Aalen und Herdecke: Gerichtsdolmetscher glänzen durch Inkompetenz bzw. Abwesenheit

Justitia Römerberg FrankfurtUnprofessionell agierende Gerichtsdolmetscher standen in den letzten Tagen im Mittelpunkt von gleich zwei Berichten der Tagespresse.

Vor dem Amtsgericht Aalen in Baden-Württemberg musste sich ein indischer Student wegen sexueller Nötigung einer Kommilitonin verantworten. Die Schwäbische Post berichtete über den Prozess unter der Überschrift „Dolmetscher in der Kritik“:

Schwierig entwickelte sich die Verhandlung vor allem wegen des amtlich einberufenen Dolmetschers. Entgegen der Forderung der Verteidigung wurde kein Hindi-Dolmetscher, sondern ein Englisch-Dolmetscher bestellt. Dessen Englisch-Kenntnisse lagen jedoch offenbar weit unter denen des Angeklagten. So führten wiederholte Falsch-Übersetzungen und das entsprechende Aufbegehren bei Anklage und Verteidigung beinahe zur Vertagung der gesamten Verhandlung.

Letztendlich wurde das Verfahren gegen den jungen Mann eingestellt, weil dieser die Annäherungsversuche einräumte, keine Gewaltanwendung festzustellen war und das Verhalten (Griff unter die Bluse) zwar als unsittlich, aber nicht als Straftat zu werten war.

Im Ruhrgebiet entwickelt sich ein Prozess am Amtsgericht Herdecke zu einer unendlichen Geschichte. Einem 27-Jährigen Armenier wird vorgeworfen, im Supermarkt Rasierapparate für rund 100 Euro gestohlen zu haben. „Beim zweiten Anlauf vor dem Amtsgericht fehlte erneut der Dolmetscher für die armenische Sprache – in diesem Fall trotz Ladung“, lesen wir im Internet-Portal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Unter der Überschrift „Dolmetscher erscheint nicht zum Gerichtstermin“ heißt es weiter:

Als er [der Angeklagte] wegen dieser Tat Mitte Juli zum ersten Mal auf der Anklagebank saß, fand der Prozess ein schnelles Ende, da sich herausstellte, dass er einen Dolmetscher benötigt. […] Das Gericht beraumte einen neuen Termin an – mit Dolmetscher. Am Freitag dann die böse Überraschung: Zwar saß der mutmaßliche Dieb wieder brav auf seinem Platz im Gerichtssaal. Doch erneut fehlte der Dolmetscher, obwohl das Gericht einen angefordert hatte. Am 19. August soll nun ein dritter Versuch gestartet werden – mit einem anderen Dolmetscher.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Schwäbische Post, 2011-07-29; DerWesten.de, 2011-07-31. Bild: Richard Schneider.]

Das GDolmG muss weg