GfdS wählt „Wellenbrecher“ zum Wort des Jahres 2021 – SolidAHRität und Pflexit auf Platz 2 und 3

Wellenbrecher
Wellenbrecher an der Ostseel. - Bild: Andreas Lischka / Pixabay

Das Wort des Jahres lautet „Wellenbrecher“. Diese Entscheidung gab die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am 2. Dezember 2021 in Wiesbaden bekannt. Insgesamt wurden zehn Wörter des Jahres gekürt, von denen die Hälfte einen Bezug zur Coronavirus-Pandemie aufweist. Hier die gesamte Rangfolge:

  1. Wellenbrecher
  2. SolidAHRität
  3. Pflexit
  4. Impfpflicht
  5. Ampelparteien
  6. Lockdown-Kinder
  7. Booster
  8. freitesten
  9. Triell
  10. fünf nach zwölf

1. Wellenbrecher

Das Wort des Jahres 2021 ist Wellenbrecher. Das Wort steht für alle Maßnahmen, die getroffen wurden und werden, um die 4. Corona-Welle zu brechen. Das aus Küstenschutz und Schiffbau bekannte Wort nahm durch das auch 2021 beherrschende Thema – die Corona-Pandemie – eine Reihe von neuen Bedeutungen an. Es stand unter anderem für ›Maßnahmen gegen Covid-19‹, für den ›Zeitraum, in dem solche Maßnahmen gelten sollen‹, und auch für eine ›Person, die sich nach ihnen richtet‹ (»Werden Sie zum Wellenbrecher!«).

Übertragene Verwendungsweisen wie diese sind aus sprachwissenschaftlicher Sicht jahrestypisch: Ob diese langfristig in unserem Wortschatz bleiben werden, hängt wesentlich davon ab, ob es uns gelingt, die Pandemie nachhaltig einzudämmen.

2. SolidAHRität

Mit der besonderen Schreibweise SolidAHRität wurde auf die Flutkatastrophe in Westdeutschland, besonders im Ahrtal, Bezug genommen. Die Wortkreuzung aus Solidarität und dem Flussnamen Ahr war ursprünglich der Name einer Hilfsaktion für hochwassergeschädigte Winzer, wurde aber auch darüber hinaus kennzeichnend für die große Hilfsbereitschaft, die sich in Form von Spenden und tätiger Unterstützung weit über die betroffene Region hinaus zeigte.

3. Pflexit

Pflexit, nach dem Vorbild von Grexit, Brexit, Polexit usw. gebildet aus Pflege und Exit und somit gleichfalls eine Wortkreuzung, hat im sogenannten Pflegenotstand einen ernsten Hintergrund: Immer öfter verlassen Pflegekräfte, meist wegen harter Arbeitsbedingungen und/oder schlechter Bezahlung, ihren Beruf. Der Pflegeausstieg könnte zu einem ernsten gesellschaftlichen Problem werden.

4. Impfpflicht

Hatte die Politik angesichts großer Widerstände in der Bevölkerung eine verpflichtende Impfung gegen SARS-CoV-2 auch stets ausgeschlossen, so änderte sich diese Haltung im Herbst 2021: Nun wurde die Impfpflicht, sei es für bestimmte Berufsgruppen oder auch allgemein, mehr und mehr als Möglichkeit angesehen – ein Zeichen dafür, dass die Stimmung im Land sich in der 4. Welle der Pandemie allmählich verändert.

5. Ampelparteien

Die Bundestagswahl im September 2021 führte zu einer Verschiebung der Die Bundestagswahl im September 2021 führte zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse: Erstmals nach 16 Jahren fanden sich CDU und CSU in der Opposition. Die SPD als Wahlsieger schmiedete mit der FDP und den Grünen eine Ampel-Koalition (benannt nach den Parteifarben Rot, Gelb und Grün).

