Diplomatische Akademie Wien: 250 Jahre Dolmetscherausbildung – Maria Theresia sei Dank

Maria Theresia
Porträt Maria Theresias von Jean-Étienne Liotard aus dem Jahr 1762. - Bild: gemeinfrei

Die Diplomatische Akademie (DA) in Wien feiert dieses Jahr ihr 250-jähriges Bestehen. Sie wurde 1754 von Maria Theresia als „Kaiserlich-königliche Akademie der Orientalischen Sprachen“ gegründet, um Dolmetscher für den Handel und den diplomatischen Dienst auszubilden. Das Fremdsprachenangebot bestand damals aus Französisch, Türkisch, Persisch und Arabisch.

Die institutionalisierte Dolmetscherausbildung im deutschsprachigen Raum ist damit bereits 250 Jahre alt. Dies nur als Hinweis für diejenigen, die glauben, die Dolmetscherausbildung sei eine „Erfindung“ der Uni Heidelberg aus dem Jahr 1932. Heidelberg kann nicht einmal für sich in Anspruch nehmen, die erste universitäre Ausbildungsstätte in Deutschland zu sein, denn das war ab 1887 die damalige Königliche Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (später Humboldt-Universität), an deren „Seminar für orientalische Sprachen“ sogenannte Dragomane, also diplomatische Dolmetscher für das Auswärtige Amt ausgebildet wurden.

Die DA in Wien gilt als weltweit älteste Schule der Diplomatie. Sie gibt heute jungen Akademikern (ein abgeschlossenes Hochschulstudium ist Eingangsvoraussetzung) in einjährigen Studiengängen den letzten Schliff für eine internationale Karriere in Diplomatie, Wirtschaft und Verwaltung. Bis 1996 unterstand das Institut dem Außenministerium.

Nach wie vor legt man viel Wert auf eine intensive Sprachschulung, versteht sich aber nicht mehr als Ausbildungsstätte für Sprachmittler. Die Unterrichtssprachen sind Englisch, Deutsch und Französisch. Das Fremdsprachenangebot besteht außerdem aus Italienisch, Russisch, Spanisch und Tschechisch.

Die Studiengebühren für ein Jahr belaufen sich auf 6.800 Euro. Mehr als die Hälfte der Studenten kommt aus dem Ausland. Der Campus der DA befindet sich in einer ehemaligen kaiserlichen Schlossanlage im Zentrum Wiens, dem „Theresianum“ in der Favoritenstraße.

Richard Schneider

Das GDolmG muss weg