Wolfenbüttel viral: VdÜ organisiert virtuelle Veranstaltungsreihe für Literaturübersetzer

Wolfenbüttel viral
Bild: UEPO

Wie schon im Vorjahr wird auch 2021 die unter der Bezeichnung Wolfenbütteler Gespräch bekannte Jahrestagung des Literaturübersetzerverbandes VdÜ ausfallen müssen, weil die behördlichen Vorschriften zur Eindämmung der Pandemie keine Großveranstaltungen zulassen.

Das jetzt nun schon zweimal verschobene 17. Wolfenbütteler Gespräch soll erst im kommenden Jahr wieder in gewohntem Rahmen vom 24. bis 26. Juni 2022 in Niedersachsen vonstatten gehen.

VdÜ-LogoAls Ersatz hat sich der Verband jedoch etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine auf drei Mittwochabende verteilte virtuelle Tagung unter der Bezeichnung Wolfenbüttel viral. Das Format soll auch Gelegenheiten zu Treffen in kleinerem Kreis, zum Auffrischen von Bekanntschaften und zum Kennenlernen neuer Kolleginnen und Kollegen bieten.

Drei Abende, ein Thema: Literatur und ihre Übersetzung

(1) Mittwoch, 14. April 2021: Vortrag mit Diskussion

  • 18:45 – 19:15 Uhr: Ankommen im virtuellen Raum
  • 19:15 Uhr: Technische Einführung für Interessierte
  • 19:30 Uhr: Begrüßung durch Maria Hummitzsch, 2. Vorsitzende des VdÜ
  • Anschließend Vortrag „Die literarische Stimme“ von Frank Heibert mit Diskussion.
  • Zum Tagesausklang bis 22:00 Uhr digitale Geselligkeit in kleinen und größeren Gruppen „vor der Mühle“.

(2) Mittwoch, 21. April 2021: Lesefest der Liebe

  • 18:45 – 19:15 Uhr: Technische Einführung für Interessierte
  • Ab 19:15 Uhr: Ankommen im virtuellen Raum
  • Ab 19:30 Uhr: „Das digitale Lesefest der Liebe“ in verschiedenen virtuellen Räumen, organisiert von Maria Meinel und Birgit Schmitz
    Auch das traditionelle Lesefest wird 2021 in digitaler Form stattfinden. Spezielle technische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, wohl aber die Bereitschaft, live auf einer Internetplattform aufzutreten. Teilnehmer sollen dabei ausgewählte Passagen von maximal zehn Minuten Dauer aus eigenen Übersetzungen vortragen. In der Ankündigung heißt es:

„Schmetterlinge? Rosa Brille? Paartherapie? Unser Thema für 2021 ist die Liebe, unser stärkstes Gefühl der Zuneigung, der Verbundenheit und der Wertschätzung. Die Liebe in all ihren Facetten und Ausprägungen. Elternliebe, Geschwisterliebe, Partnerschaft, Selbstliebe, Freundesliebe, Nächstenliebe. Die erwiderte Liebe wie die unerwiderte, die glückliche wie die unglückliche, die körperliche wie die platonische. Was fühlen wir, wenn wir lieben? Sind wir leidenschaftlich, spielerisch, tapfer, treu, versponnen, schüchtern, anhänglich, vergeistigt, völlig von Sinnen? Scheuen wir enge Bindungen? Klammern wir? Geben wir uns hin oder auf? Wie erleben wir uns selbst und das Gegenüber? Alles Romantik, oder was? Geht da noch was? Swinger, Stalker, Konkubinen – wir wollen die ganze Palette.“

  • Anschließend bis 22:00 Uhr: Digitale Geselligkeit in kleinen und größeren Gruppen „vor der Mühle“.

(3) Mittwoch, 28. April 2021: Podiumsdiskussion, Übergabe Hieronymus-Ring

  • 18:45 – 19:15 Uhr: Technische Einführung für Interessierte
  • Ab 19:15 Uhr: Ankommen im virtuellen Raum
  • 19:30 Uhr: „Über die Bande“ – Ulrike Draesner diskutiert mit ihrem Englischübersetzer Iain Galbraith über Gewinne und Verluste beim Übersetzen von Poesie.
  • Ca. 20:30 Uhr: Übergabe des Hieronymus-Rings von Marianne Gareis an Heike Flemming.
  • Anschließend bis 22:00 Uhr: Digitale Geselligkeit in kleinen und größeren Gruppen „vor der Mühle“.

Online-Galerie der in pandemischen Zeiten erschienenen Übersetzungen

Sie sollen nicht untergehen und vergessen werden, die in den vergangenen eineinhalb Jahren erschienenen Übersetzungen. Durch die Absage der Buchmessen in Leipzig und Frankfurt sowie ausgefallene Lesereisen konnten neue Titel nicht wie üblich öffentlichkeitswirksam präsentiert und beworben werden. Viele interessante Werke dürften dadurch dem Lesepublikum verborgen geblieben sein.

Deshalb organisiert der VdÜ vom 14. bis 28. April eine Online-Galerie dieser nicht vorgestellten Übersetzungen. Die Verbandsmitglieder sind aufgerufen, auf einer eigens eingerichteten Plattform ihre neuesten Übersetzungen mit Titelseite und kurzem Begleittext vorzustellen. Dadurch soll ein buntes Mosaik der literarischen Übersetzungen in Zeiten der Pandemie entstehen.

Belegexemplare-Wichteln

Verlage überreichen ihren sprachbewanderten freien Mitarbeitern stets mehrere Belegexemplare einer druckfrischen Übersetzung. Die werden in der Regel im Freundes- und Familienkreis mit Widmung verschenkt, liegen aber oft genug jahrelang im Regal und stauben zu.

Das vom 14. bis 28. April begleitend zu Wolfenbüttel viral stattfindende Belegexemplare-Wichteln bietet die Gelegenheit zu einer sinnvollen Entsorgung überzähliger Exemplare bei gleichzeitiger Einheimsung neuen Lesestoffs. Wer keine Belegexemplare mehr auf Lager hat, darf auch ein Lieblingsbuch verschenken.

Jeder Teilnehmer erhält die Adresse eines anderen zugelost, an die er dann per Post sein Belegexemplar schickt.

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Nachtrag 15.04.2021: Nach Angaben des VdÜ haben sich 339 Interessierte für die Veranstaltungsreihe Wolfenbüttel viral angemeldet. Ein schöner Erfolg, denn zur Präsenzveranstaltung Wolfenbütteler Gespräch erscheinen typischerweise nur rund 250 Literaturübersetzer. Den Vortrag „Die literarische Stimme“ von Frank Heibert haben am ersten Abend in der Spitze 247 Zuschauer live verfolgt.

Richard Schneider

Babbel