Zürich: Gerichtsdolmetscher Mladen Sirol über seine Arbeit als zentrale Drehscheibe der Kommunikation

SchweizMladen Sirol ist Gerichtsdolmetscher, ihm gefällt die Aufmerksamkeit, die er als Drehscheibe zwischen Richtern, Anwälten und Tätern geniesst. Seine wichtigste Regel: Kein persönliches Gespräch mit dem Beschuldigten.“ So beginnt ein Gespräch des Schweizer Tagesanzeigers mit Sirol, der seit mehr als 20 Jahren für die Zürcher Gerichte dolmetscht und sich im Vorstand des Schweizer Gerichtsdolmetscherverbandes Juslingua.ch engagiert.

„Als er elf war, wanderte er mit den Eltern nach Italien aus, fünf Jahre später zog die Familie in die Schweiz. Als junger Mann lebte er fünf Jahre lang in Kuba und heiratete eine Kubanerin“, schreibt das Blatt. So kommt es, dass Sirol heute fließend Deutsch, Spanisch, Italienisch und Kroatisch/Serbisch spricht.

Gelernt hat er den Beruf des Bauzeichners und anschließend Betriebswirtschaft studiert. Zum Dolmetschen kam er eher zufällig beim schweizerischen Militär, wo man ihn wegen seiner Mehrsprachigkeit auf einen dreiwöchigen Dolmetschkurs schickte.

Die Arbeit des Gerichtsdolmetschers sei eine Arbeit „für Voyeure und Exhibitionisten“, so Sirol. „Voyeure, weil sie überall dabei sind, aber nirgends beteiligt. Exhibitionisten, weil alle an ihren Lippen hängen, alles von ihren Lippen abhängt.“

Es gefällt ihm, im Gerichtssaal auf diese Weise im Mittelpunkt zu stehen: „Im Verfahren selbst ist der Dolmetscher die zentrale Drehscheibe der Kommunikation. Ohne ihn geht nichts.“

Zur Frage, was er tue, wenn er „kulturbedingte Missverständnisse“ in der Kommunikation bemerke, antwortet Sirol: „Ignorieren. Es ist nicht meine Aufgabe, dem Richter die kulturbedingten Beweggründe für den Mord an der Ehefrau, die fremdgegangen ist, zu erklären.“

Das vollständige Interview können Sie auf der Website des Tagesanzeigers lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Tagesanzeiger, 2013-05-21. Bild: Archiv.]

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