Germersheimer Übersetzerbühne: Ulrich Pröfrock gibt Comic-Figuren eine Stimme

Ulrich Pröfrock
Ulrich Pröfrock im Gespräch mit Lilian Pithan am FTSK Germersheim. - Bild: Bildschirmfoto

Am 4. Mai 2022 war Ulrich Pröfrock, bekannter Übersetzer von Comics und Graphic Novels aus dem Französischen, auf der Germersheimer Übersetzerbühne zu Gast.

Lilian Pithan, die ebenfalls Comics übersetzt, sprach mit ihm am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Universität Mainz in Germersheim über das Thema „Comicfiguren Stimme geben“.

Der Vortrag und die anschließende Diskussion wurden auf YouTube direkt übertragen, wo man sich auch die Aufzeichnung ansehen kann (die ersten vier Minuten ohne Ton):

Pröfrock wurde 1955 in Wuppertal geboren und verbrachte seine Gymnasialzeit ab 1965 in Frankreich, weil seine Eltern nach Paris gezogen waren. Zum Studium der Volkswirtschaftslehre kehrte er nach Deutschland zurück und machte sich 1985 mit Gründung seiner eigenen Buchhandlung „X für U“ in Freiburg selbstständig.

Seit den 1990er Jahren arbeitet er mit mehreren Comicverlagen zusammen. 2015 wurde er mit dem Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis ausgezeichnet. Er habe bei seiner Übersetzung der Graphic Novel Quai d’Orsay – Hinter den Kulissen der Macht aus dem Französischen „alle sprachlichen Register“ gezogen, urteilte die Jury. Die mit 12.000 Euro dotierte Auszeichnung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg würdigte damit zum ersten Mal eine Comic-Übersetzung.

Ich vertraue Ihnen das Allerheiligste an. Die Sprache.
„Ich vertraue Ihnen das Allerheiligste an. Die Sprache.“ (Quai d’Orsay)

Und 2018 erhielt er für die Übersetzung von Esthers Tagebücher des franko-syrischen Autors Riad Sattouf den Max-und-Moritz-Preis in der Kategorie „Bester internationaler Comic“.

Pröfrock, der nach Aussage in der Veranstaltung bislang 250 bis 300 Comic-Bände übersetzt hat, übernimmt zurzeit zehn bis fünfzehn Titel pro Jahr. Das Übersetzen übte er mehr als 30 Jahre nebenberuflich aus. Erst 2018 hat er seine Comic-Buchhandlung „X für U“ an einen Nachfolger übergeben.

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