EYLBID: Internationales Erasmus+-Forschungsprojekt zu Schülern als Sprachmittlern

EYLBID
Bild: Alexandra Koch / Pixabay, UEPO

Amira ist im zweiten Jahr der Sekundarschule. Eine Lehrerin fragt sie, ob sie dem Direktor helfen würde, der Mutter eines neuen Schülers die Schule zu zeigen und ein Gespräch zu führen. Die Lehrerin erwähnt, dass die Mutter kein Deutsch spräche, weil die Familie erst vor kurzem ins Land gekommen sei. Amira ist etwas nervös, freut sich aber auch, den Eltern und dem Direktor helfen zu können.

Dieses Szenario wird vielen Lehrkräften bekannt vorkommen. Viele müssen regelmäßig Schüler bitten, bei Gesprächen mit Mitschülern oder Eltern die Rolle des Sprachmittlers zu übernehmen.

Das von der EU geförderte Erasmus+-Projekt EYLBID (Empowering Young Language Brokers for Inclusion in Diversity) untersucht die Sprachmittlungstätigkeit von Schülern für andere Schüler, Lehrer und Eltern. Es wurden Lehr- und Lernmaterialien entwickelt, die Schulen helfen sollen, besser mit der Situation umzugehen.

Mehrsprachigkeit würdigen und Bewusstsein für Sprachmittlung schärfen

Kinder und Jugendliche spielen eine wichtige Rolle bei Migrationsprozessen, da sie als Bindeglied zwischen ihren Familien, lokalen Kommunen und ihrer Schule fungieren können. Schulbildung und sprachliche Immersion in die Gesellschaft des Aufnahmelandes können dazu beitragen, dass junge Menschen die Amtssprache des neuen Landes schneller lernen als ihre Eltern oder andere Erwachsene.

Wenn sie im Rahmen eines schulischen Kontextes vermitteln, führt dies zu sprachlicher Vielfalt in der Schule. Sie demonstrieren dabei mehrsprachige und multikulturelle Fähigkeiten, die Teil ihres täglichen Lebens sind.

Das EYLBID-Projekt will Mehrsprachigkeit würdigen statt sie als Problem zu sehen. Darüber hinaus soll das Bewusstsein für die Rolle junger Menschen geschärft werden, die in der Schule übersetzen und dolmetschen.

Online-Veranstaltung stellt Lehr- und Lernmaterialien vor

In einer Online-Veranstaltung am 16. Mai 2022 möchten die Organisatoren über dieses Phänomen reflektieren und die Lehr- und Lerninstrumente präsentieren, die im Rahmen des Projekts entstanden sind.

Diese sollen (angehenden) Lehrkräften ein tieferes Verständnis für das Phänomen der Sprachmittlung durch Schüler vermitteln, um dies wiederum an ihre Schüler weitergeben zu können.
Konkret sind aus dem Projekt folgende Materialien entstanden:

  • Ein Handbuch für Lehrkräfte mit Aktivitäten für den Unterricht für die Sekundarstufe I und II zur Förderung der Mehrsprachigkeit und zur Sensibilisierung für sprachliche und kulturelle Vielfalt.
  • Ein interaktives Videospiel, bei dem Schüler bewusste Entscheidungen zur Lösung von Problemen im Zusammenhang mit sprachmittlerischen Tätigkeiten treffen müssen.
  • Ein E-Learning-Modul in Form von kurzen Videos („video capsules“).

Alle Materialien werden öffentlich und in allen Projektsprachen (Englisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Katalanisch) bereitgestellt.

Länderübergreifende Kooperation von Hochschulen

Projektbeteiligte sind neben der Leibniz-Universität Hannover auch die Universitat Autònoma de Barcelona, die Università di Bologna, The Open University (Milton Keynes), die University of Northampton sowie Kaneda Games. Die Arbeiten werden kofinanziert durch das Erasmus+-Programm der Europäischen Union.

Ansprechpartnerin in Deutschland ist Dr. Marta Estévez Grossi vom Romanischen Seminar der Leibniz-Universität Hannover. Sie ist unter der E-Mail-Adresse eylbid.luh@gmail.com erreichbar.

EYLBID-Veranstaltungshinweis

rs

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