Charlotte Roches Bestseller „Feuchtgebiete“: Eine übersetzerische Herausforderung

Feuchtgebiete, Titelseite
Bild: DuMont

Feuchtgebiete, das Skandal- und Erfolgsbuch der früheren VIVA-Moderatorin Charlotte Roche, hat sich in Deutschland mehr als eine Million Mal verkauft. Zurzeit wird es ins Englische übersetzt und soll im Februar 2009 in Großbritannien, im April dann auch in Amerika erscheinen – und zwar als Wetlands.

Ließ sich der Titel noch leicht und treffend übersetzen, so scheint der Inhalt des Romans übersetzerisch eine Herausforderung zu sein. Nicht unbedingt wegen des heiklen Themas, sondern weil er zahlreiche Wortneuschöpfungen enthält.

„Schwierigste Übersetzung des Jahres“

Die Bild-Zeitung schreibt: „Es wird die schwierigste Übersetzung des Jahres! […] Harte Arbeit! Denn wie übersetzt man bloß Begriffe wie Perlenrüssel oder Kackeschwitze?“

Das Boulevard-Blatt hat mit dem 38-jährigen New Yorker Playboy-Redakteur Tim Mohr gesprochen, der die 220 Seiten ins Englische überträgt, und nennt Beispiele für dessen kreative Übersetzungslösungen:

  • Perlenrüssel (für Klitoris): snail tail
  • Hahnenkämme (innere Schamlippen): dewlap (Wamme, bezeichnet eine Hautfalte an der Kehle bei Tieren.)
  • Kackeschwitze: ass piss
  • Kackwurst: log of crap (Mohr: „Die direkte Übersetzung wäre ,crap sausage‘ gewesen. Aber das würden Engländer nie sagen.“)
  • Kackhemmung: log jam

„Knietief im Glitschischleim“

Die deutsche Ausgabe der Vanity Fair bringt unter der Überschrift „Knietief im Glitschischleim“ ein Interview mit dem Amerikaner Mohr, der sechs Jahre als DJ in Berlin gelebt hat. Darin heißt es:

Herr Mohr, wie kamen Sie dazu, Feuchtgebiete zu übersetzen?

Ich wies den Herausgeber darauf hin, dass nicht so viele englische Übersetzer den Unterschied zwischen „Muschi“ und „Möse“ kennen. Ich bot mich an, weil meine Deutschkenntnisse aus den 90ern stammen, als ich in Berlin als DJ arbeitete. Begriffe wie „Analverkehr“ lernt man da lange vor „Geschlechterforschung“.

Wie gehen Sie bei den vielen sprachlichen Eigenschöpfungen Charlotte Roches vor, etwa bei „Kackeschwitze“ und „Glitschischleim“?

Vorschläge von Freunden und Bekannten sind willkommen. Ich würde auch Fremde fragen, habe aber zu viel Angst davor, eine gelangt zu bekommen, wenn ich das Gespräch mit solchen Fragen eröffne.

Ihre Lieblingsstelle?

Ich weiß nicht, wie die Stellung heißt, aber diese Sex-mit-dem-Pfleger-Szene finde ich sehr schön, wo sie rücklings auf ihm sitzt und sich zurücklehnt, bis ihr Rücken seinen Bauch berührt.

Hat „Feuchtgebiete“ Ihre hygienischen und sexuellen Gewohnheiten verändert?

Ich war nie ein Bakterienphobiker, finde aber, dass regelmäßiges Waschen nicht schadet.

Feuchtgebiete
Bild: DuMont

Kritiker halten den Bestseller für „literarisch wertlos“

Ursprünglich hätte das Buch bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen sollen. Der Verlag lehnte das Werk aber als „pornografisch“ ab. Jetzt erscheint es beim ebenfalls in Köln beheimateten DuMont Verlag. Die Metropole am Rhein ist auch Wohnsitz von Charlotte Roche.

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki charakterisierte Feuchtgebiete in einem Interview ebenfalls als „pornografisch“. Das Werk sei „sehr ekelig“ und in seinen Augen „literarisch wertlos“.

Wetlands
Bild: Harper Collins

Richard Schneider

 

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