Berufsziel Übersetzer: Bietet der Studienführer der “Zeit” Orientierung?

Studienführer der Zeit

Studienführer Zeit 2018Alljährlich im Spätsommer liegt im Zeitschriftenhandel der Studienführer der Wochenzeitung Die Zeit aus, nach eigenen Angaben “Die Nr. 1 für die Studienwahl” (300 Seiten, 8,95 Euro).

Welche Möglichkeiten werden darin jungen Menschen aufgezeigt, die Übersetzer oder Dolmetscher werden wollen?

In der Rubrik “Sprache und Kultur” heißt es unter dem Stichwort “Translation” (Seite 263):

Wer später Übersetzer werden möchte, lernt im Studiengang Translation das nötige Handwerkszeut, um für Verlage, in Parlamenten, bei Gerichten, im Tourismus oder in internationalen Unternehmen zu arbeiten. Dafür muss man auch kulturelle Zusammenhänge und Fachausdrücke kennen.

Translation kann man an den Universitäten in Mainz und Leipzig studieren. Die Uni Heidelberg bietet Übersetzungswissenschaft sowie Translation Studies for Information Technologies an – ein Bachelor, der auf Ingenieurthemen spezialisiert ist. An der Hochschule München gibt es zwei Übersetzungsstudiengänge, beide mit einem Schwerpunkt auf Chinesisch. Achtung: Für angehende Dolmetscher gibt es teilweise eigene Studiengänge.

Unter dem Stichwort “Computerlinguistik” finden sich nur recht allgemein gehaltene Hinweise (“Das Fach wird mittlerweile an zahlreichen Unis angeboten.”).

Bei “Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften” wird auf die TU Dresden sowie die Unis in Dortmund (Angewandte Literatur- und Kulturwissenschaften), Trier (“Antike Welt: Archäologie, Sprachen und Kulturen”), Marburg und Köln verwiesen.

Ein eigener Eintrag ist den “Deaf Studies” gewidmet:

Wer später mit gehörlosen, ertaubten oder schwerhörigen Menschen arbeiten will, lernt in diesem Studiengang an der HU Berlin vor allem die Deutsche Gebärdensprache. […] Wer später am liebsten unterrichten möchte, findet unter Sonderpädagogik oder Inklusive Pädagogik weitere Studiengänge.

Interessant sind auch die folgenden Punkte:

Europäische Minderheitensprachen: Spanier und Katalanen, Iren und Briten – unterschiedliche Sprachen und Kulturen nebeneinander führen oft genug zu Konflikten. Absolventen des Studiengangs Europäische Minderheitensprachen in Leipzig sollen später einmal vermitteln können, zum Beispiel als Übersetzer, als Museumsmitarbeiter oder auch in Kulturinstituten.

Angewandte Wirtschaftssprachen: Die Hochschule Bremen kombiniert Wirtschaftsfächer mit Kulturräumen und Sprachen. Zur Wahl stehen Japanisch, Chinesisch oder die arabische Welt. Daneben ist Wirtschaftsenglisch für alle verpflichtend sowie ein Studien- und Praxisjahr im Ausland. Deshalb dauert dieser Bachelor acht Semester. Ein ähnlicher Studiengang wird mit Kulturwissenschaft an der Uni Passau angeboten. Dort stehen sogar sieben Kulturräume zur Wahl.

Angaben im Heft spartanisch und unvollständig

Im gedruckten Heft fallen die Informationen zu echten Übersetzerstudiengängen recht spartanisch und unvollständig aus. Nur auf zwei von 300 Seiten finden sich Informationen für künftige Sprachmittler.

Umfassende Infos zu mehr als 40 Übersetzerstudiengängen online

Allerdings wird im Heft zur weiteren Recherche auf die Zeit-eigene “Suchmaschine für Studiengänge” verwiesen, “Deutschlands umfassendste Studiengangsdatenbank”. Diese kann unter der folgenden Adresse aufgerufen werden:

Sucht man dort nach dem Stichwort “übersetzen”, sieht das Angebot schon sehr viel umfangreicher aus: Es werden 41 Studiengänge aufgelistet. Beim Stichwort “dolmetschen” sind es 21.

Studiengangsdatenbank der Zeit
Diese und 21 weitere Studiengänge für Übersetzer listet die Studiengangsdatenbank der Zeit auf.

Heft in Verbindung mit Online-Datenbank durchaus hilfreich

Sprachinteressierte, die nicht Lehrer werden wollen, haben durch das Heft in Verbindung mit der Studiengangsdatenbank durchaus die Möglichkeit zu erkennen, dass spezielle Studiengänge für Übersetzer und Dolmetscher existieren – und zwar gar nicht so wenige.

Hoffen wir, dass die Zahl derer, die aus Unkenntnis und Verlegenheit erst einmal Anglistik oder Romanistik studieren, dadurch geringer bleibt als in früheren Generationen.

[Text: Richard Schneider. Bild: Die Zeit.]