BDÜ-Mitgliedschaft in Bayern fast doppelt so teuer wie in Thüringen – DTT Geheimtipp für Sparfüchse

GeldWer BDÜ-Mitglied werden möchte, hat die Qual der Wahl. Man muss sich für einen der Landesverbände entscheiden. Einen bundesweiten BDÜ für Einzelmitglieder gibt es nicht.

Der BDÜ-Bundesverband mit dem BDÜ-Präsidenten an der Spitze fungiert lediglich als Dachverband der 12 Landesverbände und des BDÜ-internen Verbands der Konferenzdolmetscher (VKD).

Arm und Reich unter einem Dach

Die einzelnen BDÜ-Mitgliedsverbände unterscheiden sich hinsichtlich ihres Leistungsangebotes und ihrer Jahresbeiträge erheblich. BDÜ ist nicht gleich BDÜ.

Es gibt kleine, arme Landesverbände wie Mecklenburg-Vorpommern (70 Mitglieder) mit einem Jahresbudget von unter 10.000 Euro. Dem stehen große, reiche Verbände wie Bayern (1.400 Mitglieder) mit einem Jahresbudget von über 300.000 Euro gegenüber.

Die Jahresbeiträge sind in den kleinen Verbänden im Norden und Osten wie Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen deutlich geringer (Thüringen: 116 Euro) als in den großen Verbänden im Westen und Süden (Bayern: 216 Euro).

Alle BDÜ-Mitgliedsverbände zusammengenommen nehmen allein an Mitgliedsbeiträgen pro Jahr gut 1 Mio. Euro ein.

Je größer, desto teurer

Erstaunlich ist, dass die Beiträge in den größten Verbänden am höchsten sind, obwohl sich die “Betriebskosten” des Landesverbandes dort auf besonders viele Schultern verteilen. So hat Bayern zwanzigmal mehr Mitglieder als Mecklenburg-Vorpommern, aber trotzdem gut doppelt so hohe Beiträge.

Eine Sonderrolle nimmt der kleine, aber elitäre Verband der Konferenzdolmetscher mit dem höchsten Jahresbeitrag aller Mitgliedsverbände ein (230 Euro).

Die Preisentwicklung bei den Jahresbeiträgen scheint nur eine Richtung zu kennen: aufwärts. In Hessen wurde eine Preiserhöhung bereits beschlossen, in anderen Landesverbänden gilt sie als “unumgänglich” und die Mitglieder werden durch Andeutungen in den regionalen Mitgliederzeitschriften darauf vorbereitet.

Nachfolgend eine Übersicht für das Jahr 2013:

Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ)
Jahresbeiträge für ordentliche Mitglieder im Jahr 2013

  1. BDÜ-Landesverband Thüringen: 116 Euro
  2. BDÜ-Landesverband Hessen: 145 Euro (ab 2014 160 Euro)
  3. BDÜ-Landesverband Saar: 150 Euro
  4. BDÜ-Landesverband Bremen und Niedersachsen: 155 Euro
  5. BDÜ-Landesverband Rheinland-Pfalz: 156 Euro
  6. BDÜ-Landesverband Sachsen: 160 Euro
  7. BDÜ-Landesverband Berlin-Brandenburg: 162 Euro
  8. BDÜ-Landesverband Baden-Württemberg: 180 Euro
  9. BDÜ-Landesverband Nordrhein-Westfalen: 200 Euro
  10. BDÜ-Landesverband Bayern: 216 Euro
  11. Verband der Konferenzdolmetscher (VKD): 230 Euro

Die BDÜ-Landesverbände Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ziehen es vor, ihre (niedrigen) Mitgliedsbeiträge nicht im Internet zu veröffentlichen.

Gleichgroße tekom kommt mit 102 Euro pro Mitglied aus

Die 1978 gegründete Gesellschaft für technische Kommunikation (tekom), der Berufsverband für technische Redakteure, Autoren, Übersetzer und Illustratoren, kommt bei einer vergleichbaren Mitgliederzahl (8.250, Stand 2013), erstaunlicherweise mit einem Jahresbeitrag von 102 Euro pro Mitglied aus.

