Projekt LiMA für die Erhaltung der sprachlichen Vielfalt in Großstädten

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2009 rund 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Hamburg war in früheren Jahrhunderten, als die Menschen noch mit Schiffen fuhren, das „Tor zur Welt“. (Heute erfüllt der Flughafen Frankfurt diese Funktion.) Die Hansestadt spielt aber nach wie vor eine wichtige Rolle für den deutschen Außenhandel. Sie ist ein bedeutendes Zentrum füt Industrie, Handel und Logistik. Zudem sind in Hamburg viele ausländische Unternehmen ansässig. In der Stadt leben rund 487.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Sie machen etwa 28 Prozent der Einwohner aus. Die Bevölkerung vertritt mehr als 180 verschiedene Staatsangehörigkeiten. Dies hat dazu geführt, dass Hamburg mit ca. 100 Konsulaten nach New York und Hongkong der drittgrößte Konsularstandort überhaupt ist.

In Hamburg stammt ungefähr ein Drittel aller Schüler aus einer Familie mit Migrationshintergrund. 2010 hatte ungefähr die Hälfte aller Neugeborenen in Hamburg Eltern, die aus einem anderen Land nach Hamburg zugewandert sind. Schulkinder in Hamburg sprechen beinahe 200 verschiedene Sprachen. Dies war u. a. einer der Gründe für Prof. Dr. Ingrid Gogolin von der Universität Hamburg, das Projekt LiMA (Linguistic Diversity Management in Urban Areas) ins Leben zu rufen. Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, bei dem Erziehungswissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Psychologen, Rechtswissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler sowie Stadtplaner den Umgang mit vielfältigen Sprachen in Großstädten erforschen.

Ziel ist es, die sprachliche Vielfalt in Großstädten zu erhalten und die Talente von mehrsprachigen Menschen zu fördern. Dafür untersuchen die Wissenschaftler die Sprachentwicklung in Familien, im Freundeskreis, in der Schule sowie beim Übergang in den Beruf. Sie befragen mehrsprachige Personen und beobachten sprachliche Entwicklung über mehrere Jahre hinweg. Im Anschluss daran sprechen sie Empfehlungen aus, wie ideale Strukturen und Bedingungen in Großstädten aussehen müssen, damit sich alle Menschen – gleich welcher nationalen Herkunft und Sprache – wohlfühlen. Sie beantworten zudem folgende Fragen: Wie sollte eine Schule gestaltet sein, damit Kinder mit vielen Sprachen gleichgut lernen können? Wie können Menschen, die mehrsprachig leben, ihre Sprachen in das öffentliche Leben einbringen?

Weitere Informationen zu LiMA finden Sie auf der Projekt-Website der Uni Hamburg.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: destatis.de; Hamburger Abendblatt, 10.08.2010; wikipedia.de. Bild: LiMA.]

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