Heimliche Helfer – Übersetzer und Dolmetscher tragen zum Erfolg international agierender Unternehmen bei

Die wirtschaftliche Konjunktur ist im Aufwind, die Exporte boomen: 2011 knackten die deutschen Exporte erstmals die Billionen-Marke und stiegen um 11,4 Prozent auf 1,06 Billionen Euro. Diesen internationalen Erfolg verdanken deutsche Unternehmen nicht nur ihren Strategen, Entwicklern und Qualitätsstandards, sondern auch einer Berufsgruppe, die eher im Hintergrund wirkt – den Übersetzern und Dolmetschern.

„Im Zeitalter der Globalisierung gibt es kaum ein Unternehmen, das noch ohne Übersetzungsdienste auskommt. Sprachmittler sind das Bindeglied zwischen einem Unternehmen und seinen Geschäftspartnern und Kunden, ganz gleich ob es um internationale Vertragsverhandlungen geht oder um die Übertragung von technischen Dokumentationen, Betriebsanleitungen und Werbebroschüren in andere Sprachen“, betont Reiner Heard, Vorsitzender des Fachverbandes der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher e.V. – ATICOM.

Dem Mikrozensus 2010 des Statistischen Bundesamtes zufolge, hat sich in Deutschland die Zahl der Übersetzer und Dolmetscher seit 2003 auf 40.000 verdoppelt. Diese Zahlen werden sich in Zukunft noch weiter erhöhen, denn je mehr sich deutsche Unternehmen neue Märkte im Ausland erschließen und internationale Geschäftsbeziehungen unterhalten, desto wichtiger wird die Arbeit von Übersetzern und Dolmetschern.

Verhandlungssicher auf internationalem Parkett

Anders als für manchen deutschen Politiker ist Englisch zwar für viele Geschäftsleute kein Buch mit sieben Siegeln, sondern zweite Geschäftssprache. Doch wenn es um offizielle Vertragsverhandlungen oder komplexe Geschäftsabschlüsse geht, ist ein professioneller Dolmetscher unverzichtbar. Gleiches gilt in besonderem Maße für Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen, die nicht in Europa oder den USA angesiedelt sind, denn schließlich spricht kaum ein Unternehmer fließend und verhandlungssicher Koreanisch, Chinesisch oder Russisch. Bereits bei den ersten Gesprächen mit künftigen Geschäftspartnern leisten Dolmetscher wertvolle Dienste, denn ein ausgebildeter Dolmetscher beherrscht nicht nur die jeweilige Landessprache, er kennt auch die gesellschaftlichen und kulturellen Besonderheiten des Landes und sorgt dafür, dass das erste Treffen ohne Missverständnisse und Tritt ins Fettnäpfchen verläuft. Missverständnisse kann es aber nicht nur im persönlichen Kontakt mit ausländischen Geschäftspartnern geben, sondern auch, wenn ein Unternehmen kein Geld für professionelle Übersetzer ausgeben will.

Fatale Folgen für Unternehmen durch fehlerhafte Übersetzungen

„1. die Verpackung zu auspacken und die Lampekette zu abnehmen 2. anschliessen mit dem Strom und pruefen, ob die Lampen und die Schmuckszubehoere in Ordnung sind, wenn es irgendein Problem gaebe, muss es sofort wechseln sein.“ Wer diese Übersetzung einer Betriebsanleitung liest, kann sicher sein, dass hier kein Profi am Werk war. Manche Unternehmen sparen sich die Kosten für einen professionellen Übersetzer und lassen lieber Mitarbeiter oder automatische Übersetzungsprogramme auf die Texte los. Was dabei herauskommt ist unfreiwillig komisch, unverständlich und kann für das Unternehmen fatale Folgen haben.

