Frankfurt: Betrügerischer Dolmetscher angeklagt

Ein Dolmetscher (49) und ein Rechtsanwalt (39) stehen derzeit in Frankfurt am Main vor Gericht. Allerdings nicht wie sonst üblich im Dienste der Verteidigung, sondern als Angeklagte.

Ihnen wird vorgeworfen, in mehr als 100 Fällen Ausländern gegen Schmiergeld eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in Deutschland verschafft zu haben. Das Gericht beschränkt sich in Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung darauf, 15 typische Fälle aus den Jahren 2002 bis 2004 zu verhandeln.

Zum Auftakt gaben die Angeklagten vor dem Frankfurter Landgericht die Vorwürfe zu. Demnach war der Anwalt für die juristischen Aspekte zuständig, während der Dolmetscher die meist türkischen Kunden betreute und ihnen half, die Antragsformulare korrekt auszufüllen.

Rechtswidrig war die Tätigkeit von Dolmetscher und Anwalt deshalb, weil beide von Anfang an wussten, dass die Antragsteller Scheinehen eingegangen waren, um in Deutschland leben und arbeiten zu können. Darüber hinaus sollen gegenüber den Behörden falsche Adressen der Antragsteller angegeben worden sein.

Uepo.de wird, wie schon in anderen Fällen zuvor, weiter darüber berichten. – Im Gegensatz zu den Zeitschriften der Berufsverbände, die alle Vorkommnisse, die dem Ansehen des Berufsstandes schaden könnten, grundsätzlich unter den Teppich kehren. Zur Erinnerung deshalb hier noch einmal drei Fälle aus der Vergangenheit:

Führerscheinbetrug in Suhl, Erfurt, Gotha
2004: Thüringen: Bestechlicher Dolmetscher soll Führerscheinprüflingen geholfen haben
2005: Nach Betrugsaffäre greift Thüringen durch: Ab sofort keine Dolmetscher mehr bei Führerscheinprüfungen

Bestechung für Aufenthaltsgenehmigungen in Darmstadt
2001: Darmstadt: Dolmetscher wegen Bestechung verhaftet
2002: Darmstädter Dolmetscher wegen Bestechung weiter in Haft
2003: Darmstädter Bestechungsprozess: Dolmetscher saß 22 Monate in U-Haft, erlitt einen Herzinfarkt und zwei Nervenzusammenbrüche

Betrug und Korruption im Berliner LKA bei Auftragsvergabe und Abrechnung von Dolmetschleistungen
2002: Dolmetscher Mittelpunkt einer Betrugs- und Korruptionsaffäre bei Berliner Polizei

[Quelle: Frankfurter Rundschau, 2008-10-13. Bild: Richard Schneider.]

Das GDolmG muss weg