Unternehmen in Europa: Geschäftseinbußen durch mangelnde Fremdsprachenkenntnisse

Jedes Jahr entgehen tausenden europäischen Unternehmen Geschäfte und Verträge, weil sie nicht über die nötigen Fremdsprachenkenntnisse verfügen – so heißt es in einem Bericht, der vom CILT (National Centre for Languages, UK) 2006 im Auftrag der EU-Kommission erstellt wurde. Die Ergebnisse legen nahe, dass für mittelständische Unternehmen in Europa ein enormes Potenzial für die Ausweitung ihrer Exporttätigkeit besteht, wenn sie mehr in Sprachen investieren und kohärente Sprachstrategien entwickeln würden. Jüngste Forschungsarbeiten zeigen, dass Unternehmen, die ihre Sprachkenntnisse erweitern, besser von den Geschäftsmöglichkeiten des EU-Binnenmarkts – mit fast einer halben Milliarde Einwohner der weltweit größte Markt – profitieren können.

Leonard Orban„Investitionen in Sprachkenntnisse stellen für Unternehmen durchaus keine überflüssige Ausgabe dar,“ sagte Leonard Orban (Foto), EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit, „sie können vielmehr erheblich zur Ausweitung ihrer Geschäftsmöglichkeiten beitragen. Ich beabsichtige, der Mehrsprachigkeit einen zentralen Platz in der Lissabon-Strategie für mehr Wachstum und Beschäftigung einzuräumen.“

So lautet eine der Schlussfolgerungen der Studie mit dem Titel „ELAN: Effects on the European Economy of Shortages of Foreign Language Skills in Enterprise“. Diese Studie ist der erste Versuch auf europäischer Ebene, die für EU-Unternehmen aufgrund fehlender Fremdsprachenkenntnisse entstehenden Unkosten einzuschätzen. Die präsentierten Daten stützen sich auf eine Stichprobe von 2 000 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aus ganz Europa, in Verbindung mit Informationen von 30 multinationalen Unternehmen und einer Gruppe von Sachverständigen aus den beteiligten Ländern und ergänzt durch eine Reihe von Fallstudien.

Nahezu 50 % der untersuchten exportorientierten KMU planen, ihre Aktivitäten in den nächsten drei Jahren auf neue ausländische Märkte auszudehnen. Folglich gehen sie davon aus, dass ihr Bedarf an Fremdsprachenkenntnissen zunehmen wird, damit sie diese Pläne verwirklichen können. Allerdings ziehen sie es vor, sich – statt selber in Sprachkurse zu investieren – auf die nationalen Bildungs- und Ausbildungssysteme zu verlassen und darauf, dass diese Personal mit geeigneten Sprachkenntnissen zur Verfügung stellen. Oder aber sie suchen auf dem Arbeitsmarkt nach geografisch mobilen Menschen, die über die erforderlichen Sprachkenntnisse verfügen.

Die Forschung zeigt, dass diese Vorgehensweisen zunehmend unzureichend sind. Vielen europäischen Unternehmen entgehen Exportgeschäfte aufgrund mangelnder sprachlicher und interkultureller Kenntnisse. Die Studie legt nahe, dass höhere Investitionen in die EU-weite Entwicklung von Sprachkenntnissen umfassende wirtschaftliche Vorteile erbringen und sich insbesondere positiv auf die Produktivität und Exporttätigkeit der KMU auswirken würden.

Während der Bericht die Bedeutung von Englisch als Weltwirtschaftssprache bestätigt, kommen bei der Verständigung auch andere Sprachen in großem Umfang zum Einsatz. Die Analyse zeigt insbesondere, dass Bedarf an einer Reihe weiterer Sprachen besteht, wenn geschäftliche Beziehungen erfolgreich sein sollen. Als wichtigste werden u. a. die großen europäischen Sprachen genannt, wie z. B. Deutsch, Französisch und Spanisch, aber auch in zunehmendem Maße andere Weltsprachen wie Mandarin, Arabisch und Russisch.

Die Studie bildet die Grundlage für die künftigen Arbeiten des Unternehmensforums, das EU-Kommissar Orban dieses Jahr gemeinsam mit europäischen Unternehmen einrichten will, um ein besseres Verständnis der Auswirkung von Sprachkenntnissen auf Handel und Beschäftigung in der EU zu erlangen.

Zusammenfassung der Studienergebnisse auf Deutsch:
http://ec.europa.eu/education/policies/lang/doc/elansum_de.pdf

Vollständiger Text der Studie auf Deutsch:
http://ec.europa.eu/education/policies/lang/doc/elan_de.pdf

[Text: EU. Quelle: Pressemitteilung, 2007-02-23. Bild: EU.]

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