Migranten hadern mit deutschem Gesundheitssystem

Ein Allgemeinmediziner mit türkischen Wurzeln hat in Berlin-Kreuzberg eine Praxis und beschreibt folgendes Phänomen: „Deutsche fragen: ‚Was habe ich?’, Türken fragen hingegen: ‚Warum habe ich das?’“ Aufgrund dieser Mentalitätsunterschiede kommt es nicht selten zu Problemen. „Wenn der türkische Patient keine befriedigende Antwort auf seine Warum-Frage erhält, verliert er das Vertrauen in den Arzt.“ Dann geht er zum nächsten Arzt und holt sich dessen Meinung ein. Balimuhac nennt das „Doktor-Hopping“, bei dem die Migranten meist nicht zu selten, sondern vielmehr zu oft eine Praxis aufsuchen.

Der  Mediziner sagt außerdem: „Migranten haben im Alltag fast doppelt so viele Unfallverletzungen wie Deutsche.“ Das ist natürlich hauptsächlich auf die fehlenden Deutschkenntnisse und somit darauf zurückzuführen, dass sie nicht richtig an den Maschinen eingewiesen werden (können).
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie diese Missverständnisse und Unfälle vermieden werden können. Die Antwort liegt in Dolmetscherdiensten. Der Gemeindedolmetschdienst Berlin (GDD) beispielsweise verfügt über 115 Dolmetscher, die 47 Sprachen abdecken.                      

Wenn Patienten wegen der Sprachbarrieren ihre Beschwerden nicht klar ausdrücken können und somit unnötiger diagnostischer Aufwand entsteht oder wenn sie Medikamente nicht richtig einnehmen, da sie den Beipackzettel nicht verstehen, kommt der medizinisch-soziale Dolmetscherdienst zum Einsatz. Dieser kann die Kosten erheblich senken und vor allem ermöglicht er eine korrekte medizinische Behandlung der Patienten.

In der Welt ist unter der Überschrift „Migranten hadern mit dem deutschen Gesundheitssystem“ ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema erschienen. Dieser unterstreicht die Wichtigkeit der sprachlichen Kenntnisse auf der einen Seite und die der Arbeit der Sprachmittler auf der anderen Seite.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Die Welt, 28.07.2010.]

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