„Er ist wieder da“ – Übersetzerwerkstatt mit Timur Vermes am EÜK Straelen

"Er ist wieder da", "Look who's back"
Die deutsche und die englische Titelgrafik der intelligenten Mediensatire von Timur Vermes. - Bild: Eichborn, MacLehose Press

Timur Vermes gelang mit der Hitler-Satire „Er ist wieder da“ ein echter Bestseller (15 Auflagen, 400.000 verkaufte Exemplare). Und so hatte der Eichborn-Verlag keine Mühe, die Übersetzungslizenz in 29 Länder zu verkaufen.

Aber die teilweise doch sehr spezielle Hitlersche Wortwahl und Syntax dürfte bei der Übersetzung Probleme bereiten. Um bei Schwierigkeiten dieser Art Hilfestellung zu leisten, nahmen sich Verlag und Autor an Günter Grass ein Beispiel und organisierten eine einwöchige Übersetzerwerkstatt.

Welcher Ort wäre für solch eine Klausurtagung besser geeignet als das Europäische Übersetzer-Kollegium (EÜK) in Straelen? Unter der Leitung von EÜK-Präsident Claus Sprick führten Timur Vermes und 11 seiner Übersetzer in der niederrheinischen Kleinstadt intensive Fachgespräche.

Die Literaturübersetzer waren aus England, Spanien, Italien, der Tschechischen Republik, Schweden, Norwegen, Bulgarien, Mazedonien, Griechenland, Portugal und China angereist.

Zaungast war ein Reporter des Deutschlandradios, der über das Treffen ein Feature für den Rundfunk produzierte. Das 18-seitige Manuskript der Sendung ist war auf der Website des Deutschlandradios abrufbar.

Worum geht es in dem Roman „Er ist wieder da“? Der Verlag macht dazu folgende Angaben:

Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen.

Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons.

Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes‘ Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte.

Hörbuch von Christoph Maria Herbst noch besser als Buch

Wer Bedenken wegen des Themas hat: Das Buch ist keine billige Nazi-Klamotte, sondern eine intelligente, bitterböse Mediensatire. Sie zeigt auf, wie und warum Presse und Fernsehen auch heute auf „so einen“ hereinfallen würden.

Beeindruckend ist, wie genau Hitler in Wortwahl, Satzbau und Haltung imitiert wird. Der Autor muss Hitlers Mein Kampf nicht nur einmal, sondern mehrmals gründlich gelesen haben. Eine akribische Quellenarbeit kann man Vermes auch für die zahlreichen historischen Anspielungen attestieren. Das ist alles so sauber recherchiert, dass sich mancher Gag nur denen erschließt, die  gut über jene Zeitepoche Bescheid wissen.

Einfaches Beispiel: Wenn der Hitler im Buch sich über eine stümperhafte Organisationsarbeit ärgert und seufzt, dass „Bormann“ das sicher besser hinbekommen hätte, dann können nur diejenigen lachen oder schmunzeln, die wissen, wer Bormann war.

Tipp für Genießer: Legen Sie sich Er ist wieder da als Hörbuch zu. Es gewinnt durch die großartige Interpretation von Christoph Maria Herbst noch einmal erheblich an Anschaulichkeit und Komik.

Der auf dem Buch basierende Film hingegen kann mit dem Buch nicht mithalten – und schon gar nicht mit dem Hörbuch.

Richard Schneider

Babbel