Triaphon-Pilotprojekt in Kinderarztpraxen wird auf 100 Ärzte in Hamburg und Berlin ausgeweitet

Triaphon
Bild: Triaphon

Ein Jahr lang hat Triaphon in Kinderarztpraxen den Einsatz seiner Dolmetsch-Hotline getestet. Mit Erfolg: Die Kommunikation zwischen den Kinderärzten und ihren kleinen Patienten konnte deutlich verbessert werden. Jetzt sollen in den Modellregionen Berlin und Hamburg bis zu 100 pädiatrische Praxen mit der Triaphon-Hotline ausgestattet und deren Einsatz später evaluiert werden. Das Projekt namens „TriaKi“ wird durch die Auridis-Stiftung gefördert.

Mit der jederzeit und sofort verfügbaren Sprachmittlung via Telefon ermöglicht Triaphon eine schnelle und unkomplizierte Überbrückung von Sprachhürden zwischen Ärzten und Patienten. Bislang wird die Hotline vor allem in Kliniken genutzt.

Weil aber besonders bei Kindern neben der Behandlung medizinischer Notfälle oder akuten bzw. langfristigen Erkrankungen auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig sind, hat das gemeinnützige Unternehmen den Service ein Jahr lang in Kinderarztpraxen getestet.

Die Ergebnisse des Pilotprojekts haben die Auridis-Stiftung davon überzeugt, die Förderung zu verlängern und auszuweiten. In der ersten Förderphase konnten 20 Kinderarztpraxen kostenfrei mit Triaphon ausgestattet werden, jetzt soll die Nutzung auf insgesamt 100 Praxen ausgeweitet werden.

Die Kinderärzte, die im Zuge der Pilotphase Triaphon bereits nutzen konnten, zeigten sich begeistert:

Dr. med. Jörn Blume, Dr. med. Lothar Müller, Berg-Hafen-Praxis Neukölln, Gesundheitskollektiv Berlin:

Triaphon versetzt uns in die Lage, reibungslos mit unseren glücklicherweise sehr diversen Patienten zu kommunizieren. Die individuelle, persönliche Übersetzung ist im medizinischen Kontext, wo es häufig auf sprachliche Nuancen ankommt, einer digitalen Variante weit überlegen. Der Service steht immer zur Verfügung, wenn wir ihn brauchen. Handhabung und Nutzung erschließen sich intuitiv, nach einer minimalen Einweisung nutzen alle unsere Mitarbeiter den Dienst.

Rückmeldung einer TriaKi-Praxis in anonymer Online-Evaluation:

Es war eine unglaubliche Erleichterung, auch wenn ein solches Gespräch mit den Angehörigen dann viel länger dauert. Zum Teil haben die Eltern dann endlich alles gesagt und gefragt, was sie wollten. Für mich war es sehr hilfreich, eine Übersetzung zu haben und auch jemanden, der sich in der Kultur auskennt, so dass ich einiges „merkwürdige“ Verhalten besser einordnen konnte.

Auch die Eltern nahmen das Angebot der Sprachmittlung als sehr positiv wahr. In einer telefonischen Befragung ausgewählter Angehöriger bewerteten diese den Einsatz von Triaphon als sehr hilfreich und die Übersetzungen als sehr gut. Sie fühlten sich durch den Einsatz von Triaphon besser aufgeklärt und informiert, alle Fragen zum Krankheitsbild des Kindes konnten dank der telefonischen Sprachmittlung geklärt werden. Auch hätten sie durch Triaphon verstanden, wann und wieso sie mit ihren Kindern zum nächsten Folgetermin in der Praxis erscheinen sollen.

Auf die Frage, ob sie telefonische Sprachmittlung grundsätzlich bei Arztbesuchen begrüßen würde, antwortete eine Mutter:

Definitiv. Ich wünsche mir sehr, dass man diese Übersetzungen am Telefon auch bei anderen Ärzten bekommt. Zu meinen Terminen in der Klinik verstehe ich fast überhaupt nichts und ich habe weiterhin dieselben Schmerzen, weil ich mich nicht richtig ausdrücken kann.

Langfristig möchte Triaphon dazu beitragen, dass Sprachmittlung im pädiatrischen Bereich flächendeckend angeboten wird. Doch das muss auch finanziert werden. Die teilnehmenden Ärzte des Pilotprojekts sprechen sich daher einheitlich dafür aus, dass Sprachmittlung als abrechenbare Leistung in das Sozialgesetzbuch V (SGB V) aufgenommen wird.

Der Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung sieht bereits vor, dass Sprachmittlung auch mit Hilfe digitaler Anwendungen bei notwendigen medizinischen Behandlungen zur regelhaften Leistung der Krankenkassen gehören soll. Aktuell gibt es zudem eine erhöhte Dringlichkeit, da viele Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland auch medizinisch versorgt werden. Hier hat Triaphon bereits mit der kostenlosen „Dolmetsch-Nothilfe Ukrainisch“ ein Hilfsangebot für medizinische Einrichtungen geschaffen.

Über Triaphon

Triaphon ist eine Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die medizinische Versorgung von Patienten mit Sprachbarriere zu verbessern. In medizinischen Akutsituationen fehlt es oft an verfügbaren Dolmetschern vor Ort, was zum Teil gravierende Auswirkungen haben kann. Dr. med. Korbinian Fischer und Dr. med. Lisanne Knop sind daher aktiv geworden und haben Triaphon als telefonischen Dolmetschdienst gegründet, der rund um die Uhr erreichbar ist. Die Sprachmittler sind sofort verfügbar und dolmetschen telefonisch kurze Gespräche zwischen Ärzten, Pflegepersonal und Patienten.

Teilnehmende Einrichtungen können jederzeit die Triaphon-Hotline anrufen und dann per Knopfdruck die benötigte Sprache auswählen. Mehr als 130 geschulten Sprachmittler stehen am anderen Ende der Leitung für die Sprachen Arabisch, Bulgarisch, Dari/Farsi, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch und Vietnamesisch zur Verfügung.

Beatrice Brülke (Triaphon)

Babbel