Lesetipp: „Der Symmetrielehrer“ von Andrej Bitow

Am 13. Oktober 2012 ist im Suhrkamp Verlag Der Symmetrielehrer des Autoren Andrej Bitow erschienen. Übersetzt wurde das Buch aus dem Russischen ins Deutsche von der mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Übersetzerin Rosemarie Tietze.

Gregor Ziolkowski vom Deutschlandradio schreibt in seiner Kritik zu Bitows Werk:

Das Buch gibt vor, die Übersetzung eines Romans aus einer fremden Sprache zu sein, welche allerdings nur aus dem Gedächtnis vollzogen wurde. Und auch in dem übersetzten Roman wird aus wieder anderen Werken zitiert. So mäandert der Leser durch eine skurril anmutende Ansammlung von Szenen mit oft sehr seltsamen Figuren. Das alles hat eine Bannkraft, die nicht auf Anhieb zu erklären ist.

Der Titel des Buches lässt annehmen, dass es sich um Geometrie und Spiegelbilder handelt. Der Symmetrielehrer tarnt sich jedoch als die Übersetzung eines Romans von einem gewissen A. Tired-Boffin, „The Teacher of Symmetry“, den wiederum Andrej Bitow „aus dem Ausländischen“ übersetzt haben will. Das Übersetzen geschah allerdings aus dem Gedächtnis, das bedeutet ohne Vorlage, da das Buch nicht auffindbar war.

Den Inhalt des Buches Der Symmetrielehrer fasst der Suhrkamp Verlag so zusammen:

Eine Gruppe Geologen sitzt bei schlechtem Wetter in der Taiga fest. Um die Zeit zu vertreiben, erzählt der Übersetzer A. B. ein „ausländisches“ Buch nach, das er nur halb verstanden hat und deshalb mit Erfindungen ausschmückt. Zehn Jahre später – das Buch ist verschollen, sein Inhalt lange vergessen – steht A. B. plötzlich ein Kapitel vor Augen, vollständig, wie eine Vision. Während sein Gedächtnis den Text speichert, wird das Ereignis, das die Vision ausgelöst hat, gelöscht. Aus dieser irritierenden Erfahrung erwächst Andrej Bitows Meisterwerk, in dem er sich den letzten Dingen des literarischen Daseins zuwendet: dem Verhältnis zwischen Autor und seinen Geschöpfen; der Schriftstellerexistenz, die Schuld und Schmerz zurücklässt; der Liebe, die dem Schreiben geopfert wird; und nicht zuletzt Russland „als Versuch Gottes, die Zeit durch den Raum zu ersetzen“.

Ziolkowski erklärt in Bezug auf die Metastrukturen im Buch, das heißt auf den Übersetzer im Buch und den des Buches:

Das Textgeschehen wird nicht übersichtlicher durch den Umstand, dass in den „übersetzten“ Textkapiteln zitiert wird aus Romanen eines dubiosen englischen Schriftstellers polnisch-italienischer Abstammung, der sich auffallend oft mit Russland beschäftigt, womöglich nicht ganz bei Verstand ist und als Fahrstuhlführer sein Dasein fristet. Hierzu gesellen sich Kommentare – als Fußnoten – des „Übersetzers“ Bitow, die ergänzt werden durch Fußnoten der – nun wirklichen – Übersetzerin Rosemarie Tietze.

Über den Autor

Andrej Bitow ist ein bedeutender sowjetisch-russischer Schriftsteller der Postmoderne. Er ist im Jahre 1937 in Leningrad geboren. Der studierte Geologe veröffentlicht seit 1959 Erzählungen, Essays, Romane und Reiseberichte. 1990 erhielt Bitow den russischen Puschkin-Preis. Mit dem Roman Das Puschkinhaus ist er im Jahr 1978 weltweit bekannt geworden. Bitow lebt heute in Moskau und St. Petersburg.

Andrej Bitow: Der Symmetrielehrer
Aus dem Russischen von Rosemarie Tietze
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
335 Seiten, 26,95 Euro
ISBN-13: 978-3518423295

[Text: Jessica Antosik. Quelle: suhrkamp.de; dradio.de, 7.11.2012. Bild: suhrkamp.de.]

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