SprInt Wuppertal: Diakonie betreibt Ausbildungs- und Vermittlungsstelle für Sprach- und Integrationsmittler

Sprach- und Integrationsmittler (SprInt) der Diakonie Wuppertal haben eine vielfältige Aufgabe: Sie dolmetschen, sorgen für interkulturelles Verständnis und bereiten den Weg für die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Einwanderungsgeschichte.

Die Diakonie Wuppertal leistet in diesem Tätigkeitsfeld Pionierarbeit: Sie bildet Sprach- und Integrationsmittler (SprInt) aus und vermittelt sie an Stellen, wo Nachfrage besteht- und diese ist steigend. Das Projekt “Gute Nachbarschaft” aus Wuppertal zeigt, wie SprInt das gemeinsame Leben verbessern können.

18-monatige Ausbildung

Emine Karahan
Emine Karahan

Begonnen hat alles mit einer 18-monatigen Ausbildung für jene, die SprInt werden wollten. Diese Qualifikation war 2010 abgeschlossen – von 23 “Erstteilnehmern” schlossen 17 Menschen mit Zertifikat ab. Eine von ihnen ist Emine Karahan, gelernte Schneiderin. Die 43-Jährige empfand eine persönliche Motivation für die Tätigkeit: “Es ist gut Menschen weiterzubringen und ich bin sehr froh, dass es das SprInt-Projekt gibt”.

Die Ausbildung besteht aus insgesamt 2.000 theoretischen und 600 praktischen Stunden. Dabei wird viel Wissen aus den Fachbereichen Dolmetschen, interkulturelle Kommunikation sowie Kinder- und Jugendhilfe vermittelt. Grundlagen des Bildungs-, Sozial und Gesundheitswesen gehören ebenso zur Agenda wie Geschichte.

Vermittlung von Sprach- und Integrationsmittlern für ganz Nordrhein-Westfalen

Das Wuppertaler Vermittlungsbüro stellt Sprach- und Integrationsmittler für den gesamte Bundesland Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Förderung erfährt das Projekt aus  EU-Mitteln, vom Bundesministerium für Migration sowie von der Jobbörse und Stadt Wuppertal. Trotz klammer Kassen konnte das zuständige Stadtressort eine fünfstellige Summe zu Förderzwecken bereitstellen.

Hinter dem Pool verbirgt sich ein Vermittlungsservice, der von der Diakonie Wuppertal organisiert und koordiniert wird. Diese Einrichtung ist Teil des bundesweiten Netzwerkes “SprInt Transfer”, welches an diversen Standorten die Sprach- und Integrationsmittler vermittelt.

Die Koordination übernimmt die Diakonie Wuppertal und erfährt dabei Förderung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die Ziele dieses engen Verbundes sind klar definiert: Der Ausbau des Vermittlungsnetzes, eine staatliche Anerkennung des Berufsbildes sowie eine nachhaltige Etablierung des Netzwerkes von SprInt. Das Projekt ist in Deutschland einmalig und zukunftsweisend.

140 zahlende Kunden aus Sozialarbeit, Gesundheits- und Bildungswesen

Heike Timmen
Heike Timmen

“Der Vermittlungsservice Wuppertal hat derzeit 140 zahlende Kunden, wir arbeiten im Sozialwesen, in Kliniken, im Bildungs- und Schulbereich”, berichtet Heike Timmen, Projektleiterin von SprInt Wuppertal. Timmen ist studierte Ethnologin und ausgebildete Kranken- und Gesundheitspflegerin.

Darüber hinaus gibt es Rahmenverträge, zum Beispiel mit der Polizei Wuppertal oder dem Jugendamt. Die Aufgabenfelder eines SprInt sind vielfältig. “Schriftliche und telefonische Übersetzungen, vor-ort-Betreuung oder Referent für interkulturelle Schulungen sind Aufgaben der SprInt”, berichten Karahan und Timmen.

Die Kunden schätzen die gut ausgebildeten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. “Der Einsatz von Sprach- und Integrationsmittlern bietet klare Vorteile. Er vermeidet unnötige Mehrfachtermine und spart somit Geld, er trägt zum Stressabbau bei den Kunden bei”, weiß Timmen.

Die Mitarbeiter des SprInt-Pools bzw. -Transfers unterliegen der Schweigepflicht und sind zur neutralen und korrekten Übersetzung verpflichtet. Die Dauer pro Einsatz liegt durchschnittlich bei eineinhalb Stunden, die Begleitung eines Kunden kann mitunter Jahre dauern: “So zum Beispiel bei Kindern, die eine Therapie machen”, erzählte Karahan.

Zu den Kunden des Sprint-Pools zählt u.a. auch das Kultur- und Bildungszentrum an der Wichlinghauser Straße. Das Zentrum gehört zum Dachverband türkischer Kulturvereine in Europa, dem ATIB (Avrupa Türk-İslam Birliği).

