Zeitschrift Die Horen widmet sich dem Literaturübersetzen

Wieland Freund kritisiert in der Welt, dass in Deutschland eine Übersetzungskritik in der Regel nicht stattfinde. Der Übersetzer schreibe im Schatten. Freund weiter:

Umso verdienstvoller also, daß die Zeitschrift Die Horen in ihrem fünfzigsten Jahr gleich einen ganzen Band auf die Kunst und das Handwerk des Übersetzens verwendet und die stillen Helden des Literaturbetriebs endlich mal ins rechte Licht rückt. […] Hier informiert Gert Ueding über das Verhältnis von „imitatio“ (Nachahmung) und „aemulatio“ (Überbietung); hier wird noch einmal abgedruckt, was einem erschöpften Hans Wollschläger durch den Kopf ging, nachdem er den deutschen Ulysses vollbracht hatte; hier erklärt Peter Handke in gebotener Kürze, warum „sein“ Französisch ins Deutsche gebracht nach „hohlen Nüssen“ klingt.

Vor allem den Editoren Zsuzsanna Ghase und Johann P. Tammen gebührt Lob: Sie haben den Lockungen der Theorie widerstanden. Zwar werden die bekannten hehren Überlegungen eines Walter Benjamin zitiert, eigentlich aber geht’s um die Praxis.

Am 30. August 2005 wird der Band zum Thema Literaturübersetzen auf einer Veranstaltung in Hannover präsentiert. „Wörterketten und Sprachentfessler – Das Kunst-Stück Übersetzen“, so der Titel der Veranstaltung.

Bibliografische Angaben

  • Die Horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik. „Im übersetzten Sinn. Vom literarischen Übersetzen.“ Band 218, 2. Quartal 2005, 288 Seiten, 14 Euro, ISBN 3-86509-321-3, verbreitete Auflage: 5.800 Exemplare.

Zwar könnten die viermal im Jahr erscheinenden Horen neue Leser gut gebrauchen, aber eine Selbstdarstellung mit Bestellmöglichkeit existiert im Netz nicht – trotz finanzieller Unterstützung der Stadt Hannover, in deren Diensten der Gründungsherausgeber einst stand. Vor zwei Jahren hat sich der NW Verlag die Domain www.diehoren.de gesichert. Seitdem prangt unter dieser Adresse der Standardhinweis des Providers: „Hier entsteht eine neue Internetpräsenz!“ Offenbar will man im Elfenbeinturm weiter unter sich bleiben.

Richard Schneider

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