Messenachlese: Neuerscheinungen Sprachwissenschaft

Auch heute möchten wir Ihnen Neuheiten von der Frankfurter Buchmesse 2011 vorstellen. Diesmal aus dem Bereich Sprachwissenschaft  (deutschsprachig):

Übersetzung, Translation, Traduction

Harald Kittel, Armin Paul Frank, Norbert Greiner, Theo Hermans, Werner Koller, José Lambert, Fritz Paul (2011). Übersetzung, Translation, Traduction. Berlin: De Gruyter. Ca. 1008 Seiten. 429,00 Euro. ISBN: 978-3-11-017146-4.

Zum ersten Mal wird die gesamte Komplexität der Übersetzung dokumentiert und im Überblick dargestellt wertvolle Informationen über die Theorie der Übersetzungsforschung und ihre Anwendungsformen internationale Handbuch-Reihe in drei Bänden wird der aktuellen Forschungsstand wiedergegeben

Das Handbuch Übersetzung entfaltet erstmals den gesamten Gegenstandsbereich, der unter Übersetzung verstanden werden kann, in seinen Problemkomplexen. Es bietet eine kritische Bestandsaufnahme des derzeit verfügbaren Wissens und der internationalen Forschung zur Übersetzung unter systematischen und historischen Gesichtspunkten.

Im Bestreben, die Übersetzungsforschung und deren heterogene Gegenstände möglichst vollständig vorzustellen, bietet das Handbuch einen Überblick über die verschiedenen Zweige der Übersetzungsforschung. Es erfasst Übersetzungsphänomene, verstanden als Formen inter- und innersprachlichen Transfers und interkultureller Kommunikation, in deren sozialen, räumlichen, situativen, sprachlichen, literarischen und allgemein kulturellen Vielfalt unter diachronen, synchronen und systematischen Gesichtspunkten. Es erläutert und dokumentiert die wichtigsten Ergebnisse bisheriger Übersetzungsforschung, aber auch aktuelle Debatten, in ihren jeweiligen geistes-, sozial- und wissenschaftsgeschichtlichen, theoretischen und methodischen Bindungen. Es weist auf Forschungslücken hin und benennt Prioritäten und Desiderata für künftige Forschung.

Translation – Sprachvariation – Mehrsprachigkeit

Wolfgang Pöckl, Ingeborg Ohnheiser, Peter Sandrini (2011). Translation – Sprachvariation – Mehrsprachigkeit. Frankfurt: Peter Lang. 541 Seiten. 79,80 Euro. ISBN: 978-3-631-60000-9.

Mit Translation, Sprachvariation und Mehrsprachigkeit sind die Hauptarbeitsgebiete von Lew Zybatow benannt, dem dieser Band aus Anlass seines 60. Geburtstages gewidmet ist. In 32 Beiträgen verknüpfen international bekannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zehn Ländern und verschiedenen Disziplinen die drei Themenbereiche aus unterschiedlichen Blickrichtungen und eröffnen der Forschung vor allem im Schnittpunkt zwischen Sprach- und Translationswissenschaft innovative Perspektiven.

Inhalt: Juliane House: Für Lew – Michaela Albl-Mikasa: Das integrative Potenzial des kognitiv-konstruktivistischen Forschungsparadigmas – Alessandra Riccardi: Neue Entwicklungen im Bereich des Simultandolmetschens – Mariachiara Russo: Text Processing Patterns in Simultaneous Interpreting (Spanish – Italian): a Corpus-based Study – Alena Petrova: Warum brauchen wir eine eigenständige Theorie der literarischen Übersetzung? Ein Plädoyer für klare Fragestellungen – Klaus Schubert: Translatorische Implizitätspostulate – Heidrun Gerzymisch: Translatorisches Verstehen im Spannungsfeld von Handeln und Reflexion: Akteur- und Betrachterperspektive – Margarita P. Brandes: «Rabotaûsij jazyk» kak lingvisticekaja osnova teorii perevoda – Gerd Wotjak: Sprache und Kultur – Wie spiegelt sich Kulturelles in der Sprache? – Rainer Kohlmayer: Literaturübersetzen und Translationswissenschaft. Kritischer Rückblick, hoffnungsvoller Ausblick – Ingeborg Ohnheiser: The Principles of Newspeak im Übersetzungsvergleich – Jorge Díaz Cintas: Dealing with Multilingual Films in Audiovisual Translation – Peter Sandrini: Das Medium WWW als translationsdidaktische Herausforderung – Arturo Parada: Begriffsbestimmungen der Soziologie im Transfer: Zur Übersetzung von Max Weber ins Spanische und Portugiesische – Bistra Alexieva: Interlingual Asymmetry and Translation Studies – Manfred Markus: Was kann die anglistische Linguistik zur Translationswissenschaft beitragen? – Dmitrij O. Dobrovol’skj: Russkie obrasenija v anglijskih i nemeckih perevodah – Annely Rothkegel: Textarbeit: Prozesse, Produkte, Management – Klaus-Dieter Baumann: A Cognitive Approach to LSP Communication of the Natural and Technical Sciences – Heinrich Weber: Zum Übersetzen vom Deutschen ins Deutsche – Jan Wirrer: Die Ochsen, die Kühe und die Schäfchen und die Vögelchen auf dem Mäuerchen. Zur Elizitierung linguistischer Daten vermittels Übersetzung – Käthi Dorfmüller-Karpusa: Wissenschaftskommunikation in Griechenland: Antikes Erbe, Diglossie, Import – Hans-Peter Stoffel: The Joy of «Migranto». Dalmatian Skits as a Source for the Study of Croatian-English Language Contact in New Zealand – Joachim Born: Alte und neue slawische Entlehnungen im Portugiesischen – Otta Wenskus: Die dunkle Seite des Fachs. Latein und andere magische Sprachen – Oldrich Ulicný: Ein kleiner Beitrag zu einem großen Thema: Zu den Beziehungen zwischen Sprache, Sprechen und Musik – Marcus Bär/Franz-Joseph Meißner: Interkomprehension und Übersetzen: Vorläufige Gedanken zum Verhältnis von Interkomprehension und Traduktologie – Reiner Arntz: Polyglott dank EuroCom – das didaktische Potential der Interkomprehension – Raphael Berthele/Peter Colliander/Janet Duke/Britta Hufeisen/Madeline Lutjeharms/Nicole Marx/Robert Möller/Ludger Zeevaert: Zu den Grenzen des EuroCom-Konzeptes für EuroComGerm – Zwischenfazit – Christiane Böhler: Von Stalingrad nach Kitzbühelgrad: Historischer Überblick zum Studium des Russischen an der Universität Innsbruck – Angel G. Angelov: (Re)forms in Meaning: Reasons for the Appearance of False Friends among the Slavic Languages – Wolfgang Pöckl: Seitenblicke auf die Globalisierung.

