Karen Nölle übernimmt Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an FU Berlin

August Wilhelm Schlegel
August Wilhelm Schlegel um 1800, damals noch ohne "von". - Bild: gemeinfrei

Die Übersetzerin und Autorin Karen Nölle übernimmt im Wintersemester 2022/2023 die „August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung“ an der Freien Universität Berlin.

In ihrer Antrittsvorlesung am 31. Oktober 2022 um 19:00 Uhr mit dem Titel „Es könnte auch ganz anders sein. Vom Umgang mit Ungewohntem“ beschäftigt sie sich mit dem Umgang mit fremdsprachlicher Literatur von Frauen in Übersetzung und Literaturbetrieb.

Dazu stellt sie Überlegungen an, wie dem, was von den Autorinnen neu und anders gesagt, gefühlt und gedacht wird, gerecht zu werden wäre. Bräuchte es eine besondere Haltung zu ihren Werken? Wie kann es gelingen, ohne zu konventionalisieren und auf hergebrachte Muster zurückzugreifen, das Fremde im Prozess der Übersetzung zum Sprechen bringen?

Die Veranstaltung, die in der Landesvertretung Schleswig-Holsteins stattfindet, ist öffentlich. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung bis zum 29. Oktober ist erforderlich unter: https://lv-landsh.de/Antrittsvorlesung.

Verbunden mit der Gastprofessur ist eine Lehrtätigkeit am Peter-Szondi-Institut für allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin. Im Rahmen eines Seminars wird Karen Möller mit Studierenden Texte von Klassikerinnen wie Mary Shelley und Virginia Woolf übersetzen sowie von Autorinnen der Gegenwart, zum Beispiel Alice Munro, Ursula K. Le Guin und Chimamanda Ngozi Adichie.

Karen Nölle wurde 1950 in Hamburg geboren und verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Kalifornien. Sie studierte Anglistik, Romanistik, Germanistik und Philosophie in Hamburg und Aachen und war mehrere Jahre wissenschaftliche Angestellte am Lehrstuhl für Anglistik und Amerikanistik der RWTH Aachen. Seit 1984 arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin und übertrug unter anderem Werke von Autorinnen wie Annie Dillard, Ursula K. Le Guin, Audre Lorde, Alice Munro und Eudora Welty.

Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem Eva-Bornemann-Stipendium, mit einem Reisestipendium des Freundeskreises zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen sowie verschiedenen Reise- und Arbeitsstipendien des Deutschen Übersetzerfonds. Im Jahr 2008 wurde Karen Nölle zu „Bücherfrau des Jahres“ gewählt.

Zuletzt erschienen ihre Übersetzungen von Ursula K. Le Guins Romanen Das Wort für Welt ist Wald und Die Überlieferung in dem Band Grenzwelten (Fischer Tor) sowie Andrea Barretts Die Luft zum Atmen und Schiffsfieber (Unionsverlag). Im Herbst 2022 folgen die Übersetzungen von Le Guins Die linke Hand der Dunkelheit (Fischer Tor) sowie von Annie Dillards Roman Einen Stein zum Sprechen bringen (Matthes & Seitz Berlin) und Memoir Zami – Eine neue Schreibweise meines Namens (Hanser) von Audre Lord.

Nölle arbeitet außerdem seit 1990 als freiberufliche Lektorin und war von 2009 bis 2019 Herausgeberin der edition fünf im Verlag Silke Weniger. Darüber hinaus hat sie selbst zahlreiche Bücher verfasst, darunter verschiedene Reiseführer und Reisebegleiter.

Als Übersetzerin engagiert sich Karen Nölle unter anderem im VdÜ und seit 2019 als Präsidentin des Freundeskreises zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen.

Gastprofessur für Poetik der Übersetzung

Die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung wurde zum Wintersemester 2007/2008 vom Deutschen Übersetzungsfonds und der Freien Universität Berlin ins Leben gerufen. Eingerichtet ist die Gastprofessur am Peter-Szondi-Institut für allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft.

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