U-Boot-Affäre: Prozessbeginn am OLG Koblenz, Übersetzerin Michaela T. in Fußfesseln vorgeführt

Justitia Wuppertal
Die Justitia am Eingang des alten Rathauses von Wuppertal-Elberfeld. - Bild: Richard Schneider

In Fußfesseln wurde die Übersetzerin Michaela T. (43) heute ins Oberlandesgericht Koblenz gebracht. Sie kündigte zu Beginn des Prozesses an, zum Vorwurf des versuchten Landesverrats aussagen zu wollen. Daraufhin wurde die Öffentlichkeit „wegen der Geheimhaltungsbedürftigkeit des Verratsmaterials“ während der Aussage ausgeschlossen.

Grund für die Tat waren offenbar Geldnöte. Das Übersetzungsbüro, das T. den umfangreichen Auftrag vermittelt hatte, wollte nicht bezahlen. T. hatte ihrerseits aber mehrere freie Mitarbeiter angeheuert, um die Übersetzung bewältigen zu können.

Bei den Unterlagen handelt es sich um technische Handbücher für das elektronische Waffensystem der neuen U-Boot-Klasse 212A, einem Spitzenprodukt deutscher Wehrtechnik. Das Verteidigungsministerium stuft die Handbücher als Staatsgeheimnis ein.

Weitere Neuigkeiten des ersten Prozesstages: Wie Oberstaatsanwalt Wolf-Dieter Dietrich von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, hat sich der verdeckte Ermittler des kanadischen Geheimdienstes zweimal mit der Übersetzerin getroffen, wobei sie die Unterlagen gegen 105.000 kanadische Dollar (mehr als 60.000 Euro) übergeben habe. Nach Angaben des Gerichts wurde T. bereits in Kanada einmal festgenommen, aber gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt.

Das Oberlandesgericht wies darauf hin, dass die Öffentlichkeit wegen der Geheimhaltungsbedürftigkeit der militärischen Unterlagen von der weiteren Verhandlung wahrscheinlich weitgehend ausgeschlossen bleiben wird.

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Richard Schneider

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