„Hilfeplanung dolmetschen, vermitteln, übersetzen“ – Studie zur Sprachmittlung in Kinder- und Jugendhilfe

Hilfeplanung dolmetschen
Bild: Beltz

Im Weinheimer Julius Beltz Verlag, der auch das Monatsmagazin Psychologie heute herausbringt, ist im Oktober 2021 eine Studie unter dem Titel Hilfeplanung dolmetschen, vermitteln, übersetzen – Eine empirische Untersuchung über Herausforderungen gedolmetschter Hilfeplangespräche erschienen.

Die Autorin Carolyn Hollweg untersucht darin, wie die Verständigung zwischen pädagogischen Fachkräften und Adressaten gelingen kann, wenn dafür keine gemeinsame Sprache zur Verfügung steht. Insbesondere im Kontext der Hilfeplanung – dem Schlüsselprozess der sozialpädagogischen Leistungserbringung – kommt dieser Frage besondere Bedeutung zu.

Dennoch ist über den Einsatz von Dolmetschern bislang nur wenig bekannt, es fehlt sowohl an empirischen Einsichten als auch fachlichen Maßstäben. Dieser Leerstelle nimmt sich die Studie an. Sie gibt Aufschluss über die Herausforderungen und Beteiligungsmöglichkeiten in gedolmetschten Hilfeplangesprächen und damit Impulse zu ihrer Weiterentwicklung.

Hollweg ist Referentin im Evangelischen Erziehungsverband. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Praxisentwicklungsprozesse in den Erziehungshilfen, kinder- und jugendhilfepolitische Entwicklungen, Inklusion und Intersektionalität.

Verständigungsschwierigkeiten können Auftragserfüllung gefährden

Im Vorwort heißt es:

Insbesondere in der Sozialen Arbeit bildet die gemeinsame Verständigung zwischen Adressat*innen und pädagogischen Fachkräften eine grundlegende Prämisse professionellen Handelns. Gerade in der Kinder- und Jugendhilfe begründet das gemeinsame Gespräch das Fundament für eine vertrauensvolle Beziehung, für eine umfassende Informierung und Teilhabe der Adressat*innen, für die Ermittlung ihres Anliegens und die Qualität der Leistungserbringung. In letzter Konsequenz können sprachliche Verständigungsschwierigkeiten daher eine angemessene Auftragserfüllung der Fachkräfte gefährden. […]

Ausgangspunkt dieser Untersuchung ist die Beobachtung, dass die monolinguale Verwaltungssprache der Kinder- und Jugendhilfe im Kontext der lebensweltlichen Mehrsprachigkeit ihrer Adressat*innen an ihre Grenzen stößt. Insbesondere mit Blick auf die Hilfeplanung, dem fachlichen Steuerungsinstrument der sozialpädagogischen Leistungserbringung, werden daher differenzierte Übersetzungsprozesse erforderlich. […]

Auf der einen Seite fordern fachliche Empfehlungen zur Hilfeplanung den Einsatz von Sprachmittler*innen ein. Wie sonst kann die Kinder- und Jugendhilfe ihrem fachlichen Auftrag gerecht werden? Dabei sollen die Sprachmittler*innen nicht nur die vielfachen Verständigungsschwierigkeiten zwischen nicht oder nur in geringem Maße deutschsprachigen Adressat*innen und pädagogisch Professionellen überwinden helfen. Von ihnen werden außerdem kulturelle Übersetzungs- und mediative Vermittlungskompetenzen erwartet. Auf der anderen Seite zeigen vereinzelte, primär quantitative Studien in diesem Bereich auf, dass dafür oftmals weniger qualifizierte Sprachmittler*innen als vielmehr ad hoc Bekannte und Verwandte der Adressat*innen, Kinder oder mehrsprachige Kolleg*innen herangezogen werden. […]

Was heißt das für die Beteiligten, die Inhalte und Ziele ihres Gesprächs, wenn ihre gemeinsame Verständigung in erster Linie von der sprachmittelnden Person abhängig ist? Wie kann die mehrsprachige Fallarbeit unter diesen Bedingungen gemeinsam ausgestaltet werden? Was bedeutet das für die Beteiligung der Adressat*innen und die fachlichen Ansprüche an das teilha-beorientierte Verfahren des Hilfeplangesprächs? Und welche Personen werden zur sprachlichen Mittlung herangezogen?

Inhalt

Die Hauptüberschriften lauten:

Teil I: Sprachmittlung im Hilfeplangespräch – Ausgangspunkte, Forschungsstand und Untersuchungsdesign

  • Einleitung: Sprache(n) in der Sozialen Arbeit
  • Sprachmittlung als Jugendhilfeleistung?
  • Das gedolmetschte Hilfeplangespräch – Erkenntnisse aus dem Forschungsstand
  • Die Verständigungspraxis gedolmetschter Hilfeplangespräche – ein interaktionssoziologischer Zugang
  • Das Forschungsdesign: methodologische Überlegungen und ihre methodische Umsetzung

Teil II: Die mehrsprachige Verständigungspraxis gedolmetschter Hilfeplangespräche – rekonstruktive Analysen

Teil III: (Un)geteilte Sprachräume – Diskussion und Ausblick

Bibliografische Angaben

  • Carolyn Hollweg (2021): Hilfeplanung dolmetschen, vermitteln, übersetzen – Eine empirische Untersuchung über Herausforderungen gedolmetschter Hilfeplangespräche. Weinheim: ‎ Beltz. 334 Seiten, 49,95 Euro, ISBN 978-3779967491. Auch als E-Book erhältlich. Auf Amazon ansehen/bestellen.

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