Der Wirtschaftskrise sei Dank: Spanier stürmen Deutschkurse in Goethe-Instituten

Goethe-InstitutIn Spanien gibt es vier Goethe-Institute: in Madrid, Barcelona, Granada und San Sebastián. Der dort angebotene Deutschunterricht ist beliebt wie nie zuvor. Seit 2010 sei die Nachfrage um 80 Prozent gestiegen, erklärte Dr. Berthold Franke, Leiter der Region Südwesteuropa. Auch in Portugal sei das Interesse an der deutschen Sprache sprunghaft gestiegen.

Ursache ist offenbar, dass wegen der Wirtschaftskrise junge Spanier auch in Deutschland nach Arbeit suchen. „Es besteht eindeutig ein Zusammenhang mit der Euro-Krise“, sagte Franke. „Wir sprechen ja mit unseren Kunden und stellen fest: Der Anstieg ist zurückzuführen auf junge, gut ausgebildete Menschen, die auf den deutschen Arbeitsmarkt blicken.“ Besonders beliebt seien berufsbezogene Sprachkurse. Hinzu komme, dass es auch deutsche Unternehmen gebe, die Pflegekräfte, Ärzte oder Ingenieure direkt in Spanien rekrutierten und ihnen noch vor Ort einen ersten Sprachkurs finanzierten.

In gewissem Sinne sei der Ansturm auf die Deutschkurse paradox, denn an den Schulen vieler südeuropäischer Länder werde kaum noch Deutschunterricht angeboten.

Die Arbeitslosigkeit in Spanien hat im Juni 2012 mit 24,6 % ein Rekordhoch erreicht. Bei Jugendlichen unter 25 Jahren ist jeder Zweite ohne Job. In Deutschland hingegen lag die Arbeitslosenquote mit 6,6 % so niedrig wie schon seit 20 Jahren nicht mehr. In einigen Branchen herrscht Fachkräftemangel. Verständlich, dass sich viele junge Menschen auf der iberischen Halbinsel bemühen, einen Arbeitsplatz in Deutschland zu finden. Dazu sind Deutschkenntnisse aber unerlässlich.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Spiegel Online, 2012-09-01; Goethe-Institut; Bundesagentur für Arbeit. Bild: Goethe-Institut.]

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