Françoise Sorel gewinnt Apollinaire-Übersetzungswettbewerb von DÜF, FAZ und IF

Lettres à Lou
Titelgrafik der bei Gallimard erschienenen „Lettres à Lou“ von Guillaume Apollinaire. - Bild: Gallimard

Françoise Sorel, eine in Bordeaux lebende Deutschlehrerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin (Ph. D.) der Université Bordeaux Montaigne hat den im Dezember 2020 ausgelobten Übersetzungswettbewerb gewonnen, der gemeinsam vom Deutschen Übersetzerfonds, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Institut Français ausgerichtet wurde.

Der mit 2.000 Euro dotierte Preis wurde am 2. Juli 2021 im Rahmen der Veranstaltung „Mon Lou adoré – ein Apollinaire-Abend“ im Garten des Literarischen Colloquiums Berlin persönlich an Sorel überreicht.

Gegenstand des Wettbewerbs waren zwei bislang nicht auf Deutsch erschienene Briefe Guillaume Apollinaires aus dem berühmten Briefkonvolut Lettres à Lou, die erstmals 1969 bei Gallimard erschienen sind. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung von Briefen, die der bedeutende französische Lyriker und Schriftsteller in den Kriegsjahren 1914 und 1915 an seine Geliebte Louise de Coligny-Châtillon schrieb.

Der Teilnehmerkreis war nicht auf Berufsübersetzer beschränkt, sodass sich auch interessierte Laien an der Übersetzung aus dem Französischen versuchen durften.

In einem anonymisierten Verfahren hatte die Jury (Brigitte Große, Marie Luise Knott, Aurélie Maurin, Tilman Spreckelsen, Anne Weber) 331 deutsche Übersetzungen zu prüfen. Die Wahl fiel auf die von Françoise Sorel eingereichte Version und wird wie folgt begründet:

Sorels Stil und ihre lexischen wie rhythmischen Entscheidungen überzeugen. Die Feinheiten der Verschiebungen und Verknappungen, die sie dem französischen Original abgelauscht und ins Deutsche übertragen hat, ist ein grandioses Beispiel, wie sie allen Elementen des Originals traut – den Gleitmomenten, den Höhenflügen und den Brüchen gleichermaßen.

Die präzisen, äußerst sinnlichen Bilder der Briefe, die französischen Militaria ebenso wie die umgangssprachlichen Einsprengsel überträgt Sorel mit ebensogroßer Selbstverständlichkeit wie die kleinen Auslassungen, die, der Hast der Sehnsucht geschuldet, dem Original seinen „Geschmack“ geben. Die kleinen Signale des Französischen werden im Deutschen weder vergrößert noch abgeschliffen, sondern schlicht transportiert und transponiert.

Ist es ein Zufall oder ein Zeichen in diesen globalen Zeiten, dass die Gewinnerin eine französische Muttersprachlerin ist, die ihr Deutsch über Jahrzehnte an literarischen Texten schulte?

Françoise Sorel hat Germanistik in Bordeaux studiert und dort auch mit einer Arbeit über Peter Stamms Erzählungen promoviert. Ihre wissenschaftlichen Interessen liegen vor allem auf dem Gebiet der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Publizistisch trat sie mit Studien über Vladimir Vertlib, W. G. Sebald und zuletzt über die deutschen Übersetzungen von Joris-Karl Huysmans Roman À rebours in Erscheinung.

Sorels Übersetzung ist am 3. Juli mit einem begleitenden Essay von Marie Luise Knott in der Print- und Online-Version der FAZ erschienen.

Im Jahr 2017 war der Wettbewerb zum ersten Mal durchgeführt worden, damals in der Sprachrichtung Englisch-Deutsch mit einem Text von Don DeLillo.

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