„Hauptsach gudd gess“: Wissenschaftler erforschen Saarländisch

„Schwätze, wie ännem de Schnawwel gewachs’ iss“ – das brauchen die Forscher der Universität des Saarlandes. Christian Ramelli (Bild rechts), Mitarbeiter der Abteilung Neuere Deutsche Sprachwissenschaft, nimmt seit einiger Zeit den saarländischen Dialekt von Heinz Becker, seit dem Jahre 1982 die wichtigste Figur des Kabarettisten Gerd Dudenhöffer, unter die Lupe.

Im Juni suchten die Sprachwissenschaftler der Universität Saarbrücken dialektsichere Testpersonen. Die Resonanz war riesig. Bisher wurden mehrere tausend Fragebögen online ausgefüllt. Es ging unter anderem um die Frage, wie sich Saarländisch von der Mundart unterscheidet, die in Luxemburg und Rheinland-Pfalz gesprochen wird.

„Das eigentliche Saarländisch gibt es ja nicht“, sagt Christian Ramelli. Von Nord-Ost nach Süd-West laufe die dat-das-Linie durchs Land. Sie trennt das Moselfränkische vom Rheinfränkischen, das ebenfalls in Rheinland-Pfalz und Teilen von Hessen verbreitet ist. Der Forscher interessiert sich nun konkret dafür, wie sich der Dialekt von Ort zu Ort verändert.

Im Fragebogen sollten die Teilnehmer standarddeutsche Sätze in ihren Dialekt übersetzen und aufschreiben. „Ich habe den Hund gebadet“ heißt dann zum Beispiel „Ich hann de Hund gebaad.“ Interessant sind in diesem Kontext auch die saarländischen Versionen von „In Schottland wird wieder nach Gold gegraben“ oder „Der gekaufte Eierlikör schmeckt auch nicht schlechter als der selbst gemachte“.

„Saarländer haben einen starken Bezug zu ihrem Dialekt“, so der Germanist Ramelli. Etwa 95 Prozent hätten bei einer Umfrage erklärt, Saarländisch zu sprechen. Während Dialekt früher als „schlechtes Deutsch“ empfunden wurde, habe sich das Image nun gewandelt. „Ein Dialekt ist wie eine Zweitsprache und hat beispielsweise eine eigene Grammatik“, erklärt Ramelli. An der Saar habe das Französische bis heute seine Spuren hinterlassen. So sagt ein frierender Saarländer „Ich habe kalt“ – angelehnt an das französische „J’ai froid“.

Im Fokus steht auch die markante Nutzung der Verben. Gerade diese werden im Saarland  nämlich in typischer Weise gekürzt. „Wir wollen mehr über die Endungen des Partizips erfahren, warum diese hier in der Region in solchen Formen wie gelest, geruft und geschloft auftreten», führt Ramelli aus.

Laut Ramelli ist es für Dialekte charakteristisch, ganze Silben zu verschlucken. Dies ist auch bei dem vielleicht bekanntesten saarländischen Spruch „Hauptsach gudd gess“ der Fall. „Sprechen ist anstrengend, daher kürzen Dialektsprecher gerne ab“, sagt Sprachwissenschaftler.

Der Kabarettist und Autor Günther Hussong berichtet, die Saarländer sprächen einen eher gemütlichen Dialekt, für den zum Teil kurze Wörter genügen. Das verdeutlicht das folgende Beispiel für eine Begrüßung zwischen Saarländern: „Un?“ („Guten Tag, wie geht es Dir?“), „Jo. Un selbst?“ (Danke gut, wie geht es Dir?), „’s muss“ („Danke, soweit alles in Ordnung“).

Trotz allem macht sich Hussong um seinen Dialekt Sorgen. „Die Verarmung der Sprache betrifft nicht nur das Hochdeutsche.“ Sogar bei Auftritten vor Saarländern könne er oft nur rund 30 bis 40 Prozent der Wörter aus seinem Mundartlexikon benutzen – „der Rest geht vergessen“.

Die ersten Ergebnisse der Dialekt-Forschung sollen auf dem Jahrestreffen der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie Mitte September 2012 in Kiel präsentiert werden.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: focus.de, 03.07.2012; fr-online.de, 03.07.2012; sr-online.de, 03.07.2012. Bild: uni-saarland.de.]