Der Deutsche Fachverband für Technische Kommunikation und Informationsentwicklung hat 2010 in einer Studie die Folgen mangelhafter Gebrauchs- und Bedienungsanleitungen untersucht. Die Studie ergab, dass jede 10. Dokumentation schwere Mängel aufwies, die zum Teil auf fehlerhafte Übersetzungen zurückzuführen waren. Für Unternehmen, kann es unangenehme Folgen nach sich ziehen, wenn sie an der falschen Stelle sparen: In Deutschland gilt das Fehlen einer deutschen Betriebsanleitung bereits als Sachmangel, und wenn Unfälle auf eine fehlerhafte Produkt- oder Betriebsanleitung zurückzuführen sind, muss der Hersteller oder Importeur mit rechtlichen Schritten und erheblichen Schadensersatzforderungen rechnen.

Regelmäßige Fortbildung wird für Übersetzer und Dolmetscher künftig noch wichtiger

Ohne Übersetzer und Dolmetscher geht in unserer globalisierten Welt nichts mehr und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Die Internationalisierung der Wirtschaft  schafft einen enormen Bedarf an Übersetzungsleistungen, stellt aber auch wachsende Anforderungen an Sprachmittler. Neben einer qualifizierten Ausbildung wird von Dolmetschern und Übersetzern heute mehr denn je erwartet, dass sie sich in ihrem Spezialgebiet laufend weiterbilden. Es genügt heute nicht mehr sprachlich up-to-date zu sein, es wird erwartet, dass Übersetzer und Dolmetscher über die Entwicklungen in ihrem Fachgebiet sowie in technischen und rechtlichen Belangen auf dem Laufenden sind.

Als Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher engagiert sich ATICOM deshalb seit jeher besonders für die Fort- und Weiterbildung und bietet Seminare, Kurse und Veranstaltungen an, in denen sich Übersetzer und Dolmetscher laufend weiter qualifizieren können, um so die Herausforderungen der Zukunft noch besser zu meistern.

Über ATICOM e.V.
Der Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher ATICOM e. V. mit Sitz in Hattingen, Nordrhein-Westfalen, wurde 1999 gegründet. Als spezifische Interessenvertretung professioneller, ausgebildeter Übersetzer und Dolmetscher fungiert ATICOM als Schnittstelle zwischen rund 200 Mitgliedern und potenziellen Auftraggebern wie Unternehmen, Verbänden, Behörden und Institutionen. Über die Website www.aticom.de, die jährlich über 700.000 Seitenaufrufe verzeichnet, und das elektronische Mitgliederverzeichnis sind für zahlreiche Sprachen und Fachgebiete qualifizierte Übersetzer und/oder Dolmetscher zu finden.

ATICOM setzt sich intensiv für die Professionalisierung des Berufsstandes ein und nimmt gemäß strengen Aufnahmekriterien nur Personen als Mitglieder auf, die eine berufliche Qualifikation als Übersetzer und/oder Dolmetscher bzw. entsprechende Berufserfahrung nachweisen können und den Beruf auch persönlich ausüben. Charakteristisch für ATICOM sind schlanke, demokratische Strukturen, wirtschaftliche Effizienz, hohe Transparenz und der kontinuierliche, direkte Austausch mit den Mitgliedern. Wichtige Schwerpunkte der Verbandsarbeit sind neben der intensiven Kooperation mit gleichgesinnten Verbänden im In- und Ausland die umfassende Weiterbildung der ATICOM-Mitglieder. So werden kontinuierlich berufsspezifische Seminare und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen angeboten, wie z. B. Marketing, Kundenbindung, Preiskalkulation, Steuerrecht, Gerichtsdolmetschen, HTML und elektronische Medien.

ATICOM wurde im August 2002 als Vollmitglied in den Weltverband FIT aufgenommen und wirkt seitdem aktiv in verschiedenen Gremien der Dachorganisation mit.

www.aticom.de

[Text: Sabine Milowan. Quelle: Pressemitteilung ATICOM, 01.03.2012. Bild: ATICOM.]

Das GDolmG muss weg