Politik gilt vielen Menschen als bürgerfern, unverständlich und intransparent. Damit die Wähler eine begründete Wahlentscheidung treffen können, sollten Parteien ihre Positionen zur Landespolitik klar und verständlich darstellen. Die Wahlprogramme sind dabei ein Mittel, um die eigenen Positionen darzulegen. Dabei gilt: Nur wer verstanden wird, kann auch überzeugen.
Wie verständlich ist die Sprache der Wahlprogramme der Parteien zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg? Gibt es Verständlichkeits-Unterschiede zwischen den Parteien? Welches Vokabular verwenden die Parteien? Wie negativ bzw. positiv und wie populistisch ist die Sprache der Parteien? Und: Wie haben sich die Verständlichkeit und die Tonalität der Wahlprogramme seit 1980 entwickelt?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim.

Wichtigste Ergebnisse im Überblick
Vorweg: Die gemessene formale Verständlichkeit ist nicht das einzige Kriterium, von dem die Güte eines Wahlprogramms abhängt. Deutlich wichtiger ist der Inhalt. Jedoch stellt formale Unverständlichkeit eine Hürde für das Verständnis der Inhalte dar.
- Im Schnitt präsentieren die Parteien 2026 die drittlängsten Wahlprogramme seit 1980. Überhaupt können interessierte Wähler seit 2011 etwa 27.000 Wörter pro Wahlprogramm lesen. 2001 waren es noch etwa 11.000 Wörter. Den längsten Atem brauchen die Leser der Grünen-Wahlprogramme. Im langjährigen Vergleich liegen diese Wahlprogramme bei etwa 37.000 Wörtern, 2026 sogar bei 53.717 Wörtern. Das AfD-Programm ist 2026 am kürzesten: 16.590 Wörter.
- Insgesamt sind die Programme zur aktuellen Wahl mit im Schnitt 6,6 Punkten etwas verständlicher als die Programme zur Wahl 2021 (6,4 Punkte). Die drei Erstplatzierten 2026: SPD (7,8 Punkte auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex), Linke (7,0 Punkte) und FDP (6,5 Punkte).
- Die häufigsten Verstöße gegen Verständlichkeits-Regeln: Fremdwörter und Fachwörter, Wortkomposita und Nominalisierungen, Anglizismen und „Denglisch“, lange „Monster- und Bandwurmsätze“.
- Die Begriffsanalyse zeigt: Über alle Parteien hinweg lassen sich bei den Begriffen keine allzu deutlichen Schwerpunkte erkennen. Stattdessen spielen mehrere Themen eine Rolle, darunter solche, die sich der Bildungs- und Sozialpolitik, aber auch der Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik zuordnen lassen. Außerdem stechen „Förderung“, „Unterstützung“, „Entwicklung“ und „Versorgung“ sowie „stärken“, „schützen“, „schaffen“ und „sichern“ heraus.
Es gibt typische parteispezifische Schwerpunkte. Solche Schwerpunkte bedeuten nicht, dass die Parteien sich nur damit beschäftigen. Sie beschäftigen sich damit aber intensiver als die anderen Parteien.
- In der Tonalität spiegeln sich sowohl die Rollen als auch die grundlegenden Kommunikationsstrategien der Parteien wider. Regierungsparteien kommunizieren häufig positiver. Parteien an den Rändern, die sich auch durch Populismus auszeichnen, kommunizieren eher negativer. Die aktuelle „Agenda der Zuversicht“ der CDU ist das positivste Wahlprogramm seit 1980.
- Beim Populismus bestätigt sich: Am häufigsten finden sich populistische Äußerungen 2026 links und rechts der politischen Mitte, also insbesondere bei der AfD, dem BSW und der Linken. Der gemessene Anti-Elitismus passt insofern auch zur grundsätzlich negativeren Tonalität dieser Parteien.




Weiterführender Link
- Universität Hohenheim (2026): Wahlprogramm-Check 2026 – 46 Jahre Landtagswahlen in Baden-Württemberg: Die Landtagswahlprogramme 1980 bis 2026 im Vergleich (PDF, 51 Seiten)
- 2025-01-27: Sprache der Politik 2025: Wahlprogramme kürzer, aber immer noch schwer verständlich
- 2020-10-10: Klartext oder Kauderwelsch? Uni Hohenheim untersucht Verständlichkeit von CEO-Reden
Uni Hohenheim
