Christian Lindner etabliert „Bubatz“ im deutschen Wortschatz

Christian Lindner
Christian Lindner - Bild: Laurence Chaperon / FDP

Für einigen Wirbel sorgte am 6. Mai 2022 ein Tweet des FDP-Vorsitzenden und Bundesfinanzministers Christian Lindner. Darin benutzte er eine Vokabel, die den meisten Lesern offenbar unbekannt war: „Bubatz“.

Diejenigen, die wussten, was damit gemeint ist, waren hingegen ob der frohen Botschaft ganz entzückt.

Lindner schrieb unter Bezugnahme auf eine Pressemeldung über die von der Ampel-Koalition geplante Freigabe von Cannabis:

Eine Frage, die mir viele immer wieder stellen: „Wann Bubatz legal?“ Ich würde sagen: Bald. <Brokkoli-Emoji> CL

Lindner-Tweet Bubatz

Worum es im Tweet des Finanzministers ging, war also klar. Dass mit „Bubatz“ nur Haschisch gemeint sein konnte, ließ sich erschließen. Und doch war diese Benennung einer an Synonymen nicht armen Droge selbst vielen Kiffern auf Twitter nicht geläufig.

Duden und DWDS kennen „Bubatz“ nicht

Wer hofft, seine Wortschatzlücke mit Hilfe des Dudens oder des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache (DWDS) schließen zu können, wird enttäuscht. Beiden Wörterbüchern ist der Ausdruck unbekannt.

Bubatz Duden

Das DWDS verweist aber auf einen Treffer im ZDL-Regionalkorpus mit Artikeln aus Lokal- und Regionalteilen deutscher Tageszeitungen sowie auf 26 Fundstellen im Internet-Korpus Webmonitor. Dies deutet darauf hin, dass es sich um einen sehr jungen Ausdruck handelt.

Bubatz DWDS

„Bubatz“ kommt nicht aus dem Jiddischen oder Rotwelschen

Bildungsbürger könnten versucht sein, den Ursprung des Ausdrucks im Jiddischen oder Rotwelschen zu suchen. Dass es sich hier um ein altes, in Vergessenheit geratenes und nun von Jugendlichen wiederbelebtes Wort aus diesen Varianten des Deutschen handelt, lässt sich jedoch nicht belegen. „Bubatz“ kommt in den historischen Korpora des DWDS gar nicht vor.

Bubatz steht im „Mittelelbischen Wörterbuch“

Im an der Universität Halle online gepflegten „Mittelelbischen Wörterbuch“ findet sich ein Eintrag „Bubatz“. Demnach bezeichnet das Wort im Brandenburgischen einen „groben, rücksichtslosen Menschen“. Ein Bezug zu Rauschmitteln ist hier aber nicht erkennbar.

Bubatz im mittelelbischen Wörterbuch

Erfindung von Meme-Freunden auf Reddit?

Auf Twitter wird vielfach vermutet, der Ausdruck sei eine freie Erfindung von Spaßvögeln, die sich auf dem Social-News-Aggregator Reddit, genauer gesagt dem Subreddit „ich_iel“ tummeln. Tatsächlich kann man dort zahlreiche Bubatz-Memes finden, aber keine Hinweise darauf, wer das wann in die Diskussion geworfen hat.

Die meisten Netzfundstellen führen in die Deutsch-Rap-Szene

Verschiedene Internet-Quellen geben an, dass das Wort jüngeren Datums ist und im migrantischen Hiphop-Milieu verwendet wird. So ist auf der für Computerspieler gedachten Website Giga.de seit dem 17. Dezember 2021 zu lesen:

Bei „Bubatz“ handelt sich um einen Kunstbegriff für einen „Joint“, also eine Cannabis-haltige Zigarette. Es wird auch als alternative Bezeichnung für „Gras“ oder „Weed“ verwendet. […] Der Ausdruck kommt vor allem in der Frage „Wann Bubatz legal“ [in Memes] vor.

Abwandlungen seien unter anderem die Ausdrücke „Babak“ oder „Bobaz“. Aus welchen Sprachen diese Varianten stammen und was sie ursprünglich bedeuten, kann aber auch Giga.de nicht sagen.

Aber es wird auf die Szene verwiesen, in der diese Wörter entstanden sind:

Im deutschsprachigen Raum wird der Ausdruck vor allem in der Hip-Hop-Szene immer wieder verwendet. So hört ihr „Bubatz“ oder Abwandlungen unter anderem in diesen Songs:

• „Kaffee schwarz, ohne Milch und Zucker, SVD baut nen dicken Bubatz“ („Sound für die Hood“ von Lugatti & 9ine)
• „Lange Nächte mein Burder, Wir killn aufm Parkplatz, Bra, dreh mal nen Bubatz!“ („Million“ von Rojas)
• „Ich zieh am Bubatz und spür wie die Gedanken wieder springen.“ („Engel singen“ von Viko63)

Auch der in Sibirien geborene und mit ukrainischem Pass in Deutschland lebende Rapper Capital Bra benutze den Ausdruck. Vielleicht sollte man den mal fragen?

Bubatz
Bubatz, der. – Bild: Circe Denyer / Pixabay

Etymologen vor!

Aus den dürftigen Fundstellen im Netz ergibt sich zwar die Bedeutung, nicht aber die Herkunft des Worts.

Klar ist eigentlich nur, dass es „der Bubatz“ und nicht etwa „das Bubatz“ heißt und dass „Babak“ sowie „Bobaz“ Synonyme dieses Ausdrucks sind. Laut dem freien Wörterbuch Wiktionary existiert keine Pluralform des Worts. Dort heißt es auch:

Dieser Ausdruck wird vorwiegend im Internet verwendet und ist sprachwissenschaftlich nicht erfasst. […] die Schreibweise ist nicht verbindlich und kann variieren.

Falls Cannabis in absehbarer Zeit tatsächlich legalisiert werden sollte, könnte die Bezeichnung „Bubatz“ weitere Verbreitung finden. Möglicherweise avanciert sie gar zum Jugendwort des Jahres.

Höchste Zeit, dass sich die Duden-Redaktion oder das Institut für deutsche Sprache (IDS) einmal darum kümmern, die Herkunft des Wortes „Bubatz“ zu klären.

Richard Schneider

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