Imam
Mustafa Öztürk, Imam Ali Kurttekin, Yavuz Aktas

Seit August letzten Jahres hat die dort beheimatete Osmanli-Moschee einen neuen Imam: Ali Kurttekin. Geboren 1968 im türkischen Zonguldak, hat der Imam bereits  durch einen Aufenthalt in Bayern Erfahrung in Deutschland gesammelt. Wuppertal ist für ihn schon jetzt eine Herzensangelegenheit: “In Wuppertal leben ca. 48.000 ausländische Bürger, 155 Nationalitäten sind vertreten. Das ist eine große Herausforderung!”, erzählt Kurttekin.

Er ist einer, der die Menschen liebt- und er hat große Pläne für die Zukunft. “Alle Kulturen können voneinander lernen. Wir müssen uns erstmal richtig kennenlernen- seit 50 Jahren leben Türken in Deutschland, aber wir leben nicht richtig zusammen”, meint der Imam.

Die guten Vorsätze sind keine leeren Worte: Ein Projekt für tolerantes und verbessertes Zusammenleben läuft bereits. Bei “Gute Nachbarschaft – aufeinander zugehen – Brücken bauen” steckt das Ziel schon im Namen. Es ist Teil des Städteförderungsprogramms “Soziale Stadt Oberbarmen/Wichlinghausen” und soll bis Juli 2013 soll das laufen.

Und hier kommt der SprInt-Pool ins Spiel: Wöchentlich trifft sich Ali Kurttekin mit Emine Karahan. “Sie hilft mir beim Übersetzen und Deutschlernen, durch das Projekt hat sich das Zusammenleben schon verbessert”, weiß der Imam zu vermelden. So wurden gemeinsam Veranstaltungen besucht oder Flyer übersetzt.

Mit offenen Armen empfängt das Bildungs- und Kulturzentrum Partner für Dialog und Gespräch. In den Räumlichkeiten finden nicht nur Hausaufgabenbetreuung und Sprachkurse statt, der Verein trifft sich auch mit Vertretern aus Bürgervereinen, Politik und christlichen Kirchen. “Uns verbindet mehr als uns trennt”, fasst Ali Kurttekin zusammen. “Wir kommen von der gleichen Wurzel. Wo wir eine Gemeinsamkeit bei Gott finden, finden wir auch eine auf privater Ebene”, wissen auch Yavuz Aktas und Mustafa Öztürk. Aktas ist Vorsitzender des Trägervereins vom Kultur- und Bildungszentrum, Öztürk ist Schriftführer.

Beide unterstützen den Imam bei seiner Arbeit und sorgen für einen reibungslosen Ablauf bei “Gute Nachbarschaft”. Nächste Termine sind beispielsweise ein Treffen mit Pfarrern in Oberbarmen, aber auch Stadtteilfeste und Besuche stehen auf dem Programm. “Wir dürfen nicht nur die schlechten, sondern auch die gute Erfahrungen teilen. Wir müssen die Angst nehmen, das gemeinsame Zusammenleben wird schön sein”, erläutert Imam Kurttekin.

Die Pläne sollen nicht nur für deutsch-türkischen Dialog sorgen, auch zahlreiche andere Nationalitäten und Kulturen sind in dem Bildungszentrum vertreten und in den Aktionen miteinbezogen.

SprInt-Pool hat 32 Sprachen im Angebot

Genau so ist es im SprInt-Pool, der auf eine wahre Fülle von länderspezifischen Experten zurückgreifen kann: 32 Sprachen bietet der Wuppertaler Vermittlungsservice an. “Wir haben eine bunte Mischung, vom syrischen Bachelor of Law bishin  zur Programmiererin aus Kamerun”, lacht Heike Timmen.

Langfristig gesehen soll die Institution wirtschaftlich eigenständig arbeiten, eventuell können auch Landesmittel bezogen werden. “Durch unsere SprInt kann Frustration auf beiden Seiten abgebaut werden, sie sind Teil einer Willkommenskultur”, findet die Ethnologin Heike Timmen. Die Etablierung eines Berufsbildes zählt ebenfalls zu ihren Wünschen und den wichtigsten Zielen einer großen Projektgruppe.

Während diese Entwicklungen noch Zukunftsmusik ist, sorgt SprInt Emine Karahan mit Ali Kurttekin für merkliche Verbesserungen im allgemeinen Zusammenleben. Erst im Quartier Wichlinghausen- später vielleicht auf städtischer Ebene? Der Imam jedenfalls hat viele Pläne. Gefängnis- und Krankenhausbesuche und weiterhin Engagement zusammen mit dem Verein des Kultur- und Bildungszentrums stehen auf dem Programm. “Wir wollen dass, der Funke überspringt. Das ist unser Wunsche- unser größter Wunsch.” Da sind sich Öztürk, Aktas und Kurttekin einig.

Weiterführende Links

www.sprint-wuppertal.de

[Text: Jan Kleinschmidt / Öffentlichkeitsreferat Diakonie Wuppertal. Quelle: Diakonie Wuppertal, Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Werner Jacken. Bild: Jan Kleinschmidt (1 und 3), Felix Ehlert (2).]