Rosenkrieg bei TransPerfect: Liz Elting und Philip Shawe verklagen sich gegenseitig – Unternehmen in Gefahr?

TransPerfect-Zentrale New York
Hier fliegen die Kaffeetassen: Die TransPerfect-Zentrale befindet sich im 39. Stock dieses Bürohochhauses an der New Yorker Park Avenue

Die New York Daily News berichten, dass sich die beiden Gründer und Chief Executive Officers (CEOs) des Sprachdienstleisters TransPerfect Translations International Inc., Elizabeth „Liz“ Elting (48) und Philip Shawe (44), gegenseitig verklagt haben. (Hier ein Foto der beiden auf der Website der Zeitung.)

Elting will Partner wegen Unberechenbarkeit aus Unternehmen drängen

Liz Elting hat Anfang Mai 2014 eine Klage mit dem Ziel eingereicht, Shawe aus dem gemeinsamen Unternehmen zu entfernen – wegen seines „increasingly erratic and dangerous behavior“.

Shawe habe eigenmächtig einzelnen Mitarbeitern Boni und Gehaltserhöhungen gewährt und den Personalchef bedroht. Außerdem habe er, so Elting, ihre privaten E-Mails gelesen, sie vom Zugriff auf die Facebook-Seite des Unternehmens ausgesperrt, mitten in der Nacht in betrunkenem Zustand Rundmails an die Mitarbeiter verschickt und weibliche Angestellte „angemacht“ und belästigt.

Shawe: „Ich wurde geschubst, geschlagen, getreten und mit heißem Kaffee übergossen“

Shawe wirft der stets elegant gekleidet auftretenden Elting im Gegenzug vor, ihm nachzustellen, ihn geschubst, geschlagen, mit High Heels getreten und mit Wasser und heißem Kaffee übergossen zu haben – als er ihr vorhielt, Firmengelder ohne Genehmigung abgehoben zu haben. (Hier ein Foto, das Liz Elting in ihrem Büro mit Blick über New York zeigt. Es erinnert ein wenig an den Kinofilm „Der Teufel trägt Prada“.)

„She has physically assaulted me on numerous occasions including incidences of kicking, pouring water on me and even intentionally dousing me with hot coffee“, so Shawe in einer eidesstattlichen Versicherung. Im Juni 2014 beantragte er deswegen am Manhattan Supreme Court eine einstweilige Verfügung gegen seine Geschäftspartnerin.

Eltings Anwalt hält den Vorwurf der körperlichen Gewalt für unglaubwürdig, denn seine Mandantin sei eine zierliche Person mit einem Körpergewicht von nicht einmal 50 kg: „SHE is the victim here. He created the scene. Then he seeks a restraining order based on what HE did.“

Shawe soll seine Geschäftpartnerin darüber hinaus im Bundesstaat Delaware verklagt haben. In der Steueroase an der Ostküste ist TransPerfect offenbar als Unternehmen registriert. Er wirft ihr vor, mehr als 21 Mio. US-Dollar Firmenvermögen aus dem Unternehmen abgezogen zu haben.

Früherer Familienrichter soll schlichten – Sorge um Zukunft des Unternehmens

Laut New York Post wurde von dem Gericht in Manhattan inzwischen ein früherer Familienrichter als Mediator eingeschaltet. Dieser soll sich um eine einvernehmliche Lösung des Konflikts bemühen, damit das Unternehmen als Ganzes erhalten bleibt und keinen Schaden nimmt. TransPerfect sei ein „marvelous success and should not be threatened in any way by the disputes“, so der Richter.

Shawe hält gemeinsame Zukunft für möglich. Für Elting kann es nur einen CEO geben – sie selbst

Nach den genannten Zeitungsberichten kann Philip Shawe sich trotz des Zerwürfnisses weiterhin eine gemeinsame unternehmerische Zukunft bei TransPerfect vorstellen. Liz Elting scheint diesbezüglich keine Hoffnung zu hegen. Sie will ihren Geschäftspartner möglichst schnell aus dem Unternehmen entfernen – notfalls per Gerichtsbeschluss.

Dies ist jedoch schwierig bis unmöglich, da ihm die Hälfte der Firma gehört und beide den Einstieg externer Investoren, die Shawe auszahlen könnten, bislang kategorisch ausgeschlossen haben.

Liz Elting treibende Kraft im Unternehmen?

Für externe Beobachter war Liz Elting stets die treibende Kraft im Unternehmen. Sie machte die PR, gab Interviews, nahm Termine auf Konferenzen wahr, war das Gesicht der Firma. Ob diese Dominanz in der Außendarstellung auch der Machtposition innerhalb des Unternehmens entspricht oder nur auf die bewusste Aufgabenteilung der beiden CEOs zurückzuführen ist, nach der sich Philip Shawe in erster Linie um die technischen Abläufe zu kümmern hatte, bleibt unklar.