Adjektive und Partikeln: Studien zum Deutschen und zum Bosnischen/ Kroatischen/Serbischen

Meliha Hrustic, Erminka Zilic  (2010). Adjektive und Partikeln: Studien zum Deutschen und zum Bosnischen/Kroatischen/Serbischen. Tübingen: Julius Groos. 172 seiten. 30,00 Euro. ISBN: 978-3-87276-870-4.

Meliha Hrusti beschäftigt sich mit der Valenz der Adjektive und – sehr detailliert – mit den Adjektivergänzungen in beiden Sprachen, einem Bereich, der auch im Deutschen viel weniger untersucht ist als die Ergänzungen zum Verb. Erminka Zilic untersucht die bisher auch im Deutschen kaum beschriebenen Partikeln geschweige (denn) und insofern/insoweit/umso … als und ihre Entsprechungen im Bosnisch/Kroatisch/Serbischen. Da die Arbeiten beider Autorinnen korpusgestützt sind und viele Beispiele enthalten, können sie auch dem Sprachunterricht wertvolle Hilfen liefern. Die Ansprüche der Republiken Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien auf eine je eigene Landessprache werden durch das vorliegende Buch nicht berührt. Die Sammelbezeichnung bosnisch/kroatisch/serbisch besagt lediglich, dass die Ergebnisse der vorgelegten Forschungen für die Sprache in allen drei Ländern gültig sind. Sie gründen u.a. auf der Tatsache, dass sich die Bewohner dieser drei Länder ohne Dolmetscher unterhalten können.

Erschienen in der Reihe Deutsch im Kontrast.

Spatiale Relationen – Kontrastiv: Deutsch-Dänisch

Max Krause, Per Baerentzen (2010). Spatiale Relationen – kontrastiv: Deutsch-Dänisch. Tübingen: Julius Groos. 266 seiten. 39,80 euro. ISBN: 978-3-87276-900-8.

Herein! – Kom ind! − Come in! − Entrez! Das Deutsche drückt räumliche Relationen vor allem durch Adverbien, Adpositionen und bestimmte Kasus aus, andere Sprachen nutzen andere Mittel. Auch wo identische Mittel zur Verfügung stehen, werden sie teilweise unterschiedlich eingesetzt. So greift das Dänische häufig zu Adverbien, wo das Deutsche allein durch die Wahl zwischen Dativ und Akkusativ differenziert: hen på bordet − auf den Tisch, henne på bordet − auf dem Tisch, oder es braucht zusätzlich ein Verb, wo das Deutsche ohne ein solches auskommt: Kom ind! − Herein! Viele Sprachen nützen derartige Relationen zur Verdeutlichung abstrakter Gegebenheiten: man stützt sich auf einen Spazierstock – aber auch auf Argumente, andere Menschen erreicht man, indem man über eine Brücke geht – man kann es aber auch über das Radio oder über die Printmedien versuchen, und wer im Sumpf steckt, ist auf jeden Fall in Schwierigkeiten.

Kurz: spatiale Relationen sind ein grundlegender Bestandteil unserer Kommunikation und daher auch für den Erwerb wie für das eher passive Verständnis einer anderen Sprache von zentraler Bedeutung. Der vorliegende Band ist der erste der Reihe Spatiale Relationen – kontrastiv. Grundgedanke ist, dass sich räumliche Relationen unabhängig von einer bestimmten Sprache nach Systemen ordnen lassen. Diese Systematik bietet die Basis für den Vergleich.

Teil I beschreibt die Verhältnisse im Deutschen, Teil III − genau symmetrisch dazu − die sprachlichen Mittel, die das Dänische verwendet, um entsprechende Relationen auszudrücken; Teil II bietet in tabellarischer Form einen direkten, kontrastiven Überblick. Zahlreiche Skizzen erleichtern den unmittelbaren Vergleich. Für das Dänische liegt damit zugleich die erste umfassende Beschreibung der spatialen Relationen vor. Der Band richtet sich an Lernende und Lehrende an Schulen und Hochschulen. Er ist so konzipiert, dass er zum Erwerb und Verständnis des Dänischen wie des Deutschen (z.B. im DaF-Unterricht) zu nutzen ist. Die große Zahl von Beispielen gestattet es, sich mit dem Thema auch im Selbststudium vertraut zu machen.

[Textzusammenstellung: Nina Neumann. Quelle: Verlagsangaben. Bilder: Verlage.]

Das GDolmG muss weg