Vorlass statt Nachlass für Europa-Universität Viadrina: Übersetzer Karl Dedecius stiftet Literaturarchiv

Karl Dedecius
1990 wurde Karl Dedecius (rechts) von Bundespräsident Richard von Weizsäcker in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet

Ohne ihn wäre dem deutschsprachigen Leser ein großer Teil polnischer und russischer Literatur verborgen geblieben: Karl Dedecius, geboren 1921 in Łódź, sowjetischer Kriegsgefangener, gelernter Versicherungsangestellter und mehrfacher Ehrendoktor zahlreicher Universitäten.

Über 60 Jahre lang hat er Klassiker der polnischen und russischen Literatur ins Deutsche übersetzt und zahlreiche Bände zur slawischen Literatur und zur Theorie des Übersetzens veröffentlicht.

Nun gründet der 92-Jährige die Stiftung Karl-Dedecius-Literaturarchiv an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder und überlässt ihr somit auch den zweiten Teil seines Vorlasses. Die Viadrina erhält damit die Nutzungsrechte an Teilen des literarischen Werkes von Karl Dedecius, einschließlich der darin enthaltenen Verlagsrechte an rund 200 Publikationen.

Die Stiftung „Karl-Dedecius-Literaturarchiv“ wird künftig in Kooperation mit der Robert-Bosch-Stiftung und dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt den „Karl-Dedecius-Preis für deutsch-polnische Übersetzer“ verleihen.

Bereits 2001 hatte die Europa-Universität Viadrina den ersten Teil des Vorlasses von Karl Dedecius erhalten und das am Collegium Polonicum in Słubice angesiedelte Karl Dedecius-Literaturarchiv gegründet, das seitdem das bisher überlassene Werk des Übersetzers pflegt.

Karl Dedecius ist der Europa-Universität seit vielen Jahren eng verbunden: Im Jahre 1999 war er der erste Preisträger des damals aus der Taufe gehobenen Viadrina-Preises. 2011 würdigten das Collegium Polonicum und die Europa-Universität Karl Dedecius mit einem Festakt zu seinem 90. Geburtstag und verliehen ihm die Ehrendoktorwürde der kulturwissenschaftlichen Fakultät der Viadrina.

1979 initiierte Karl Dedecius das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt, dessen Direktor er bis Ende 1997 blieb. Als sein Hauptwerk gilt neben der 50-bändigen Polnischen Bibliothek, einem Kanon, der 1982 bis 2000 im Suhrkamp Verlag erschien ist, das siebenbändige Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts (1996-2000).

Dedecius ist Träger zahlreicher in- und ausländischer Auszeichnungen, darunter des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, des Übersetzerpreises des New Yorker Polish Institut of Arts and Sciences, des Züricher Godlewski-Preises der Exilpolen und des Literaturpreises des polnischen Autorenverbandes.

Öffentlicher Festakt am 28.11.2013

Mit einem öffentlichen Festakt begeht die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) am Donnerstag, dem 28. November 2013, die Gründung der Stiftung „Karl-Dedecius-Literaturarchiv“. Ehrengäste sind der Stifter Prof. Dr. h. c. mult. Karl Dedecius und der Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung, Prof. Dr. Joachim Rogall.

Interessierte sind herzlich in den Logensaal der Europa-Universität Viadrina eingeladen. Logenstraße 11-12, Frankfurt (Oder). Um Anmeldung wird gebeten unter: registration@europa-uni.de

[Text: Europa-Universität Viadrina. Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 2013-11-15. Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F085868-0007, Wolfgang Lemmerz, CC-BY-SA.]

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