zahlen zeigt sich, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie einen erheblichen Teil des Messegeschäfts auf Dauer vernichtet haben: Die Zahl der Aussteller ging um 46 (!) Prozent zurück (2019: 7.450, 2026: 4.000), die Besucherzahlen sanken um 22 Prozent (2019: 302.267, 2026: 236.000). Eine Wirtschaft in der Rezession und hohe Teuerungsraten trugen ebenfalls zum Rückgang des Messegeschehens bei.
Eine Konsequenz: Die Frankfurter Buchmesse öffnet sich stärker für Privatbesucher (drei statt zwei Privatbesuchertage), um den Schwund auszugleichen. Heute benötigt die Buchmesse nur noch die Hallen rund um das Freigelände (Agora) sowie die Jahrhunderthalle. Während in besseren Zeiten auch noch die Hallen 6 und 8 belegt waren.

Letzte Buchmesse von Juergen Boos
Juergen Boos, der scheidende Direktor der Frankfurter Buchmesse, sagt dazu:
Diese Frankfurter Buchmesse hat gezeigt, dass die Zukunft des Buches an mehreren Orten zugleich gestaltet wird: an den Tischen der Rechte-Händler, in der Debatte über KI und Publikationsfreiheit sowie in der direkten Begegnung mit Lesern.
Frankfurt führt diese Orte zusammen. Hier handelt die Branche, spricht über die Bedingungen ihrer Zukunft und feiert die Literatur gemeinsam mit den Lesern.

Sinkende Lesekompetenz, wirtschaftliche Herausforderungen
Auch Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, zieht ein positives Fazit:
Die Frankfurter Buchmesse ist der Ort, an dem die Branche über Hallen und Nationen hinweg wichtige Fragen verhandelt: Uns alle beschäftigen die sinkende Lesekompetenz junger Menschen und auch die Auswirkungen von KI auf die Branche.
Die unverändert große öffentliche Aufmerksamkeit und das enorme Interesse vieler Besucher an der Buchmesse in Frankfurt lässt uns jedoch trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen zuversichtlich in die Zukunft blicken.“

Neue Ordnung, klare Orientierung: Hallenlayout 2026
Die Resonanz auf das neue Hallenlayout fiel bei Ausstellern, Fachbesuchern, Publikum und Medien positiv aus. Besonders häufig nannten sie die klare Orientierung und die ansprechende Aufteilung der Hallen.

Sprung in Richtung Lesefest
Jo Lendle, Hanser-Verleger und Vorsitzender des Ausschusses für Verlage, sagt:
Mehr Luft, weniger Stau: Frankfurt behält seine Relevanz als Fachmesse und schafft einen riesigen Sprung in Richtung Lesefest. Die Publikumstage verliefen spürbar leichter – quirlig, aber nicht gedrängt.

Literaturagenten sind zufrieden
Anna Soler-Pont (Pontas Agency) meint:
Obwohl viele Lektoren viel hin und her laufen mussten und die kurze Zeit zwischen den Terminen eine Herausforderung darstellten, war das diesjährige LitAg fantastisch. Und für mich einer der besten Veranstaltungsorte überhaupt.

Aussteller-Rekord bei Hörbüchern
Der Hörbuch-Bereich verzeichnete auf der Messe mehr Aussteller als zuvor und wächst international weiter: Spotify kündigte die Expansion in 180 neue Märkte an. Audible präsentierte eine Umfrage unter 18.000 Kunden in elf Märkten, die steigende Hörzeiten und wachsende Hörerzahlen zeigt.

Book-to-Screen Day: Stoffe für Film und Fernsehen
Der Book-to-Screen Day brachte Verlage, Agenturen, Produktionsfirmen und Filmschaffende zusammen, um über Stoffe, Rechte und neue Adaptionen zu sprechen. Zu den Höhepunkten zählten das Panel „European Adaptation Trends“ sowie das Gespräch von Regisseur Volker Schlöndorff, Produzentin Regina Ziegler und Autorin Jenny Erpenbeck über die Verfilmung von „Heimsuchung“. Der bevorstehende Netflix-Start von Melanie Raabes Roman „Die Falle“ zeigte, wie Bücher ein neues Publikum erreichen.

Frankfurt Calling: Wer schafft Wissen, wer wird gehört?
Frankfurt Calling, das kulturpolitische Programm der Buchmesse, stellte Fragen, die das Publizieren und öffentliche Debatten prägen. In 125 Veranstaltungen an 14 Orten in Frankfurt diskutierten unter anderem die US-Historikerin und Pulitzer-Preisträgerin Jill Lepore, der Schriftsteller, Menschenrechtsanwalt und Friedenspreisträger Philippe Sands sowie Melissa Fleming, Untergeneralsekretärin der Vereinten Nationen für globale Kommunikation. Themen waren digitale Kontrolle, der Schutz demokratischer Institutionen, Völkerrecht und Publikationsfreiheit.
Der erstmals verliehene „IPA Freedom of Expression Defenders Award“ ging an „The Media Coalition“. Der US-amerikanische Verband aus der Buch-, Film-, Musik- und Gamesbranche verteidigt seit 1973 die Meinungsfreiheit.

Ehrengast Tschechien: Ein Land an der Küste
Unter dem Motto „Ein Land an der Küste“ präsentierte Tschechien als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2026 mehr als 100 Veranstaltungen und 75 Autoren. Zu ihnen zählten Radka Denemarková, Marie Iljašenko, Dora Kaprálová, Jáchym Topol und Kateřina Tučková ebenso wie neue Stimmen der zeitgenössischen tschechischen Literatur: Marek Torčík, Anna Beata Háblová und Klára Vlasáková und viele weitere.
Der 2.300 Quadratmeter große Ehrengast-Pavillon machte das Küsten-Motto räumlich erfahrbar. Außergewöhnliche, aufblasbare Design-Elemente luden zum Verweilen ein. Auf zwei Bühnen trafen Lesungen, Gespräche und Fachaustausch aufeinander. Ein poetischer Leuchtturm und interaktive „Bojen“ machten tschechische Literatur mithilfe von KI erlebbar, während vor Ort Kunstwerke entstanden – unterstützt von einem Roboter.

Messewochenende: Vom Signiertisch bis zur Matsuri Stage
Ab Messefreitag stellte sich das Publikum seinen Messebesuch aus vielen Welten zusammen: Romance und Fantasy in der Festhalle, Manga, Cosplay und Hörbuch in Halle 4.0, Kinderbuch und Kino in der Screen World, Krimi, Hörbücher und Live-Podcasts im Audio-Areal.
Rund um die Agora entstanden Wege für spontane Begegnungen und geplante Fan-Momente. Autoren trafen ihre Communitys, Kinder zeichneten und hörten zu, und die erste Matsuri Stage brachte japanische Popkultur auf die Messe. Auf der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat erlebten Besucher die ganze literarische Bandbreite: Mit Autoren wie Colson Whitehead, Robert Habeck und Cornelia Funke.
Die neue Community Stage in der Festhalle erwies sich als Publikumsmagnet. Die gemeinsam mit Bastei Lübbe eingerichtete Content Creator Lounge bot zudem einen Rückzugs- und Vernetzungsort mitten im Messegeschehen.

Frankfurter Buchmesse immer noch die Nummer 1
Die Frankfurter Buchmesse ist nach wie vor die weltweit größte Fachmesse für das internationale Publishing und ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus den Bereichen Bildung, Filmwirtschaft, Games, Wissenschaft und Fachinformation. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet seit 1976 der jährlich wechselnde Ehrengast, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert.
Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Richard Schneider
mit Text- und Bildmaterial der FBM
