Neues Buch von François Massion: Translation-Memory-Systeme im Vergleich

Die kommerzielle CAT-Technologie (Computer-Aided Translation) gibt es schon seit Anfang der 80er Jahre. Damals war der Marktführer die amerikanische Firma a.l.p.s. (automated language processing systems, später ALPNET), die ein CAT-System anbot, das unter MS-DOS auf einem IBM-AT-Rechner lief. Trados, der heutige Marktführer, bestand aus zwei jungen Softwareentwicklern in Stuttgart, die sich später vorübergehend in die holländische Softwarelokalisierungsgruppe INK eingliedern ließen.

In den letzten zehn Jahren ist im Bereich CAT-Technologie viel passiert. Diese Technologie findet zunehmend Anwendung und ist heute bei professionellen Übersetzern weit verbreitet. Nach der Übernahme von Trados durch SDL werden die Karten neue gemischt. SDL wird die Technologien von Trados und SDLX vereinheitlichen. Es ist also wahrscheinlich das letzte Mal, dass diese beiden Programme in einer eingehenden Vergleichsstudie analysiert werden. Diese Entwicklung eines neuen gemeinsamen Programms ist ein Prozess, der einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Gleichzeitig erhalten neue Anbieter eine Chance, sich zu etablieren und Marktanteile von Trados oder SDLX zu übernehmen. Wir möchten wissen, wo die Stärken und Schwächen einzelner Systeme liegen und beschreiben, was man heute als Stand der Technik bezeichnen kann.

Als regelmäßige Anwender der CAT-Technologie haben wir ein starkes Interesse, die bestmöglichen Werkzeuge für unsere Arbeit zu erhalten. Durch die Offenlegung der Stärken und Schwächen einzelner Anbieter hoffen wir, einen Beitrag zur Optimierung der vorhandenen Systeme zu leisten.

Wir haben diese Untersuchung ohne Vorurteile angefangen und sind keinem der untersuchten Systeme und Anbieter verpflichtet. Durch unsere langjährige Praxis wissen wir, wo es bei Projekten eng werden kann und haben daher Punkte untersucht und verglichen, die für die Praxis relevant sind.

Das Ergebnis möchten wir so neutral wie möglich präsentieren. Es bleibt jedem überlassen, welches System für die eigene Situation am besten geeignet ist. So ist es beispielsweise irrelevant für einen FrameMaker-Anwender zu wissen, dass SDLX keinen Filter für Interleaf hat. Auch kann man aus dieser Untersuchung nicht schließen, dass es gute und schlechte Systeme gibt. Vielmehr gibt es zum einen ein unterschiedliches Preis-/Leistungsverhältnis und zum anderen für jede Funktionalität unterschiedliche Stärken. Eine Tabelle fasst die wichtigsten Merkmale der einzelnen Systeme zusammen.

Untersucht wurden sechs führende Translation-Memory-Systeme am Markt:

  • Trados, mit ca. 60.000 verkauften Lizenzen weltweit mit Abstand die Nr. 1,
  • SDLX mit ca. 30.000 Lizenzen,
  • Transit,
  • Déjà Vu,
  • Wordfast und
  • das relativ junge Produkt across.

Aus dem Vorwort von Dr.-Ing. Wolfgang Sturz, doculine Verlags-GmbH:

Bereits in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Marktprognosen für Computer noch sehr überschaubar waren, wurden viele Millionen Dollar in die Entwicklung so genannter MT-Systeme (Machine Translation) für die automatische Übersetzung investiert – wie wir alle wissen bis heute ohne richtig nachhaltigen Erfolg. Erst in den achtziger Jahren kam die sehr vernünftige Idee auf, das Übersetzen den Übersetzern zu überlassen – diese aber bei der Verwaltung repetitiver Aufgaben durch den damals aufkommenden PC zu entlasten. Das war die Geburtsstunde der Computer-Aided Translation (CAT). Der erste Anbieter war die Firma a.l.p.s. in den Vereinigten Staaten, die mit ihrem Produkt jedoch zu früh auf den Markt kam und wohl deshalb auch sehr bald wieder von der Bildfläche verschwand. Im Rahmen großer Übersetzungsprojekte für die IBM in Stuttgart wurde dieses Konzept wieder aufgegriffen. Das hat dann in schneller Folge zur Einführung der Workbench von Trados (Stuttgart), des Translation Managers von IBM (Böblingen) und des Softwarepaketes Transit von Star (ebenfalls Böblingen) geführt.
Zunächst belächelt, handelt es sich bei den Herstellern der CAT-Tools inzwischen um eine mehr oder weniger etablierte Branche. Und auch den Übersetzern, die bei der Einführung dieser Programme zunächst um ihre Zukunft gefürchtete hatten, ist inzwischen klar geworden, dass das heute anfallende Übersetzungsvolumen ohne diese Werkzeuge auf gar keinen Fall mehr zu bewältigen wäre, nicht bezogen auf die Wortzahl und erst recht nicht bezogen auf die deutlich gestiegenen Qualitätserwartungen der Übersetzungskunden.

Die vorliegende Bestandsaufnahme erfolt deshalb genau zur richtigen Zeit: Einerseits hat sich die CAT-Technologie in der Übersetzungsbranche etabliert, andererseits befindet sich der Markt durchaus auch in einem Umbruch. So erscheinen neben den bekannten Produkten plötzlich ganz neue und teilweise konzeptionell andersartige Lösungen wie across auf dem Markt. Bereits seit längerem auf dem Markt aktive Anbieter schließen auf einmal neue Allianzen. Die Funktionalitäten der Programme werden um neue Komponenten wie die Verwaltung von Arbeitsabläufen und Prozessen ergänzt, dezentrales Arbeiten und die Verwaltung unterschiedlichster Dateiformate werden immer einfacher.

Die zunehmende Funktionalität der einzelnen Produkte erleichtert jedoch eines nicht – nämlich die Entscheidung für ein bestimmtes Produkt. Im Gegenteil: Jedes der aktuellen Programme verfügt über Eigenschaften und Funktionen, aufgrund derer sich die einen Kunden dafür entscheiden, während andere Kunden das gleiche Produkt wegen der vorgegebenen Infrastruktur nicht oder nur suboptimal einsetzen können.

Bibliografische Angaben

  • François Massion (2005): Translation-Memory-Systeme im Vergleich. Reutlingen: doculine. ISBN 3-9810595-1-4, 48,50 Euro, 310 Seiten.

Massion ist Gründer und Geschäftsführer der D.O.G. Dokumentation ohne Grenzen GmbH in Leonberg.

François Massion

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