Griechenland: Übersetzungsfehler lockt Untersuchungsausschuss auf falsche Fährte

Bestechung auf höchster Ebene witterte ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss, der in Griechenland zurzeit Schmiergeldzahlungen von Siemens an griechische Politiker untersucht. Im E-Mail-Verkehr eines griechischen Unternehmers, dem gute Beziehungen zum flüchtigen Chef von Siemens Hellas, Michalis Christoforakos, nachgesagt werden, heißt es: „Please see the information required to give the 50 percent deposit for the cabinet man“, gefolgt von einer New Yorker Kontonummer.

Bei dem „cabinet man“, der hier in den Genuss einer Anzahlung kommen sollte, konnte es sich nur um ein „Kabinettsmitglied“ handeln, schloss der Übersetzungsdienst des Parlaments. Denn erst eine Woche zuvor hatte ein ehemaliger Minister gestanden, Schmiergeld von Siemens angenommen zu haben. Diese Vermutung wurde so auch an die Medien weitergegeben. Das Handelsblatt schreibt:

Drei Tage lang genossen Valyrakis und seine Partei den Medienrummel, den die vermeintliche Enthüllung ausgelöst hatte. Inzwischen weiß man: der Ausschussvorsitzende schoss ein kapitales Eigentor. Das „Kabinettsmitglied“ ist heute in mehreren griechischen Zeitungen abgebildet. Es sitzt am Steuer eines weißen Ford-Lieferwagens mit der Aufschrift „Cabinet Man“. Bei dem Mann handelt es sich um einen Möbelschreiner, der in der New Yorker Wohnung des griechischen Unternehmers Küchenschränke installiert hatte und auf die Bezahlung seiner Rechnung wartete.

„Cabinet“ hat im Englischen viele Bedeutungen. Bei einem „cabinet meeting“ handelt es sich tatsächlich um eine Kabinettssitzung, aber ein „cabinet maker“ ist schlicht und einfach ein Möbelschreiner („cabinet“ = Schrank).

[Text: Richard Schneider. Quelle: Handelsblatt, 2010-06-02; Reuters, 2010-06-02.]

Das GDolmG muss weg