Büro im 39. Stock ist schon seit 2013 „Kriegsgebiet“

Wie die New York Post weiter berichtet, sollen die Querelen 2013 begonnen haben, als die beiden Inhaber wegen Kleinigkeiten in Streit gerieten und vergeblich versuchten, die Anteile des jeweils anderen zu übernehmen und den Kontrahenten aus dem Unternehmen zu drängen.

Seitdem sei das Büro im 39. Stock von Park Avenue Nr. 3 „Kriegsgebiet“ („war zone“), so der Anwalt von Liz Elting.

Vom Zwei-Personen-Büro zu 3.000 Mitarbeitern und 400 Mio. USD Umsatz

TransPerfect wurde 1992 in New York aus dem Studentenheim heraus von Elting und Shawe gegründet. Das Wachstum wird bis heute ausschließlich aus eigenen Mitteln finanziert – ohne Investoren, Fremdbeteiligungen oder Risikokapital.

Die beiden Geschäftsführer lebten viele Jahre auf studentischem Niveau und zahlten sich selbst nur ein minimales Gehalt von jeweils 9.000 US-Dollar – nicht pro Monat, sondern pro Jahr. Alle Gewinne wurden umgehend in die Weiterentwicklung der Firma gesteckt.

Übernahmeangebote erhält Elting nach eigenen Angaben praktisch jede Woche. Sie wurden und werden aber konsequent abgelehnt. Stattdessen hat TransPerfect selbst im Lauf der Jahre insgesamt 10 kleinere Unternehmen geschluckt, darunter Alchemy Software Development (Entwickler des Lokalisierungswerkzeugs Alchemy CATALYST, Irland), ArchiText (USA) und Overtaal Language Services (Niederlande).

Heute ist das Unternehmen mit 400 Mio. US-Dollar Umsatz und Wachstumsraten von 30 Prozent pro Jahr einer der größten Sprachdienstleister der Welt und nach eigener Aussage der weltweit größte in privater Hand.

In Deutschland betreibt die TransPerfect Translations GmbH fünf Standorte und liegt laut UEPO 300 auf Platz 16 der 300 größten deutschen Übersetzungsbüros.

TransPerfect beschäftigt annähernd 3.000 Angestellte in 85 Niederlassungen in 30 Ländern. Pro Jahr werden rund 50.000 Übersetzungsprojekte abgewickelt. Hauptsitz war von Anfang an New York.

Verliebt, verlobt, zerstritten

Elting und Shawe hatten sich 1991 im gemeinsamen Master-Studium an der Stern School of Business der New York University kennen und lieben gelernt. Zuvor hatte Elting einen BA in „Modern Languages and Literatures“ am Trinity College erworben. Einst war das Paar sogar verlobt und plante die Heirat, aber mit dem geschäftlichen Erfolg ging die Liebe verloren. „Our personal relationship ended before marriage“, so Liz Elting. Aber: „We have remained successful business partners for the past 22 years.“

Einzelübersetzer kritisieren niedrige Honorare und späte Bezahlung

TransPerfect ist durch sein hohes Übersetzungsvolumen ein bedeutender Auftraggeber für Einzelübersetzer. Diese beklagen in Online-Foren jedoch seit Jahren die für Großbüros typischen niedrigen Honorare und das Zahlungsverfahren.

TransPerfect bezahlt alle freien Mitarbeiter 45 Tage nach Eingang der Rechnung von New York aus per Scheck, obwohl das Unternehmen Niederlassungen und Landesgesellschaften in 30 Ländern betreibt. (In Deutschland als TransPerfect Translations GmbH.) Der Scheck kommt selbst dann aus New York, wenn eine der deutschen Niederlassungen einen in Deutschland lebenden Übersetzer beauftragt.

Durch den Postversand verlängert sich die Zahlungsfrist um bis zu eine Woche. Die Einlösung der Schecks außerhalb der USA ist für die Übersetzer mit erheblichen Bankgebühren verbunden (10 bis 20 Euro).

Die Abrechnung in US-Dollar birgt außerdem ein Wechselkursrisiko, das sich spürbar bemerkbar machen kann. So legte der US-Dollar in den Jahren 2000 bis 2010 eine Berg- und Talfahrt hin und schwankte zwischen 1,47 Euro und 90 Cent. Bei gleichbleibendem Wortpreis hatten europäische Übersetzer dadurch in der Schwächephase des Dollars ein Drittel weniger im Portmonee.

www.transperfect.de

[Text: Richard Schneider. Quelle: New York Daily News, 2014-06-17; New York Post, 2014-06-27. Bild: ButtonwoodTree, Lizenz: CC BY-SA 3.0 (Wikipedia).]

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