“Oh oh, dazu muss man aber gut Französisch können”: Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf im Interview

Am 13. und 14. August 2011 fand das 9. Internationale Asterix-Fantreffen im LWL-Römermuseum Haltern statt. Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz bot Haltern neben Vorträgen über den Comic-Helden auch eine offene Tauschbörse. Zudem gaben bekannte Asterix-Forscher, Sammler und Übersetzer Einblicke in die Welt des schnauzbärtigen Galliers mit dem Flügelhelm. Eröffnet wurde die Vortragsreihe von Gudrun Penndorf, der Mitbegründerin des Asterix-Kultes.

Gudrun Penndorf absolvierte eine Übersetzer- und Dolmetscherausbildung Französisch und Italienisch in den Fachgebieten Wirtschaft und Recht in Heidelberg und München. Sie war u.a. beim Langenscheidt-Verlag und als Gerichtsdolmetscherin tätig. Mit 40 Jahren begann sie das Studium der Allgemeinen und Romanischen Sprachwissenschaften und schloss dieses mit dem Magister ab. Von 1967 bis 1993 war sie eine freiberufliche Übersetzerin.

Ab 1968 übertrug Penndorf die ersten 29 Asterix-Bände aus dem Französischen ins Deutsche. Sie hat viele Wortspiele und Namen geschaffen und so etwa aus dem französischen “Ils sont fous, ces Romains” das sprichwörtliche “Die spinnen, die Römer” gemacht. Unter dem ersten Verleger wurde dies mit “Uii, die Römer sind doof” übersetzt. 2005 urteilte Die Welt: “Zum deutschen Erfolg von Asterix und zur Bereicherung der deutschen Sprache trug sie mindestens genauso viel bei wie die legendäre Erika Fuchs bei Donald Duck. Nur ist Penndorfs Leistung bisher noch nicht annähernd so breit gewürdigt worden.” Ferner übersetzte sie zahlreiche Lucky-Luke-Hefte und fast zweihundert Lustige Taschenbücher ins Deutsche. Heute arbeitet sie als Lehrbeauftragte für Französisch und Wirtschaftsfranzösisch am Institut für Romanische Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Angesichts des Asterix-Fantreffens hat Der Westen mit der Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf ein Interview geführt. In diesem erzählt sie, wie sie zu dem Auftrag kam, Band 1 bis 29 der bisher insgesamt 34 Asterix-Alben in die deutsche Sprache zu übertragen.

Ich hatte für den Ehapa Verlag bereits eine Anzahl von Walt Disney-Comics der Reihe Lustige Taschenbücher aus dem Italienischen übersetzt, die rasch sehr beliebt wurden. Manchmal waren die Vorlagen auch auf Englisch oder Französisch, daher wusste der Verlag, dass ich auch für andere Sprachen einsetzbar war. Als ich 1968 eine Reise nach Paris plante, sagte der Verlag zu mir: “Gehen Sie doch dort bei Goscinny vorbei, wir suchen noch eine Übersetzerin für Asterix.” Also habe ich mich bei Goscinny vorgestellt und bekam den Auftrag. Was ich zunächst nicht wusste: Alle meine Übersetzungen wurden zur Kontrolle ins Französische zurück übersetzt.

Auf die Frage, ob sie die Asterix-Comics bereits vorher kannte, antwortet sie dies:

Ja, rein zufällig. Eine französische Übersetzerkollegin hatte an einem verregneten Sonntag, als wir zusammen in Schwabing saßen, Asterix-Comics mitgebracht und die deutsch-französische Clique bog sich vor Lachen. Ich dachte nur “Oh oh, dazu muss man aber gut Französisch können”, nicht ahnend, dass wenig später der Auftrag auf mich zukommen würde.

Zudem berichtet sie über die größten Herausforderungen bei der Übersetzung, ihr schönstes Erlebnis in Bezug auf Asterix und sagt, wen sie sich beim Übersetzen als Leser vorgestellt hat. Des Weiteren verrät sie, ob sie wegen der Übersetzungen je kritische Post erhalten und wie sie Albert Uderzo und René Goscinny erlebt hat. Zu guter letzt beantwortet sie die Frage “Was kann man von Asterix und Obelix lernen?”:

Nun, das liegt ganz am Leser oder Vorleser, wie viel er davon aus der Geschichte erkennt oder hinzulernt. Ich halte wenig davon, diesen Comic mit einem didaktischen Anspruch zu versehen. Wie Goscinny einmal treffend sagte, “Asterix soll die Leute zum Lachen bringen”. Ich habe, soweit ich konnte, dafür gesorgt.

Den vollständigen Artikel finden Sie auf der Website Des Westens.

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“Das ist ja unübersetzbar!” Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf im Interview”

[Text: Jessica Antosik. derwesten.de, 09./11.08.2011; welt.de, 22.03.2005.]