Trotz des geringeren Jahresbeitrags, der noch unter dem des BDÜ-Landesverbandes Thüringen liegt, ist die tekom professioneller organisiert als der BDÜ.

Sie gibt ebenso wie der BDÜ eine Fach- und Mitgliederzeitschrift heraus. Darüber hinaus veranstaltet sie pro Jahr zwei große Kongressmessen (Frühjahrs- und Herbsttagung) mit mehreren Tausend Teilnehmern. Der BDÜ organisiert nur alle drei Jahre eine vergleichbare Veranstaltung.

Die Teilnahme an den Großveranstaltungen der tekom ist allerdings deutlich teurer als die an vergleichbaren BDÜ-Veranstaltungen. Dadurch erwirtschaftet die tekom mit jeder Tagung einen Gewinn, während Fortbildungsveranstaltungen des BDÜ in der Regel nur kostendeckend geplant werden.

Übersetzerverbände: 150 bis 200 Fortbildungsveranstaltungen pro Jahr

In seiner Vielfalt konkurrenzlos ist das von den BDÜ-Mitgliedsverbänden getragene flächendeckende Fortbildungsangebot, das bundesweit mehr als 150 Veranstaltungen pro Jahr zählt. Zusammen mit den Angeboten der übrigen 11 Übersetzerverbände in Deutschland dürfte sich das Angebot für Übersetzer und Dolmetscher auf annähernd 200 Veranstaltungen belaufen.

Die Fortbildungsveranstaltungen der tekom beschränken sich im Wesentlichen auf Vorträge und Workshops im Rahmen der beiden jährlich stattfindenden Großveranstaltungen.

Der BDÜ ist ein Freiberuflerverein, die tekom ein Angestelltenverband

Völlig unterschiedlich ist auch die Arbeitssituation der Mitglieder. Die tekom-Mitglieder arbeiten überwiegend im Angestelltenverhältnis, BDÜ-Mitglieder überwiegend als Freiberufler.

tekom-Zentralverband versus föderale BDÜ-Struktur

Der auffallendste Unterschied zwischen beiden Berufsverbänden ist die Organisationsstruktur. Die tekom ist ein Zentralverband mit einem einzigen Vorstand, der von zahlreichen fest angestellten, hauptberuflich tätigen Personen – wie etwa dem Geschäftsführer und dem Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift – unterstützt wird.

Der BDÜ ist hingegen eine Arbeitsgemeinschaft von 13 rechtlich weitgehend unabhängigen Mitgliedsverbänden (12 Landesverbände und der Verband der Konferenzdolmetscher, VKD) sowie dem BDÜ-Bundesverband als Dachorganisation. Innerhalb des BDÜ gibt es 14 Vorstandsgremien, in denen die Arbeit überwiegend ehrenamtlich bewältigt wird.

Die BDÜ-Struktur mit 14 Vorständen statt einem einzigen verschlingt bei der Entscheidungsfindung Zeit und enorm viel Personal (14 Vorstände x 5 Personen = 70 Ehrenämter). Die föderale Struktur scheint in Sachen Effizienz einer zentralen Organisation unterlegen zu sein.

Demokratiedefizite bei Übersetzerverbänden

Die Vorstandsmitglieder der tekom werden von allen Mitgliedern in freier und geheimer Wahl per Briefwahl bestimmt – wie bei einer Bundestagswahl.

Bei den Übersetzerverbänden ist das Instrument der Briefwahl unbekannt. Vorstandswahlen und Abstimmungen in Sachfragen finden nur auf den Jahresmitgliederversammlungen statt. Wahlberechtigt sind meist nur die vor Ort anwesenden Mitglieder, die stets nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der Gesamtzahl aller Mitglieder ausmachen.

In einigen Verbänden wie dem ADÜ Nord können Mitglieder, die verhindert sind, ihre Stimme an einen anderen Teilnehmer delegieren, der dann befugt ist, in ihrem Sinne abzustimmen.

