Der „Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie“ geht 2026 an die serbische Dichterin Milena Marković sowie an das Übersetzerpaar Mirjana Wittmann (87) und ihren 2023 im Alter von 85 Jahren verstorbenen Ehemann Klaus Wittmann. Ausgezeichnet wird der Gedichtband Kinder, der 2025 erschienen ist.
Der Rat der Stadt Münster hat damit den Vorschlag der Jury bestätigt. Der mit 15.500 Euro dotierte Preis wird als Höhepunkt des „Internationalen Lyriktreffens“ übergeben. Der Festakt findet am 5. Juli 2026 in Münsters Erbdrostenhof statt.
Gedichtband mit emotionaler Tiefe, die auch in der Übersetzung wirkt
Die Jury betont die formale Eigenständigkeit und die emotionale Tiefe von Markovićs Text. In der Begründung heißt es: „Seine Mehrschichtigkeit aus lakonischen Bekenntnissen, Klagen, Spott, liedhaften Passagen und filmhaften Bewusstseinsströmen macht Markovićs Buch literarisch reich und emotional präzise zugleich.“ Dabei hebt das Gremium die Art hervor, wie die Autorin persönliche Erfahrungen mit historischen und familiären Situationen verwebt.
Über die deutsche Übersetzung von Mirjana und Klaus Wittmann sagt die Jury, diese trage maßgeblich dazu bei, dass sich die poetische Energie des Originals auch im Deutschen entfalten könne. Das Gremium stellt heraus, dass es den Übersetzern hervorragend gelinge, Tonfall, Rhythmus und Mehrstimmigkeit des serbischen Textes in die deutsche Version zu übertragen.

Dichterin als literarische Stimme Serbiens
Milena Marković, 1974 in Zemun bei Belgrad geboren, erhielt als Lyrikerin, Dramatikerin und Drehbuchautorin internationale Anerkennung. Sie studierte Dramaturgie an der Fakultät für darstellende Künste in Belgrad, an der sie heute selbst lehrt. In Serbien gilt sie seit Jahren als eine der prägenden literarischen Stimmen ihrer Generation.
Ihr Werk bewegt sich zwischen Poesie, Theater und Prosa. Für den Band Deca (Kinder) wurde sie 2021 mit dem renommierten serbischen NIN-Preis ausgezeichnet.
Mit Kinder legt Marković ihren siebten Gedichtband vor. Dieses Werk, das sich nicht in gängige Gattungen einordnen lässt, ist als Langgedicht angelegt.
Im Zentrum steht die Sicht einer Mutter, die ihr eigenes Aufwachsen, ihre Liebesgeschichten und die Geburt ihrer Söhne reflektiert. Dabei ist ein autistischer Sohn ihr stilles Gegenüber. An seiner Person richtet die Mutter ihre Fragen nach Schuld, Fürsorge und Erinnerung aus.
Der Text verbindet Erfahrungen der Autorin mit fiktiven, intimen Szenen des Familienlebens und grundsätzlichen Überlegungen zu Gesellschaft, Erinnerung und Erwachsenwerden.

Fünfköpfige Jury
Jurymitglieder waren bei dieser Ausgabe Literaturkritikerin Cornelia Jentzsch, Autor und Literaturwissenschaftler Dr. Matthias Kniep, Schriftsteller Norbert Lange, Publizist Norbert Wehr und – mit beratender Stimme – Kulturausschussmitglied Lia Kirsch.
Stadt Münster verleiht Preis seit 1993
Seit 1993 verleiht die Stadt Münster alle zwei Jahre den „Preis für internationale Poesie“. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 15.500 Euro dotiert und entfällt je zur Hälfte auf Autor und Übersetzer.
PM Stadt Münster
