Heiliger Bimbam! Jetzt nutzt auch der Vatikan maschinelles Dolmetschen – in 60 Sprachen

Petersdom Rom Vatikan
Bild: Duc Tinh Ngo

2026 begeht der Vatikan den 400. Jahrestag der Weihe des Petersdoms, die am 18. November 1626 nach einer Bauzeit von 120 Jahren stattfand. Aus Anlass der Feierlichkeiten wird ab kommender Woche schrittweise ein KI-gestütztes Sprachmittlungssystem eingeführt, das Besuchern ermöglichen soll, die Feier der Heiligen Messe in 60 Sprachen auf dem eigenen Smartphone zu verfolgen.

Es handelt sich um die erste groß angelegte Anwendung von simultaner KI-Dolmetschung in einem sakralen Raum im Vatikan.

Entwicklung von Translated und Waibel

Die Technik liefert der italienische Sprachdienstleister Translated auf Basis der hauseigenen Übersetzungs-KI Lara. Lara wurde von Translated und Carnegie-AI LLC entwickelt, einem Anbieter von Technologien für das Simultandolmetschen. Wissenschaftliche Unterstützung leistete der deutsche KI-Forscher Professor Alexander Waibel.

Mauro Kardinal Gambetti, Erzpriester des Petersdoms und Präsident der Dombauhütte von Sankt Peter, erklärt dazu:

Die Basilika St. Peter empfängt seit Jahrhunderten Gläubige aller Nationen und Sprachen. Mit der Bereitstellung dieses Tools möchten wir dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen der Liturgie folgen können. Wir möchten damit der Mission der katholischen Kirche gerecht werden, die von ihrem Anspruch her weltumspannend ist.

Ich bin sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Translated. Im Jubiläumsjahr blicken wir mit Umsicht und Klarsicht in die Zukunft, und in der Zuversicht, dass die menschliche Erfindungsgabe, wenn sie vom Glauben geleitet wird, zu einem gemeinschaftsstiftenden Instrument werden kann.

Marco Trombetti, CEO und Mitbegründer von Translated, merkt an:

Sprache ermöglicht sinnstiftende Begegnungen. Die Nutzung unseres Dienstes im Petersdom ist eine konkrete Möglichkeit, künstliche Intelligenz in den Dienst des Verstehens, der Teilhabe und der Verständigung zu stellen. Wir fühlen uns geehrt, mit Lara zur Überwindung von Sprachbarrieren beitragen zu können und Teil des gemeinschaftlichen Gebets in der Kirche zu sein.

Browser-gestützte Anwendung

An den Eingängen der Kirche und bestimmten Stellen im Inneren können Besucher einen QR-Code scannen. Damit gelangen sie auf eine spezielle Website, auf der Übersetzungen der Liturgie in Echtzeit bereitgestellt werden – schriftlich und in gesprochener Sprache.

Dies funktioniert direkt im Webbrowser und erfordert kein Herunterladen und Installieren einer App. Es ist auch keine spezielle Hardware außer dem eigenen Smartphone erforderlich.

Idee auf Welttreffen der Brüderlichkeit geboren

Die Grundlage für das Projekt wurde im September 2025 im Vatikan geschaffen, als Marco Trombetti und Alexander Waibel am dritten „World Meeting on Human Fraternity“ (Welttreffen der Brüderlichkeit) teilnahmen.

Auf der Veranstaltung der vatikanischen Stiftung Fratelli tutti war gemeinsam mit anderen prominenten KI-Wissenschaftlern und Führungskräften aus aller Welt eine Erklärung verfasst worden, in der Grundsätze und Grenzen des KI-Einsatzes zum Nutzen der Menschheit beschrieben werden.

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Alexander Waibel mit Spracherkennung, Künstlicher Intelligenz und Maschineller Übersetzung. – Bild: Sandra Göttisheim / KIT

Alexander Waibel als wissenschaftlicher Berater beteiligt

Professor Alexander Waibel vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der größten deutschen Forschungseinrichtung (10.000 Mitarbeiter, Jahresbudget 1,2 Milliarden Euro), gehört zu den Pionieren der KI-gestützten Verdolmetschung. Als wissenschaftlicher Berater erläutert er:

Heutzutage haben wir die Möglichkeit, Sprachbarrieren in Echtzeit zu überwinden. In diesem Fall in einem überaus bedeutendsten Rahmen.

Beim dritten Welttreffen der Brüderlichkeit haben wir erkannt, dass die Verständigung der Menschen untereinander einer der wichtigsten Beiträge der KI für die Menschheit sein kann. Die Echtzeit-Verdolmetschung und -Übersetzung im Petersdom ist ein eindrucksvoller Ausdruck dieser Erkenntnis.

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PM Translated, Richard Schneider