Hemingway-Übersetzer Werner Schmitz über seine Arbeit: „Aus zwei Sätzen macht man da einen“

Ernest Hemingway
Ernest Hemingway beim Schreiben in einem Zelt in Kenia (ca. 1953). - Bild: Look Magazine (gemeinfrei)

Im Jahr 2011 wurde Werner Schmitz mit dem Rowohlt-Übersetzerpreis für seine Übersetzungen zeitgenössischer amerikanischer Literatur ausgezeichnet, vor allem für seine Übertragung der Romane Paul Austers. Schmitz hat auch Werke von Philip Roth, John LeCarré und Martin Amis etc. ins Deutsche übertragen.

Darüber hinaus übersetzt der im niedersächsischen Celle lebende Schmitz seit fast dreiβig Jahren Bücher von Ernest Hemingway. In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung berichtet er über seine Arbeit an dessen Texten.

Auf die Frage, was aus der Sicht eines Literaturübersetzers das Knifflige an den Werken ist, antwortet er:

Die Sprache ist bei Hemingway sehr individuell. Ich kenne überhaupt niemanden, der so schreibt wie er. Es ist eine grosse Herausforderung, im Deutschen einen Ton zu finden, der Hemingway entspricht. Das Problem ist, dass er viele Hauptsätze verwendet, meist kurze, knappe nebeneinandergestellte Aussagen. Wenn man das im Deutschen liest, klingt es, als würde ein kleines Kind erzählen. Man muss eine Balance schaffen, dass es sich im Deutschen auch „erwachsen“ anhört.

Laut Schmitz tendieren ältere deutsche Übersetzungen dazu, viel zu umschreiben und zu erläutern, wenn im Original Begriffe vorkommen, die in der deutschen Kultur so nicht vorhanden sind. Mittlerweile sei es jedoch üblich, nicht zwanghaft einen Begriff für die ausgangssprachliche Verwendungssituation zu finden, sondern beispielsweise einen Anglizismus zu verwenden – insbesondere, weil die amerikanische Kultur und Sprache in Deutschland vielen bekannt ist.

Über seine Arbeit an dem Buch Der alte Mann und das Meer berichtet Schmitz:

Ein Problem bei Der alte Mann und das Meer waren die Fachausdrücke aus der Fischerei, die sich auf Deutsch noch mehr nach Fachausdrücken anhören als im Original. Es sind aber oft umgangssprachliche Ausdrücke für Fische, Schildkröten oder Wetter und Angelgeräte. Das hat mir Kopfzerbrechen bereitet. Das Schwierigste aber war, den Ton so hinzubekommen, dass nicht der Eindruck entsteht, der alte Mann sei naiv oder dumm. Er ist lebensklug und erfahren in dem, was er tut, allerdings weiss er sonst nicht viel von der Welt.

Auf Englisch klingt das ganz und gar nicht dumm. Aber wenn man das eins zu eins auf Deutsch übersetzt, klingt es sehr einfältig, wie er denkt und spricht. Da muss man eingreifen und kann den englischen Satzrhythmus nicht beibehalten. Aus zwei Sätzen macht man da einen. Das sind alles Eingriffe, die den alten Mann intelligenter klingen lassen.

In dem Gespräch wird zudem auf Hilfsmittel wie Wörterbücher eingegangen, von denen der Übersetzer während seiner Arbeit Gebrauch macht. Darüber hinaus spricht Schmitz über sein Bild von Hemingway und Amerika.

Das komplette Interview können Sie auf der Website der Neuen Zürcher Zeitung abrufen.

Jessica Antosik

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