BDÜ Hessen: Matthey wiedergewählt, Rieg zur Globalisierung

„Das Arbeitsumfeld der freiberuflichen Übersetzerinnen und Übersetzer hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert, besonders für die Technikübersetzer“, erläuterte der Diplomingenieur und Technikübersetzer Clemens Rieg auf der diesjährigen Landesmitgliederversammlung des hessischen BDÜ, die am 14.03.2009 in Offenbach stattfand.

Drei Faktoren spielen dabei eine Rolle: die Globalisierung, die enorme Expansion internationaler Übersetzungsagenturen und der Einsatz so genannter CAT-Programme, das sind Softwarewerkzeuge, die den Übersetzungsvorgang unterstützen sollen. Es findet eine Industrialisierung der Übersetzungsbranche statt, durch die hochqualifizierte Fachleute in die Rolle von Tagelöhnern geraten können, wenn sie diesem Prozess nicht eigenes Handeln entgegensetzen.

Während die Globalisierung zunächst den positiven Effekt hat, dass das Übersetzungsvolumen rapide ansteigt, und zwar zwischen 5 und 12 % jährlich, wächst gleichzeitig die Notwendigkeit für die Industrie, diese mehrsprachigen Übersetzungen kostengünstig anfertigen zu lassen.

Große Unternehmen haben oft umfangreiche Dokumentationen in mehrere Sprachen zu übersetzen. Dafür suchen sie sich häufig Agenturen, die ihre Aufträge dann an Einzelübersetzer weiterleiten – oft zu für die Übersetzer sehr ungünstigen Konditionen. „Diese Agenturen versuchen immer größere Anteile von diesem Kuchen zu erjagen, geraten aber auch unter Preisdruck. Diesen versuchen sie über den Einsatz von CAT-Programmen und durch niedrige Preise für die Leistung freiberuflicher Übersetzer aufzufangen. Um diesem Preisdruck entgegenzuwirken und gleichzeitig einem hohen Qualitätsanspruch zu genügen, sollten viele freiberufliche Übersetzer und Übersetzerinnen ihr bisheriges Einzelkämpferdasein verlassen und sich zu dynamischen, professionell organisierten Teams zusammenschließen, die Projekte für Endkunden gemeinsam durchführen“, so Clemens Rieg.

„Warum können wir uns nicht zusammentun, und die gleiche Leistung als Gemeinschaft gleichberechtigter Freiberufler anbieten?“, fragten viele Teilnehmer in der Diskussion. Diese Idee wollen die hessischen Übersetzer in den nächsten Monaten weiterverfolgen und dazu konkrete Konzepte ausarbeiten. Für den Herbst ist ein Seminar geplant. Dem Thema Globalisierung wird sich auch der internationale Kongress „Übersetzen in die Zukunft“ im September 2009 in Berlin widmen. Viele hessische Übersetzer werden teilnehmen.

Gabriele MattheyDer Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer hat in Hessen über 600 Mitglieder. In Deutschland gibt es ca. 30.000 Übersetzer, davon arbeiten 24.000 freiberuflich und 6.000 im Angestelltenverhältnis. Als Vorsitzende des Landesverbands Hessen wurde Gabriele Matthey (Bild) wiedergewählt.

[Text: Doris Werder. Quelle: Pressemitteilung BDÜ Hessen. Bild: BDÜ Hessen.]