60 Jahre Pippi Langstrumpf: Jahrzehntelang verharmlosende Übersetzungen

Buchtitel Pippi Langstrumpf
Bild: Oetinger Verlag

Pippi Langstrumpf, die bekannteste Figur der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren, wird dieses Jahr 60 Jahre alt. Die deutsche Übersetzerin Cäcilie Heinig hat den Ausgangstext jahrzehntelang entschärft und damit verfälscht – offenbar aus Sorge um das Wohl der kindlichen Leser und im Auftrag des Oetinger Verlags.

Das berichtet der Bayerische Rundfunk, der dazu auf seiner Website schreibt:

Die brave Seite Pippis verkörpert Übersetzerin Cäcilie Heinig. Getreu der Adenauerschen Maxime „Keine Experimente wagen“ sorgte sie dafür, dass Pippi hier zu Lande statt Fliegenpilze nur Steinpilze mampft und das Dienstmädchen ihrer Großmutter zwar bellt, nicht aber die Pastorin ins Bein beißt.

Die Literaturwissenschaftlerin Astrid Surmatz konstatiert das „Betuliche“ und „Pädagogische“ der Übersetzung und stellt stirnrunzelnd fest: „Die schwedische Pippi offenbart ein Quäntchen an Verrücktheit, das der deutschen Pippi fehlt.“ Immerhin: 1986 war der Oetinger Verlag mutig genug, die deutsche Version mit Fliegenpilz nachzuwürzen.

Richard Schneider

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