Uni Saarbrücken: Kolloquium zur Wissenschaft des Übersetzens im deutsch-französischen Dialog

Im Rahmen der Veranstaltungen zum 10-jährigen Jubiläum des Frankreichzentrums an der Universität des Saarlandes findet vom 15. bis 17.11.2006 in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Romanische Übersetzungswissenschaft und dem Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Saar-Uni eine öffentliche Fachtagung zum Thema „Kultur übersetzen – zur Wissenschaft des Übersetzens im deutsch-französischen Dialog” statt.

Das Kolloquium will im Kontext der deutsch-französischen Beziehungen die Schnittstellen zwischen Kultur und Übersetzung beleuchten, denn ein Übersetzer befindet sich stets nicht nur im Spannungsfeld zwischen den Sprachen, sondern auch zwischen den Kulturen.

Alberto Gil
Alberto Gil

Die Vorträge des Kolloquiums widmen sich den theoretisch-philosophischen Fragestellungen und historischen Schwerpunkten der Übersetzungswissenschaft sowie der Thematik des textsortenspezifischen Übersetzens. Das Modul „Formen medialen Transfers: Neue Medien/Intermedialität“ befasst sich nicht nur mit Theorie und Praxis übersetzungsrelevanter Softwaresysteme, sondern widmet sich auch der Dimension des Medienwechsels bei der Übersetzung von Texten und künstlerischen Formen. Die Vorträge werden simultan gedolmetscht (Französisch/Deutsch, Deutsch/Französisch).

Manfred Schmeling
Manfred Schmeling

Die Tagungsleitung übernehmen Prof. Dr. Alberto Gil vom Lehrstuhl für Romanische Übersetzungswissenschaft und Prof. Dr. Manfred Schmeling, Leiter des Frankreichzentrums und Lehrstuhlinhaber für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität des Saarlandes. Den Eröffnungsvortrag hält der Schriftsteller, Literaturkritiker und Übersetzer Georges-Arthur Goldschmidt zum Thema „Wie grün rot werden soll oder die Metamorphose des Übersetzens“.

Allgemeines Ziel des Kolloquiums ist die Erforschung der Schnittstellen zwischen Kultur und Übersetzung im Kontext der deutsch-französischen Beziehungen. Der Übersetzer befindet sich im Spannungsfeld nicht nur zwischen den Sprachen, sondern auch zwischen den Kulturen. Kultur als übersetzbares Gut kann dabei zum einen allgemein metonymisch im Sinne einer höheren Kultur verstanden werden, als der Ort, wo beispielsweise Literatur und Kunst über Generationen hinweg zum Erbe eines Volkes werden. Zum anderen wird der Begriff Kultur im Hinblick auf Gebrauchsgüter verwendet und bezeichnet im Sinne Husserls die „Lebenswelt“ (Alltagskultur, Wirtschaft, Sitten und Gebräuche). Gerade in dieser Perspektive bilden die Übersetzungen und ihre kulturelle Dimension einen wichtigen Gegenstand einer Kulturtransferforschung, die epochenübergreifend ausgerichtet ist und deren Erkenntnisinteresse sämtliche Textsorten umfasst.

Die Frage der mehrfachen kulturellen Verankerung von Texten erfordert somit einen methodischen Ansatz, der nicht allein fachwissenschaftlich geleistet werden kann, sondern der sich durch Komplementarität der Perspektiven auszeichnet. Aus diesem Grund beruht das Kolloquium auf den drei Säulen der Interdisziplinarität, des Methodenpluralismus und der Perspektivierung durch unterschiedliche nationale Wissenschaftskulturen. Die Tagung initiiert einen Brückenschlag zwischen der Translationswissenschaft und den einzelnen kulturwissenschaftlichen Disziplinen (Kunstgeschichte, Philosophie, Literatur- und Sprachwissenschaft, Rhetorik etc.) und leistet damit einen Beitrag zur Entwicklung einer Kulturtransferforschung, welche der besonderen Rolle der Übersetzungen bei der Überschreitung kultureller Grenzen gerecht zu werden vermag.

Ausgehend von den skizzierten methodischen und konzeptuellen Prämissen werden im Kolloquium vier Untersuchungsschwerpunkte gesetzt:

  • Theoretische und philosophische Fragestellungen
  • Historische Schwerpunkte
  • Textsortenspezifisches Übersetzen
  • Formen medialen Transfers: Neue Medien/Intermedialität

Die einzelnen Arbeitschwerpunkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Theoretische und philosophische Fragestellungen

In diesem Bereich des Kolloquiums geht es zum einen darum, grundlegende Fragen von Übersetzungsprozessen vor dem Hintergrund ihrer kulturellen Dimension zu erörtern. Zum anderen soll der Fragekomplex ‚Übersetzung und Philosophie‘ in seinen verschiedenen Ausprägungen einer vergleichenden Untersuchung unterzogen werden. So soll etwa betrachtet werden, welche konzeptuellen Entwicklungen der Übersetzungsbegriff in den philosophischen Traditionen und Schulen der beiden Länder erfahren hat und inwieweit sich die Modelle der Philosophie gar durch kulturelle, translatorische Transferprozesse konstituiert haben.

Historische Schwerpunkte

Stehen im ersten Themenkomplex vor allem konzeptuelle Fragen im Vordergrund, so stellt der zweite Arbeitsschwerpunkt Historische Schwerpunkte durch die geschichtliche Perspektive auf die Übersetzungstraditionen der beiden Kulturräume dessen notwendige Fortführung und Ergänzung dar. Durch die aneinander anschließende epochenspezifische Ausrichtung der Einzeluntersuchungen wird es möglich, die diachrone Entwicklung des übersetzerischen Kulturtransfers mit seinen historischen Paradigmen bzw. Zäsuren darzustellen und den Einfluss der Übersetzungen auf die jeweilige Zielsprache und Zielkultur herauszuarbeiten.

Textsortenspezifisches Übersetzen

Im dritten Themenkomplex, textsortenspezifisches Übersetzen, wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Übersetzen als Parole-Akt textsortenspezifisch zu verstehen ist. Demzufolge ergeben sich aus der Historizität und Individualität von Texten (Vorlage und Übersetzung) zum einen kulturelle Bindungen an Normen und Konventionen und zum anderen Freiräume, in denen Platz für die Kreativität des einzelnen Übersetzers gegeben ist.

Formen medialen Transfers: Neue Medien/Intermedialität

Das Kolloquium ist nicht nur auf grundsätzliche und historische Fragen hin orientiert, sondern setzt sich mit aktuellen Problemen und Herausforderungen des Übersetzens auseinander. Diese ergeben sich zum einen aus der verstärkten Nutzung der Neuen Medien für die praktische Übersetzungsarbeit wie auch für die Übersetzungsforschung. Zum anderen widmet sich diese Sektion dem Problem der Übersetzung von Texten und künstlerischen Formen, die über den Aspekt der kulturellen Gebundenheit hinaus auch die Dimension des Medienwechsels oder der Medienmischung aufweisen.

Das Kolloquium wird unterstützt vom Saarländischen Rundfunk, dem Büro der Französischen Botschaft für Deutsch-Französische universitäre Zusammenarbeit in Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland, dem Institut d’Etudes Françaises, der Deutsch-Französischen Hochschule, dem Saarländischen Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft und von Saartoto.

[Text: Universität des Saarlands. Quelle: idw, 2006-11-08, UdS. Bild: UdS.]