Ist die Qualitätssicherung automatisierbar? ErrorSpy & Co.

In vielen Produktionsbetrieben ist es bereits Alltagspraxis. Ein Mitarbeiter sitzt vor einem großen Pult mit mehreren Bildschirmen. Rote Lämpchen flackern und melden die Stellen am Fließband, bei denen es Qualitätsprobleme gibt. Am Schwarzen Brett gibt es Aushänge, die den Qualitätsfortschritt dokumentieren. Man möchte vom Phänomen „Montagsauto“ wegkommen.

Für viele ist das in der Sprachindustrie noch Zukunftsvision. Was aber, wenn dies auch hier funktionieren würde? Man stelle sich einmal vor, was man alles mit einer automatischen Qualitätssicherung und Bewertung anfangen könnte. Man könnte beispielsweise auf Fehler viel schneller reagieren und sie im Vorfeld erkennen, bevor sie größere Schäden verursachen. Man könnte feststellen, welche Fehlertypen häufiger vorkommen und nach den Ursachen suchen. Man könnte auch den Erfolg eines Lieferantenqualifizierungsprogramms messen und verfolgen.

Kaum ein Großunternehmen von Rang ist nicht nach einem Qualitätsstandard zertifiziert. Umso erstaunlicher ist es, dass ein so wichtiges Gebiet wie die Qualität der Dokumentation und Übersetzungen nicht systematisch erfasst und gesteuert wird. Zur Systematik gehören Prozesse, Messgrößen, Qualitätskriterien, Audits, die gewährleisten und belegen, dass das Produkt eine hohe Qualität erreicht hat.

Wer regelmäßig mit Übersetzungen zu tun hat weiß, dass Fehler auch bei guten Übersetzern vorkommen. Er verlässt sich nicht auf Aussagen wie „der Übersetzer ist für seine Qualität verantwortlich“ oder „ich habe nichts Negatives gehört“. Übersetzer arbeiten unter hohem Zeitdruck und können etwas übersehen. Ferner begünstigen Übersetzungstechnologien in manchen Fällen Fehler.

Firmen oder Institutionen, die wöchentlich mit vielen Dienstleistern hunderte, wenn nicht tausende, von Seiten in eine Vielzahl von Sprachen übersetzen lassen, stehen vor einer großen Herausforderung. Wenn sie die Qualität sichern, ist dies meistens ein manueller Prozess. Dadurch steigen die Übersetzungskosten um ca. 20-25 %, denn der Lektor kann ungefähr nur 4-5 Mal so viel Text lektorieren wie der Übersetzer übersetzt. Der zusätzliche Zeitaufwand ist bei zeitkritischen Publikationen ein großes Hindernis.

Wie zuverlässig ist aber der Mensch bei der Qualitätskontrolle? Wie kann ein Prüfer bei einer Terminologieliste von 2.000 Einträgen gewährleisten, dass der Übersetzer auf jeder Seite eines Dokuments die vorgegebene Fachterminologie eingehalten hat? Wie sicher erkennt er Zahlenfehler bei langen Zahlenkolonnen? Findet er Inkonsistenzen zwischen mehreren Dateien und Übersetzern?

Auf das Dokumentieren der Fehler wird aus Zeitnot allzu oft verzichtet. Der Übersetzer bräuchte jedoch umgehend eine detaillierte Rückmeldung über seine Fehler, um sie zu korrigieren. Und die Qualitätsbewertung soll reproduzierbar und messbar sein, um Diskussionen zu vermeiden.

Auf Grund der großen Anzahl von Dokumenten und Sprachen ist daher eine rein manuelle Qualitätssicherung von Übersetzungen nicht realistisch. Hier können automatische Prüfprogramme wie beispielsweise ErrorSpy für die Übersetzungen oder acrolinx IQ Suite und CLAT für die Ausgangstexte Abhilfe schaffen.

Die automatische Prüfung eines Dokuments liefert eine Liste potentieller Fehler. Zumindest solcher, die eine Software feststellen kann, wie Terminologie, Zahlen, Konsistenz oder Typographie. Eine Messung der Qualität ist in jedem Qualitätssystem unabdingbar. Mit Hilfe einer fehlertypabhängigen Gewichtung kann man festgestellte Fehler in eine Bewertung der Übersetzung umwandeln. Daraus lassen sich in einem Workflow gewisse Aktionen (Tasks) auslösen. Zum Beispiel das Zurückschicken der Übersetzung an den Dienstleister oder das Versenden einer Nachricht an einen Projektmanager.

Bei der Prüfung eines Einzelprojekts soll es nicht bleiben. Aus einer Sammlung projektabhängiger Messungen lassen sich per Knopfdruck Auswertungen über einen Zeitraum gewinnen. So kann man Fragen beantworten wie: „Wie hat sich die Qualität meiner russischen Übersetzungen im letzten Quartal entwickelt?“; „Welche Fehlertypen kommen häufiger vor und warum?“; „Hat der Lieferant XYZ nach den letzten Maßnahmen seine Qualität steigern können?“. Dadurch erhält der für Dokumentation und Übersetzungen Verantwortliche ein mächtiges Instrument, um die Qualität eines großen Übersetzungsaufkommens gleich in mehreren Sprachen in den Griff zu bekommen und zu steigern. Als Zusatzprodukt entstehen Auswertungen, die bei jedem Qualitätsaudit gut verwendbar sind.

Der Nutzen lässt sich auch schnell in barer Münze rechnen. Mitarbeiter, die bisher Übersetzungen manuell geprüft haben, sind entlastet. Sie können sich auf die Fehlerarten konzentrieren, die keine Software feststellen kann nämlich auf Verständnisfehler. Der Gesamtaufwand für die Qualitätskontrolle nimmt ab und Übersetzungen sind schneller verfügbar, weil Fehler und Fehlerquellen frühzeitig beseitigt sind. Ferner profitiert man von einer größeren Rechtssicherheit.

Die Vorteile einer softwaregestützten Qualitätssicherung von Übersetzungen sind noch attraktiver, wenn man verschiedene Technologien miteinander kombiniert, um die Ergebnisse zu verbessern. Hier eignet sich in erster Linie eine Kombination der Qualitätsoptimierung von Ausgangsdokumentationen und von Übersetzungen. Übersetzer erhalten optimierte Texte und ihre Qualitätssicherungssoftware kann ebenfalls nützliche Rückmeldungen zur Konsistenz der Ausgangstexte oder Terminologie geben.

Dieses Szenario ist keine Zukunftsmusik mehr. Es gibt bereits am Markt Technologien wie ErrorSpy, die dies gewährleisten. Die Automatisierung der Qualitätskontrolle ist eine Technologie, an der man bei regelmäßigem Übersetzungsaufkommen zukünftig schwer vorbeikommen wird.

[Text: D.O.G. Dokumentation ohne Grenzen GmbH. Quelle: D.O.G. news 4/2008, mit freundlicher Genehmigung.]

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