Übersetzungs- und Literatur-Festival „aller – retour“ 2024 unter Motto „Überschreiten“

Festival aller - retour
Bild: Festival aller - retour

Am 9. März 2024 findet in Freiburg im Üechtland (Kanton Freiburg) zum dritten Mal das Festival für Übersetzung und Literatur „aller – retour“ statt. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Überschreiten“, das aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird.

Übersetzungen bauen unverzichtbare Brücken und verbinden Sprachen und Kulturen. Das Festival ist die einzige öffentliche Literaturveranstaltung in der Schweiz, die sich ausschliesslich dem Übersetzen widmet.

Es wird in Zusammenarbeit mit dem Centre de traduction littéraire de Lausanne, dem Übersetzerhaus Looren und der Kulturstiftung Pro Helvetia durchgeführt.

Der Eintritt ist frei. Bei den Workshops / Ateliers wird eine Anmeldung wegen der beschränkten Plätze empfohlen.

Überschreiten mit Worten, Taten und Musik

Für die diesjährige Ausgabe hat die Programmkommission beschlossen, das Thema „Überschreiten“ oder „Transgression“ von verschiedenen Seiten zu betrachten. „Übersetzen steht symbolisch für den Übergang von einer Sprache in die andere, wobei die übersetzenden Personen einen Spielraum für eigene Interpretationen haben“, erklärt Programmleiterin Camille Logoz. Aber der Begriff Überschreiten beschränkt sich nicht auf die Sprache. Er kann auch die Nichterfüllung sozialer Normen, eine Übertretung der eigenen Grenzen oder eine Aggression bezeichnen.

Diese verschiedenen Aspekte finden sich im Programm wieder. Eröffnet wird das Festival mit der Diskussion „Blutendes Buch, wogende Sprachen“ über den Roman Blutbuch von Kim de l’Horizon. Wie lässt sich dieses mehrfach ausgezeichnete Werk, das Sprache, Identität und Körper erkundet, übersetzen? Die beiden Übersetzerinnen Rose Labourie (Französisch) und Silvia Albesano (Italienisch) sprechen über ihre persönliche Interpretation des Buchs.

Die Überschreitung bleibt vor allem politisch. Zwei Gespräche befassen sich mit diesem Aspekt, mit Blick auf das aktuelle Geschehen. Im ersten geht es mit Marina Skalova um die Texte dissidenter Dichterinnen aus Russland. Das zweite setzt sich mit Olivier Mannonis Neuübersetzung und kritischen Ausgabe von Hitlers Mein Kampf ins Französische auseinander, erschienen unter dem Titel Historiciser le mal. Hochaktuelle Werke, die der Subjektivität des Lesers unterliegen.

Auch die Vielfalt der in der Schweiz gesprochenen Sprachen wird thematisiert – in einem Atelier über Not Solivas Übertragung des Hobbit von Tolkien ins Surselvische. Weshalb und wie hat er ein derart monumentales Werk in eine lokale Sprache übersetzt?

Den musikalischen Abschluss bildet die Aufführung der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht in einer neuen französischen Übersetzung von Alexandre Pateau, zusammen mit der Neuen Oper Freiburg NOF.

Austausch mit der Politik und der Kultur

Das Festival erwartet prominente Gäste: von bedeutenden zeitgenössischen Schweizer Schriftstellern wie Lukas Bärfuss, Anne-Sophie Subilia oder Annette Hug bis hin zur Tessiner Staatsrätin Marina Carobbio Guscetti.

Bei einem Speeddating können an einem literarischen Beruf interessierte Personen auf informelle Weise mit verschiedenen Verlagshäusern und anderen Akteuren der Welt der Übersetzung in Kontakt treten. Ein Workshop für Gebärdensprache, organisiert von „Der Zauberkoffer“, bietet Kindern Gelegenheit, diese Welt kennenzulernen.

Programmpunkte

  • Sind Literatur und Übersetzung Brücken in andere Landesteile?
    Podiumsdiskussion mit Staatsrätin Marina Carobbio Guscetti, Reina Gehrig, Ruth Gantert, Camille Luscher, Velia Ferracini. Moderation: Claudia Appenzeller.
  • Blutendes Buch, wogende Sprachen
    Gespräch mit Silvia Albesano und Rose Labourie über das Blutbuch von Kim de L’Horizon.
  • Comic übersetzen: Raus aus der Blase!
    Workshop mit Myriam Alfano, die sich auf die Übersetzung von Comics und Graphic Novels aus dem Italienischen und Spanischen ins Deutsche spezialisiert hat.
  • Übersetzen: einen Durchgang öffnen
    Brownbag-​Session mit Gaëlle Cogan und Monique Kountangni.
  • So nah und doch so fremd – talagá?!
    Übersetzungsworkshop mit Annette Hug.
  • Unterirdische Welten: In den Furchen der Sprache
    Mit der Schriftstellerin und Dichterin Marina Skalova, die jüngst Gedichte von Galina Rymbu und Lida Yusupova aus dem Russischen ins Französische übersetzt hat.
  • Pišemo i sviramo, dakle postojimo / Wir schreiben und spielen, also sind wir
    Musikalische Lesung mit dem bosnischen Autor Amir Sarvan und dem Akkordeonisten Nermin Tulić, inszeniert von Zarina Tadjibaeva.
  • Ein Hobbit in der Surselva
    Mit Not Soliva, der Tolkiens Hobbit ins Surselvische übersetzt hat.
  • Gegen den Faschismus übersetzen
    Mit Olivier Mannoni, der Hitlers Mein Kampf ins Französische übersetzt hat.
  • Der Übersetzer als Vermesser: Im Werk von James Joyce
    Mit Ulrich Blumenbach, der sich an die Übersetzung von Finnegans Wake von James Joyce wagt.
  • Was aus unserem Altpapier wird
    Mit Lukas Bärfuss, Lucie Taïeb und Lionel Felchlin.
  • Sanfte Subversion
    Mit der Autorin Anne-​Sophie Subilia und ihrer Übersetzerin Carlotta Bernardoni-​Jaquinta zum Roman L’Épouse.
  • Der Dreigroschen-​Apéro: Aufwärmen vor dem Konzert
    Mit Alexandre Pateau, der die Dreigroschenoper ins Französische übersetzt hat, über „gesungene Übersetzungen“.
  • Die Dreigroschenoper: Miniaturversion für zwei Singstimmen und ein Klavier
    Mit Alexandre Pateau, Julia Deit-​Ferrand (Mezzosopran) und Florent Lattuga (Klavier).
  • Kinderprogramm „Der Zauberkoffer“

Die ch-Stiftung – Eine gemeinsame Stiftung der Kantone

Die ch-Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit (Eigenschreibweise „ch Stiftung“) ist eine interkantonale Organisation aller 26 Kantone. Sie setzt sich für die Idee des Föderalismus ein und fördert die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften und Kulturen sowie die Zusammenarbeit unter den Kantonen und mit dem Bund.

Das Festival aller retour

Die ch-Stiftung unterstützt seit 50 Jahren literarische Übersetzungen zwischen den Landessprachen und fördert auf diese Weise den literarischen Austausch über die Sprachgrenzen hinweg. Das Festival aller – retour wurde 2019 lanciert, um Übersetzern der ch-Reihe eine Stimme zu geben. Das mehrsprachige Festival ist auf die breite Öffentlichkeit ausgerichtet, soll aber auch ein Fachpublikum ansprechen.

Weiterführender Link

PM Festival aller – retour

Leipziger Buchmesse 2024