Franchising in der Übersetzungsbranche: Lingua-World eröffnet erstes Büro in Bremen

Nelly Kostadinova
Nelly Kostadinova – Bild: Lingua-World

Die Übersetzungsbranche ist zersplittert wie kaum eine andere. Allein in Deutschland besteht sie aus schätzungsweise 6.000 Anbietern, von denen gut 80 Prozent Ein-Frau-Büros sind. Auch die wenigen großen Büros mit Millionenumsätzen vereinigen auf sich nur wenige Prozent des Gesamtübersetzungsvolumens von in Deutschland gut 500 Mio. Euro pro Jahr. Eigentlich kann sich niemand als Marktführer bezeichnen. Bundesweit bekannt ist allenfalls eine Handvoll Anbieter – und auch das nur innerhalb der Branche, außerhalb kennt niemand einen Markennamen für Übersetzungen. Eigentlich ist dies eine ideale Ausgangssituation zum Aufbau von Büroketten nach dem Franchisingprinzip.

Andere Branchen haben es schließlich vorgemacht: Bei den Bäckern hat Kamps „aufgeräumt“, die Optiker wurden von Fielmann unsanft aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen und McDonald’s verkauft auch deshalb so viele Fritten, weil die meisten Restaurants von Franchisenehmern gegründet wurden.

Diese Erfolgsmodelle vor Augen, versucht seit einigen Jahren ein halbes Dutzend Übersetzungsbüros, als Franchisegeber zu reüssieren. Die meisten von ihnen können ihren potenziellen Franchisenehmern jedoch nichts bieten. Weder ein klares Konzept noch das Wichtigste im Franchisegeschäft – einen guten Namen, der zumindest in der eigenen Branche und möglichst auch darüber hinaus bekannt ist.

Auffällig ist, dass sich die Großen der Branche in Sachen Franchising zurückhalten. Die derzeitigen Anbieter gehören zu den mittleren und kleineren Marktteilnehmern. Unter ihnen befinden sich offensichtlich auch Dilettanten und solche, denen es nur darauf ankommt, Franchisegebühren zu kassieren.

Lingua-World will mittelfristig 30 Franchisenehmer gewinnen

Von allen, die angetreten sind, den Markt aufzumischen, präsentiert sich Lingua-World derzeit am professionellsten – zumindest hinsichtlich des Franchisingkonzepts, der Außendarstellung und der Pressearbeit. Die Kölner wollen „mittelfristig“ 30 Franchisenehmer gewinnen und damit in allen deutschen Städten mit mehr als 150.000 Einwohnern vertreten sein.

Soeben konnte Geschäftsführerin Nelly Kostadinova das erste Franchisebüro in Bremen eröffnen. Dort agiert die selbstständige Unternehmerin Andrea Gavriel ab sofort unter fremdem Namen, aber auf eigene Rechnung. Den Kontakt zu Lingua-World konnte sie vor einem halben Jahr auf der START-Messe in Bremen knüpfen.

Lingua-World-Chefin Kostadinova sagt: „Nach dem Aufbau von mittlerweile sieben Filialen habe ich wichtige Erfahrungen gesammelt, was Standort, Personalpolitik, Marketing, Finanzierung und Kundenservice angeht.“ Die gebürtige Bulgarin ist davon überzeugt, dass sich die Struktur ihres Unternehmens für ein Franchisesystem geradezu anbietet.

Franchisenehmer müssen 30.000 bis 50.000 Euro investieren

Wer bei Lingua-World als Franchisenehmer einsteigen will, muss 30.000 bis 50.000 Euro investieren, davon sollten 6.000 bis 10.000 Euro als Eigenkapital zur Verfügung stehen. Die einmalige „Eintrittsgebühr“ beläuft sich auf 9.500 Euro, die Franchisegebühren liegen bei 7,5 bis 10 Prozent des Nettoumsatzes. Und noch etwas: Die Bewerber dürfen keine Übersetzer sein. Als Geschäftspartner bevorzugt man Kaufleute.

Als Gegenleistung bietet Lingua-World die Nutzung der Marke, Unterstützung bei der Standortwahl, eine Finanzierungsberatung, eine bewährte Marketingstrategie, ein einheitliches Corporate Design sowie ein Schulungs- und Weiterbildungsprogramm mit Jahrestreffen und Workshops. Außerdem soll ein 24-Stunden-Notfallservice, der zentral von Köln aus gesteuert wird, den Start in die Selbstständigkeit erleichtern.

Umsatzrendite von 20 bis 25 Prozent

Die Vorteile für den Franchisenehmer liegen auf der Hand: Er kann sofort mit dem Tagesgeschäft beginnen und muss sich nicht um den Aufbau eines funktionierenden Büros kümmern oder erst langwierig ein eigenes Übersetzernetz aufbauen. Stattdessen kann er sich von Anfang an auf die entscheidenden Faktoren für den Geschäftserfolg konzentrieren: die Kundenakquise, die Kundenbetreuung und die Kundenbindung. Laut Lingua-World können Franchisenehmer mit einer Umsatzrendite vor Steuern von 20 bis 25 Prozent rechnen.

„Im Gegensatz zu den meisten Büros dieser Sparte werden unsere Betriebe nicht von Dolmetschern oder Übersetzern geführt, sondern von Kaufleuten. Hinter dem Lingua-World-Franchisesystem steckt ein großes kaufmännisches Potenzial – und eine bestens eingeführte Marke, die ständig optimiert wird“, erklärt Jan Piepenbrink (38), der bei Lingua-World für das Franchising und die Betreuung der Partner zuständig ist. Piepenbrink wirkte zuvor lange im Franchisebereich eines großen Nachhilfeanbieters.

Die 1996 in Köln gegründete Lingua-World betreibt sieben eigene Niederlassungen in Deutschland und eine im holländischen Maastricht. Das Unternehmen beschäftigt 25 festangestellte Mitarbeiter und kann nach eigenen Angaben auf rund 10.000 freiberufliche Übersetzer zurückgreifen. Der Umsatz liegt „im mehrstelligen Millionenbereich, Tendenz steigend“.

Ob und in welchem Ausmaß sich Franchising in der Übersetzungsbranche etablieren kann, bleibt abzuwarten. Erfreulich ist, dass es nun zumindest einige versuchen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Lingua-World, franchisestarter.de. Bild: Lingua-World.]

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