RPGs sind keine „raketengetriebenen Granaten“, sondern Panzerfäuste

Moderne Waffentechnik verkommt gelegentlich zum Scherzartikel, wenn die Reporter an der Front ihren Muret-Sanders nicht griffbereit haben und gezwungen sind, aus dem Stegreif eine Übersetzung zu formulieren.

So mutiert die rocket propelled grenade (RPG) nicht selten zur „raketengetriebenen Granate“ (n-tv, 20.08.2003) oder – noch schlimmer – zur „propellerbetriebenen Granate“, obwohl es das herrliche deutsche Wort „Panzerfaust“ dafür gibt.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtete darüber, dass die bösen Buben der Al Kaida an der Herstellung von Sprengsätzen mit „Kanonenwatte“ arbeiteten. Gun cotton hätte man jedoch besser mit „Schießbaumwolle“, „Schießwolle“ oder „Nitrozellulose“ übersetzt.

Gelegentlich hört man auch, die Soldaten kommunizierten über „tragbare Radios“ miteinander. Damit sind jedoch keineswegs Ghettoblaster gemeint, sondern die guten alten „Funkgeräte“.

Wer erinnert sich nicht an die kuriose Meldung, dass die letzten Getreuen Saddams mit „Traktoren“ säckeweise Geld aus der irakischen Nationalbank abtransportierten? Bei den tractors handelte es sich allerdings nicht um landwirtschaftliche Zugmaschinen, sondern um „Sattelschlepper“ (tractor-trailers).

Diese und weitere Beispiele führt Bastian Sick in einem Beitrag für seine Zwiebelfisch-Kolumne im Spiegel auf.

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Richard Schneider

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