Staatsministerin Böhmer fordert Dolmetscher als Kassenleistung

Maria Böhmer

Mehr als 300 Teilnehmer aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens besuchten am 20. Mai 2010 in Berlin die zweite Jahrestagung des Deutschen Ethikrates zum Thema „Migration und Gesundheit. Kulturelle Vielfalt als Herausforderung für die medizinische Versorgung“.

Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (CDU, Bild oben), die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration der Bundesregierung, zeigte sich erfreut, dass der Ethikrat das Thema aufgriff, zumal Gesundheit und Pflege in dieser Legislaturperiode ein Schwerpunkt der Bundesregierung sei. Sie hob besonders die Notwendigkeit einer interkulturellen Öffnung des Gesundheitswesens und der Förderung interkultureller Kompetenz in den Ausbildungskonzepten der Gesundheitsberufe hervor.

Die Referenten der Tagung beschäftigten sich aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen mit interkulturellen Aspekten der gesundheitlichen Versorgung. Vor dem Hintergrund des Spannungsverhältnisses von Solidarität und Eigenverantwortung wurden strukturelle Veränderungen eingefordert. So bestehe einerseits die Pflicht zur Selbstsorge, andererseits eine Bringschuld des Versorgungssystems.

Dazu gehöre auch, den Einsatz von professionellen Dolmetschern in Kliniken und Arztpraxen zu verstärken, um sprachliche Barrieren abzubauen. Staatsministerin Böhmer forderte den verstärkten Einsatz „interkulturell und medizinisch geschulte Dolmetscher“. Laienübersetzer aus dem Kreis der Angehörigen oder Pflegekräfte seien nicht ausreichend. „Wir müssen alles daran setzen, dass Migranten vollen Zugang zur medizinischen Versorgung haben“, sagte Böhmer. Sprachliche Hürden führten zum Beispiel dazu, dass die Kinder von Einwanderern seltener geimpft würden.

Zu den Dolmetscherkosten erklärte Staatsministerin Böhmer: „Ich meine, es muss verankert sein bei den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt.“

Ausführliche Informationen über den Deutschen Ethikrat finden Sie bei Wikipedia.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Ethikrat, 2010-05-21; Die Welt, 2010-05-21; epd, 2010-05-20. Bild: Presseservice Ethikrat.]

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