Wechsel des BDÜ-Landesverbandes spart Geld

Allen im Ausland lebenden Übersetzern und denjenigen, denen es nur um die Verwendung des Kürzels „BDÜ“ auf ihren Visitenkarten, die Eintragung in der Mitgliederdatenbank im Internet und den Bezug der Fachzeitschrift MDÜ geht, kann man folgenden Spartipp geben: Einfach in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt Mitglied werden! Im Vergleich zu Bayern erhalten Sie dann dieselbe Leistung praktisch zum halben Preis.

Das gilt im Prinzip auch für im Inland lebende Übersetzer. Wer in einem preiswerten Landesverband Mitglied ist, aber in einem teuren Landesverband wohnt, wird in der Mitgliederdatenbank im Internet bei der Umkreissuche trotzdem am tatsächlichen Wohnort gefunden. Es ergibt sich also kein Nachteil durch die Mitgliedschaft in einem preiswerten Landesverband.

Geheimtipp DTT – die Mutter aller Schnäppchen

Für alle, denen es in erster Linie darauf ankommt, das umfangreiche Fortbildungs- und Veranstaltungsprogramm von BDÜ, ADÜ Nord, ATICOM und anderen Verbänden zu Mitgliederkonditionen nutzen zu können, empfiehlt sich eine Mitgliedschaft im DTT (Deutscher Terminologie-Tag), die pro Jahr lediglich 70 Euro kostet. Dies gilt zum Beispiel für etablierte Übersetzer, die auf das BDÜ-Kürzel und die Datenbank nicht mehr angewiesen sind und die alles, was im MDÜ steht, im Prinzip schon wissen.

DTT-Mitglieder können Veranstaltungen des BDÜ zu denselben vergünstigten Konditionen besuchen wie BDÜ-Mitglieder. Es handelt sich dabei nicht um Sonderkonditionen für den DTT. Praktisch alle Verbände der Übersetzungsbranche haben untereinander vereinbart, dass Mitglieder anderer Verbände bei Veranstaltungen wie Mitglieder des veranstaltenden Verbandes behandelt werden.

Im Kreis dieser Übersetzerverbände ist der DTT mit Abstand der preiswerteste. Die 70 Euro des Jahresbeitrags hat man oft schon bei nur einem einzigen Veranstaltungsbesuch pro Jahr mehr als wieder hereingeholt.

Beispiele für Mitgliedervergünstigungen bei BDÜ-Veranstaltungen:

  • Trados-Seminar: Nichtmitglieder zahlen 200 Euro. BDÜ- und eben auch DTT-Mitglieder können hingegen für 105 Euro teilnehmen. 95 Euro gespart.
  • Seminar Telefonakquise: Nichtmitglieder: 175 Euro, Mitglieder 105 Euro. 70 Euro gespart.
  • Workshop für Existenzgründer: Nichtmitglieder 350 Euro, Mitglieder 210 Euro. 140 Euro gespart.

Informationen zum DTT finden sich unter www.dttev.org.

Bemühungen zur Strukturreform innerhalb des BDÜ

Dass die Strukturen des BDÜ unzeitgemäß, undemokratisch und ineffizient sind und einer weiteren Professionalisierung im Wege stehen, ist dem Verband selbst bewusst. 2012 wurde deshalb bei Prof. Dr. Christoph Hommerich von der Unternehmensberatung Hommerich Forschung eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse und Vorschläge zurzeit ausgewertet werden.

Nach allem, was bis jetzt zur Hommerich-Studie bekannt wurde, scheinen die darin vorgeschlagenen Änderungen aber eher kosmetischer Natur zu sein.

Jedenfalls schreibt das MDÜ: “Komplexität managen, Synergien ausloten und nutzen, Prozesse standardisieren – das sind erste Empfehlungen, die Professor Hommerich vom Büro Hommerich als Quintessenz aus seiner Analyse der derzeitigen Organisationsstruktur des Verbands formuliert. […] Insgesamt bescheinigt er dem Verband eine gute Ausgangsbasis mit einer dynamischen Entwicklung; jetzt gelte es, die Organisationsstruktur an die stetig wachsenden Mitgliederzahlen anzupassen.”

[Text: Richard Schneider. Bild: Anne Katrin Figge / Fotolia.de.]