EU: Es fehlt an britischen Übersetzern

In der Europäischen Union werden derzeit 23 Sprachen als Amtssprachen anerkannt. Sämtliche Dokumente, sind es Beschlüsse oder auch Vorlagen, müssen in diese Sprachen übertragen werden. Allein in der Europäischen Kommission sind 2500 Sprachmittler beschäftigt. Nach Angaben von Andrea Dahmen vom Übersetzerdienst seien im Jahr 2011 rund 2,2 Millionen Seiten übersetzt worden. Tendenz steigend, und da beginnen die Probleme.

Doch in der belgischen Hauptstadt werden gute Übersetzer rar – vor allem fehlt es an Briten. Seitdem in Großbritannien der obligatorische Fremdsprachenunterricht abgeschafft wurde, hat das Interesse für andere Sprachen auf der Insel extrem abgenommen. Es gibt also kaum Nachwuchs. Der Arbeitsdruck der aktuellen britischen Muttersprachler wächst. Darüber hinaus sind diese nur schwer zu ersetzen, wenn sie in Rente gehen.

Insgesamt betrachtet kann man sagen, dass das Interesse an Fremdsprache in der EU zwar stabil ist, die Mehrheit der Jugendlichen in den nordischen Ländern ist jedoch der Ansicht, dass es genügt, neben der eigenen Sprache nur noch Englisch zu erlernen. Beim Übersetzerdienst wird man jedoch erst eingestellt, wenn man mindestens zwei Fremdsprachen beherrscht.

Die deutsche Sprache sei in den Institutionen der Europäischen Union gut vertreten, allerdings lassen bei deutschen Bewerbern die Beherrschung der Muttersprache gelegentlich etwas zu wünschen übrig, erklärt Andrea Dahmen. Das ist vor kurzem auch den Bundestagsabgeordneten aufgefallen, die sich darüber beschwerten, dass ihnen aus Brüssel schlechte Übersetzungen europäischer Vorlagen zugingen.

Zudem gibt es noch ein weiteres Problem: Die EU konkurriert mit der Wirtschaft um professionelle Übersetzer. Das ist jedoch ein Wettbewerb, den die Europäische Union nicht gewinnen kann. Denn insbesondere auf dem Markt der erfahrenen Übersetzer mit Spezialwissen wie Ingenieuren kann die EU nicht mithalten.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: sueddeutsche.de, 08.08.2012. Bild: Archiv.]

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