“Weltliteratur wird von Übersetzern gemacht” – Außenminister Heiko Maas zitiert Saramago

Heiko Maas bei Eröffnung Frankfurter Buchmesse
Heiko Maas (links) nach der Eröffnungsfeier beim Rundgang durch den Ehrengast-Pavillon Norwegens mit dem norwegischen Kronprinzenpaar. - Bild: Bernd Hartung / FBM

Erstaunlich bewandert in der Welt der Übersetzer zeigte sich der deutsche Außenminister Heiko Maas am 15.10.2019 bei der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse am Vorabend des ersten Messetages.

So zitierte er den portugiesischen Literaturnobelpreisträgers José Saramago, der bekanntlich gesagt hat: „Der Autor schafft mit seiner Sprache nationale Literatur, die Weltliteratur wird von Übersetzern gemacht.“ Außerdem lobte der studierte Jurist den Literaturübersetzer Hinrich Schmidt-Henkel, der „viele norwegische Bücher großartig übersetzt“ habe.

Bekenntnis zur Förderung der Literaturübersetzung – zurzeit 3 Mio. Euro pro Jahr

Darüber hinaus bekannte sich Maas zur staatlichen Förderung der Literaturübersetzung. Diese sei eine „ganz zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe“. Norwegen sei dabei Vorbild und Ansporn. Es solle „noch mehr deutschsprachige Literatur“ übersetzt werden.

Das Außenministerium ist in diesem Bereich tatsächlich seit Jahrzehnten aktiv und finanziert auf der Frankfurter Buchmesse den Stand „Weltempfang“ als „Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung“ (auf der Leipziger Buchmesse das „Café Europa“).

Auf der Website des Ministeriums heißt es: „Das Auswärtige Amt kooperiert mit verschiedenen Akteuren der Literatur- und Übersetzungsförderung in Deutschland und finanziert diese 2019 mit insgesamt ca. 3 Millionen Euro.“ Kooperationspartner sind zum Beispiel Goethe-Institut, Literarisches Colloquium, Haus für Poesie, Litprom und TRADUKI.

Lesen als revolutionärer Akt: Übersetzungen bringen Blasen zum Platzen

Maas sagte in seiner knapp zehnminütigen Rede unter anderem (Hervorhebungen von UEPO):

[…] es ist höchste Zeit, dass auch wir Hochschauen von unseren Smartphones. Den Blick weiten, statt ihn auf die Größe eines Displays zu verengen. Dass wir diskutieren, widersprechen, querdenken und auch streiten. Dass wir rauskommen aus unserer Konsens-Komfortzone. Denn sie ist auch nichts anderes als eine Blase.

Meine Damen und Herren, die Buchmesse ist ein guter Ort, um darüber zu reden. Weil ich glaube, dass Sie, als Autorinnen, Verleger, Übersetzerinnen, eine ganz zentrale Rolle dabei spielen, uns aus unseren Blasen herauszuholen. Literatur eröffnet nicht nur ästhetische Freiräume. Sie erschließt uns neue Welten und andere Sichtweisen. […]

Literatur, so hat es Hinrich Schmidt-Henkel einmal beschrieben, der übrigens viele norwegische Bücher großartig übersetzt hat, sei die „Stimme des Sprachkünstlers, die im Erzählen einen ganz bestimmten Blick auf die Welt eröffnet und eine Haltung deutlich macht“. […] So paradox es klingen mag: Lesend verlassen wir die Blase.

Wenn Literatur das Zeug hat, unsere Blasen zum Platzen zu bringen, dann wird Lesen in der Tat zum revolutionären Akt. Deshalb ist es auch keine rein kulturpolitische Diskussion, ob und wie wir Literatur und mit ihr auch Autoren und Übersetzer fördern. Sondern es ist eine ganz zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe.

Norwegen, meine Damen und Herren, setzt auf die Kraft der Literatur. […] Wie in kaum einem anderen Land wird dort der Export von Literatur gefördert. Auch deshalb ist Norwegen eine glückliche Wahl als Gastland der Frankfurter Buchmesse. Es ist uns Vorbild und Ansporn – dafür zu sorgen, dass auch noch mehr deutschsprachige Literatur übersetzt wird.

Denn Sie, lieber Erik Fosnes Hansen, haben im Vorfeld der Buchmesse völlig zu Recht gesagt: „Ohne Übersetzer gäbe es keine Weltliteratur.“ Und es gäbe weniger Verständigung, denn dafür muss man sich erst einmal verstehen können und als Außenminister weiß ich, wovon ich spreche. […]

[Text: Richard Schneider. Quelle: Bundesministerium des Äußeren.]