Minus 6,5 Prozent: Zahl der Literaturübersetzungen 2020 deutlich zurückgegangen

Alexander Skipis
Alexander Skipis präsentierte in Frankfurt auf der Wirtschaftspressekonferenz die Jahresstatistik des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. - Bild: Screenshot

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat am 8. Juli 2021 auf seiner alljährlichen Wirtschafts-Pressekonferenz die Jahresstatistik der Branche für das Jahr 2020 und die Halbjahresbilanz 2021 präsentiert. Die Auswertung enthält auch detaillierte Angaben zur Art und Zahl der Literaturübersetzungen.

Überraschend starker Einbruch bei Übersetzungen ins Deutsche

Die Zahl der Literatur-Übersetzungen ins Deutsche ist im Corona-Jahr 2020 deutlich um 6,5 Prozent auf 9.164 Werke zurückgegangen.

Die Lizenzverkäufe ins Ausland, aus denen Übersetzungen aus dem Deutschen in verschiedene Fremdsprachen resultieren, verzeichneten hingegen nur einen leichten Rückgang von 1,9 Prozent auf 7.597 Werke.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, kann über die Ursachen nur spekulieren: „Wir wissen nicht, warum. Das ist aller Wahrscheinlichkeit nicht Pandemie-bedingt. Möglicherweise hat es damit zu tun, dass Messen nicht stattfanden und der Lizenzhandel nicht so richtig im Laufen war.“

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Der Anteil der Übersetzungen an den Erstauflagen ging von 13,9 auf 13,2 Prozent zurück. Insgesamt erschienen im Jahr 2020 9.164 übersetzte Titel aus anderen Sprachen (2019: 9.802) neu auf dem deutschen Buchmarkt.

Buchmarkt 2020, Übersetzungen
Englisch, Französisch und Japanisch sind unverändert die häufigsten Ausgangssprachen bei Literaturübersetzungen ins Deutsche. Die wichtigsten Zielsprachen sind Chinesisch, Türkisch und Russisch.

Übersetzungen (Erstauflagen) ins Deutsche nach Sachgruppen 2020

Übersetzungen nach Sachgruppen 2020
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Übersetzungen nach Sachgruppen 2020
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Übersetzungen nach Sachgruppen 2020
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Übersetzungen nach Sachgruppen 2020
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Lizenzvergabe ins Ausland

Lizenzverkäufe ins Ausland
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Der Lizenzverkauf ins Ausland ging mit 7.595 Titeln und einem Minus von 1,9 Prozent ebenfalls etwas stärker zurück als in den Vorjahren (2019: -1,2 Prozent, 2018: -0,2 Prozent).

Die wichtigsten Zielsprachen bei der Übersetzung deutscher Literatur waren im Jahr 2020:

Zielsprachen Übersetzungen
Bild: UEPO

In absoluten Zahlen:

  1. Chinesisch (1.543 Werke)
  2. Türkisch (612)
  3. Russisch (565)
  4. Koreanisch (415)
  5. Italienisch (367)
  6. Englisch (354)
  7. Spanisch (333)
  8. Tschechisch (307)
  9. Französisch (254)
  10. Rumänisch (251)

Auf alle anderen Sprachen entfallen 2.596 Werke der insgesamt 7.597 ins Ausland verkauften Lizenzen.

Lizenzvergabe ins Ausland nach Sprachen (Top 10) und Warengruppen 2020
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Lizenzvergabe ins Ausland nach Sprachen (Top 10) und Warengruppen 2020
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Lizenzvergabe ins Ausland nach Sprachen (Top 10) und Warengruppen 2020
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Online-Geschäft der Buchhandlungen wächst um 20,9 Prozent

Nachdem die Buchhandlungen 2020 in den meisten Bundesländern je nach Region rund vier Wochen im Frühjahr sowie zwei Wochen im Dezember geschlossen hatten, dauerte der Shutdown im Frühjahr 2021 fast doppelt so lange. Lediglich in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt waren die Buchhandlungen in dieser Zeit geöffnet, zudem war je nach Region nicht durchgehend Click & Collect erlaubt.

Daher ist nach dem ersten Halbjahr 2021 der Rückstand vor allem im Sortimentsbuchhandel groß: Das Geschäft vor Ort liegt um 22,9 Prozent unter dem Umsatz der ersten sechs Monate des Vor-Corona-Jahres 2019. Über alle Absatzwege (u. a. inkl. Online-Geschäft), sieht die Halbjahresbilanz besser aus: Gegenüber dem Zeitraum Januar bis Juni 2019 liegt der Umsatz hier um 3,7 Prozent im Rückstand.

Das Online-Geschäft wächst um 20,9 Prozent und macht im Corona-Jahr 2020 rund ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Das Geschäft in der Buchhandlung vor Ort bleibt stärkster Absatzweg, verzeichnet aber Einbußen von 9,0 Prozent.

Umsatz bleibt stabil bei 9,3 Milliarden Euro

In der Umsatzbilanz der Buchbranche führte die große Nachfrage nach Büchern trotz wochenlanger Ladenschließungen 2020 zu einem stabilen Ergebnis von 9,30 Milliarden Euro (2019: 9,29 Milliarden Euro). Der stationäre Buchhandel blieb mit 3,90 Milliarden Euro und einem Anteil von 42,0 Prozent der größte Vertriebsweg für Bücher. Allerdings lag das Geschäft vor Ort um 9,0 Prozent hinter dem Vorjahr zurück.

Starke Zuwächse verzeichnete hingegen der Umsatz des Internet-Buchhandels, von dem etwa die Hälfte auf die Online-Shops der stationären Händler entfällt: Die Umsätze stiegen um 20,9 Prozent von 1,86 auf 2,24 Mrd. Euro. Der Umsatzanteil des Internetbuchhandels am Gesamtmarkt lag damit 2020 bei 24,1 Prozent (2019: 20,0 Prozent).

Online-Umsatz der Buchhandlungen wächst viermal stärker als bei Amazon

Ein Blick auf den Publikumsbuchmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) zeigt: Der Buchhandel vor Ort hat beim Online-Geschäft am deutlichsten zugelegt. Mit 27,2 Prozent lag die Zuwachsrate bei den buchhändlerischen Webshops fast viermal so hoch wie bei Amazon mit 7,2 Prozent.

Zwar konnten die Buchhandlungen ihre Online-Umsätze deutlich steigern, durch höhere Prozesskosten und deutliche Einbußen im stationären Geschäft sind sie aber wirtschaftlich stark belastet.

Schlechte Zeiten für Reisebücher: minus 26,1 Prozent

Zwischen den Buchgenres gab es jedoch große Unterschiede: Während Kinder- und Jugendbücher mit +4,7 Prozent neben „Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik“ als einzige Warengruppe im Plus lagen, brach der Umsatz mit Reisebüchern um 26,1 Prozent ein. Der Umsatz mit Belletristik (-1,6 Prozent) und Sachbüchern (-1,3 Prozent) lag etwas unter Vorjahr.

Zahl der Erstauflagen ging leicht zurück: minus 1,7 Prozent

Die Zahl der Erstauflagen der Verlage ging von 70.395 (2019) auf 69.180 (2020) zurück; das entspricht einem Minus von 1,7 Prozent, etwas höher als in den Vorjahren. In der Belletristik – mit einem Anteil von 20,1 Prozent an allen Neuerscheinungen die wichtigste Kategorie – war der Rückgang mit 4,0 Prozent etwas deutlicher.

Weiterführender Link

Börsenverein, rs