Das Wort Ampelparteien ist zwar als solches nicht neu, zu einem Jahreswort wird es aber durch die 2021 sprunghaft angestiegene Häufigkeit seiner Verwendung. Und die Ampelkoalition besteht erstmals auf Bundesebene.

6. Lockdown-Kinder

Auf die Probleme von Kindern und Jugendlichen, die durch die Corona-Pandemie seit annähernd zwei Jahren großen Belastungen ausgesetzt sind (Online-Unterricht, Beschränkung sozialer Kontakte, Zunahme häuslicher Gewalt, psychische Erkrankungen usw.), macht das Wort Lockdown-Kinder aufmerksam.

7. Booster

Der Booster, zu Deutsch die Auffrischungsimpfung, ist ein weiteres Pandemiewort des Jahres 2021. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass zwei Impfungen gegen Covid-19 noch keinen zufriedenstellenden Schutz bieten, wurde zunächst bestimmten Personengruppen, später dann allen über 18 eine dritte Impfung empfohlen.

8. freitesten

Mit freitesten wurde der deutschen Sprache ein neues Verb beschert. Inhaltlich geht es darum, dass Personen, die weder geimpft noch genesen (2G) sind, bestimmten pandemiespezifischen Beschränkungen dadurch entgehen können, dass sie sich einem Corona-Test unterziehen. Grammatisch handelt es sich zum einen um ein transitives Verb (es erfordert ein Akkusativobjekt, oft das Reflexivpronomen sich), zum anderen um ein sogenanntes trennbares Verb (ich teste mich frei, nicht ich freiteste mich).

9. Triell

Triell steht für ein ›Duell zu dritt‹. Das Wort gibt es zwar schon seit Längerem, es wurde aber im Bundestagswahlkampf 2021 durch die von drei Personen – einer Spitzenkandidatin und zwei Spitzenkandidaten – ausgetragenen Fernsehdebatten populär. Altlateinisch duellum ist eine frühe Form von bellum (›Krieg‹); es wurde später volksetymologisch mit duo (lateinisch ›zwei‹) in Verbindung gebracht und nahm daher die Bedeutung ›Zweikampf‹ an. Bei der Weiterbildung mit dem Präfix tri– (›drei, dreifach‹) zu Triell handelt es sich wie bei SolidAHRität und Pflexit um eine Wortkreuzung (auch bekannt als Kontamination, Wortverschränkung, Kofferwort oder Portemanteau).

10. fünf nach zwölf

Die Wortgruppe fünf nach zwölf, häufig mit der Betonung auf nach, ist ein beliebt gewordener Ausdruck für besonders starken Aktionsbedarf – in der Klimapolitik, bei der Pandemiebekämpfung oder auch in beliebigen anderen Zusammenhängen. Es handelt sich um eine Weiterführung der Formulierung fünf vor zwölf. Wer mitteilt, dass es bezüglich eines bestimmten Problems fünf nach zwölf (alternativ auch sogar schon zehn nach zwölf, viertel vor eins o. Ä.) sei, sagt damit genau genommen, es sei eigentlich schon zu spät zum Handeln. Und umso dringender müsse daher gehandelt werden.

Wörter des Jahres wurden zum 45. Mal verkündet

GfdS-LogoDie Wörter des Jahres der Gesellschaft für deutsche Sprache wurden 2021 zum 45. Mal in Folge bekannt gegeben. Die Aktion, die mittlerweile weltweit Nachahmung findet, ist die älteste ihrer Art. Traditionell suchen die Mitglieder des Hauptvorstandes und die wissenschaftlichen Mitarbeiter der GfdS nicht nach den am häufigsten verwendeten Ausdrücken, sondern wählen solche, die das zu Ende gehende Jahr in besonderer Weise charakterisieren.

Dass fünf von zehn Wörtern der Liste einen direkten Corona-Bezug haben, rückt deutlicher als jede Einzelplatzierung in den Blick, wie stark auch das Jahr 2021 von der Pandemie geprägt war.

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