„Sexuelle und reproduktive Gesundheit“: Der Paritätische veröffentlicht Leitfaden zur Sprachmittlung für Flüchtlinge

Sprachmittlung reproduktive Gesundheit
Bild: Der Paritätische

Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (Der Paritätische) hat einen 22-seitigen Leitfaden mit Praxisempfehlungen für Sprachmittler herausgegeben, die für Flüchtlinge zu Themen der „sexuellen und reproduktiven Gesundheit“ dolmetschen.

Mit „reproductive healthcare“ und Eindeutschungen wie „reproduktive Gesundheit“ ist in der Regel das Gegenteil von Reproduktion gemeint, nämlich die Verhinderung und der Abbruch von Schwangerschaften (Verhütung und Abtreibung).

In einer Pressemitteilung heißt es dazu:

Sprachmittlung für geflüchtete Menschen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte: Praxisempfehlungen für Sprachmittler*innen

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte beschreiben das Menschenrecht, frei und selbstbestimmt über den eigenen Körper, die Sexualität, Gesundheit und Reproduktion zu entscheiden.

Insbesondere geflüchtete Frauen und queere Geflüchtete sind beim Zugang zu diesen Rechten jedoch häufig mit erheblichen Barrieren konfrontiert. Zum einen, weil es an einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung fehlt und bürokratische Hürden den Weg in das Gesundheitssystem zusätzlich erschweren. Zum anderen, weil es einen erheblichen Mangel an einer qualifizierten, flucht- und migrationssensiblen Sprachmittlung gibt.

Für viele Menschen sind die Themenbereiche der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte sensible Bereiche, häufig betreffen diese Themen belastende Situationen.

Für Menschen, die auf eine Sprachmittlung angewiesen sind, ist eine sensibilisierte und qualifizierte Sprachmittlung umso wichtiger. Zu wissen, dass die eigenen Worte und die der beratenden Person akkurat übersetzt werden, dass das Gesagte im Raum bleibt und nicht den Weg in die eigene Community findet und dass sich die sprachmittelnde Person als aufrichtige Unterstützung der ratsuchende Klient*innen begreift, erhöht die Chance, dass sich Ratsuchende sicherer fühlen können und Beratungsangebote angenommen bzw. seltener abgebrochen werden.

Für die Sprachmittlung ergeben sich daher besonders hohe Anforderungen.

„Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte sind so anspruchsvoll, weil sie uns in unserem Innersten treffen, moralisch aufgeladen und mit Scham, Sehnsüchten und Verletzlichkeit verbunden sind. Wichtiger als Fachwissen ist daher eine wertschätzende und tolerante Haltung zu entwickeln.“ – Agisra e.V.

Die vorliegende Arbeitshilfe setzt hier an. Sie gibt Handlungsempfehlungen für die Praxis der Sprachmittlung im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte. Als Leitfaden richtet sie sich direkt an Sprachmittler*innen, die in diesem Themenbereich mit geflüchteten Menschen arbeiten (möchten). Sie dient aber auch als Orientierung für alle Interessierten in Beratungsstellen und einschlägigen Institutionen, die bereits Sprach- und Kulturmittler*innen einsetzen oder sie gerne in Zukunft einsetzen möchten.

Die Publikation ist im Rahmen des Paritätischen Projektes „Empowerment mit Sprach- und Kulturmittler*innen als Multiplikator*innen für die Vermittlung und Wahrnehmung von sexuellen und reproduktiven Rechten geflüchteter Menschen“ entstanden, welches seit 2022 durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus gefördert wird.

Im Projekt werden bundesweit an 12 Standorten Paritätischer Mitgliedsorganisationen Sprach- und Kulturmittler*innen zu den Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte auf der Basis eines gemeinsamen Rahmenkonzeptes geschult und in anschließenden Praxiseinsätzen begleitet.

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red

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